Glück beim Schwammerlsuchen hatte Familie Glück aus Peiting. Der kleine Sebastian hilft beim Ausputzen der Steinpilze.
+
Glück beim Schwammerlsuchen hatte Familie Glück aus Peiting. Der kleine Sebastian hilft beim Ausputzen der Steinpilze.

Pilzberatung

Experten helfen Schwammerlsuchern

  • Elena Siegl
    VonElena Siegl
    schließen

Die Pilzsaison im Landkreis Weilheim-Schongau hat begonnen. Doch nicht alle Schwammerl, die im Wald gefunden werden, sollten auch mit nach Hause genommen werden. Wer sich bei seinen Fundstücken unsicher ist, kann die Pilzberatung in Anspruch nehmen.

Landkreis – Schwammerlsucher zieht es jetzt in die heimischen Wälder – die Pilzsaison hat angefangen. Doch nicht alles, was in den Körben landet, ist auch essbar. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann seine Fundstücke geprüften Pilzberatern vorlegen. Im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es allerdings keinen der Experten – die nächste Pilzberatung finden Bürger in Rettenbach am Auerberg, bei Ruth und Thomas Zick.

Vor allem an sonnigen Wochenenden haben die beiden gut zu tun. Menschen aus der Region – bis hinter Weilheim – bringen ihre Funde nach Rettenbach, um sie zusammen mit den Experten zu sortieren. „Die Leute glauben, dass sie nur Speisepilze gesammelt haben, wollen vor dem Essen aber lieber auf Nummer Sicher gehen“, erklärt der Pilzsachverständige Thomas Zick. Er ist froh, dass die Menschen in der Region in der Regel achtsam mit der Natur umgehen und Pilze, die sie nicht kennen eher stehen lassen.

Pilzberater sollen Körbe voller Schwammerl sortieren - in der Region Weilheim-Schongau läuft das anders ab

Zick, der auch Vizepräsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft ist, weiß, dass das in anderen Orten oft anders abläuft. So komme es zum Beispiel bei Pilzberatungen in München immer wieder vor, dass den Experten ein Korb voller wild gemischter Pilze vor die Nase gestellt wird und die Sammler wissen wollen, was sie davon alles essen können.

In Rettenbach sortieren Ruth und Thomas Zick meist nur ungenießbare Gallenröhrlinge aus, die zumindest für Laien, den Steinpilzen zum Verwechseln ähnlich sehen. „Da sind die Leute immer sehr froh, wenn sie die bitteren Pilze später nicht im Essen haben“, sagt Thomas Zick.

Giftige Pilze stehen noch als Speisepilze in alten Büchern

Oft sind es auch langjährige, passionierte Schwammerlsucher, bei denen Ruth und Thomas Zick giftige Pilze aus dem Korb ziehen. „Einige Pilze galten früher als essbar und stehen auch als Speisepilze in älteren Büchern – mittlerweile wissen wir allerdings dass sie tödlich giftig sind“, sagt Thomas Zick. Der Kahle Krempling und der Grünling sind zum Beispiel solche Kandidaten. „Sie lösen Autoimmunreaktionen aus. Durch den Grünling wird die Herzmuskulatur zersetzt“, warnt Zick.

Wer bei einem gefundenen Schwammerl nicht weiß, um was für eine Art es sich handelt und die Pilzberater befragen will, sollte den Pilz vorsichtig aus dem Boden drehen. „Zur Bestimmung brauchen wir alle Merkmale – auch die Knolle. Oft sind in der Stilbasis wichtige Merkmale“, erklärt Zick.

Schwammerl: Abschneiden oder aus der Erde drehen?

Darüber, ob man Schwammerl abschneiden oder aus der Erde drehen soll, gab es in der Vergangenheit hitzige Debatten. Nach neuesten Studien sei es aber egal, welche Methode man wählt, sagt Zick. „Speisepilze schneide ich immer ab, dann spart man sich gleich ein bisschen Arbeit beim Putzen“, sagt Thomas Zick.

Viel wichtiger sei ohnehin, dass die Flora und Fauna im Wald mit Respekt behandelt wird und die Schwammerlsucher nichts kaputt machen. Zum Beispiel sollten Giftpilze und kleine Pflanzen nicht einfach umgetreten werden.

Durch den vielen Regen in den vergangenen Wochen, seien die Bedingungen für Schwammerl heuer ideal. „Es dürfte ein interessantes Pilzjahr werden“, sagt Zick.

Angebote für Schwammerlsucher in Rettenbach

Für passionierte Schwammerlsucher, die sich vorstellen können, selbst Pilzberater zu werden, bieten Ruth und Thomas Zick spezielle Kurse zur Vorbereitung auf die Prüfung an. Und wer sich noch nicht so gut mit Schwammerln auskennt, kann an Pilzwanderungen und Kochevents teilnehmen. „Es muss ja nicht immer die Sahnesoße sein – auch wenn die mit Steinpilzen natürlich gut schmeckt“, sagt Thomas Zick und lacht. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.schwammerl.bayern.

Wie viele Schwammerl dürfen gesammelt werden?

Auch wenn es heuer viele Schwammerl gibt, sollten es Sammler nicht übertreiben – denn Pilze dürfen laut Bundesnaturschutzverordnung nur in geringen Mengen und nur für den eigenen Bedarf aus dem Wald mitgenommen werden. Genau festgesetzt ist die Menge zwar nicht, aber Fachleute gehen von ungefähr einem Kilo aus, heißt es beim Umweltreferat des Landratsamtes Weilheim-Schongau. Für Personen, die sich nicht daran halten, kann es äußerst teuer werden. So haben Sammler in einem anderen Landkreis zum Beispiel ein Bußgeld über 2500 Euro kassiert, weil sie 19 Kilogramm Schwammerl in ihr Auto luden. 

Wie viele Schwammerl die einzelnen Sammler mitnehmen, wird von Behörden zwar nicht konkret überwacht, andere Schwammerlsucher machen aber durchaus auf Verstöße aufmerksam. 

Das Umweltreferat weist außerdem darauf hin, dass Schwammerlsucher sinnvoll mit der Ressource Wald umgehen sollten. Ältere und unansehnlich gewordene Pilze, die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind, sollte man stehen lassen und auch nicht essbare Pilze sollten nicht umgestoßen werden, da auch sie eine wichtige Funktion im Wald erfüllen.

Pilzberater finden

Wer sich bei gefundenen Schwammerln unsicher ist findet bei der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (www.pilze-bayern.de) und der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (www.dgfm-ev.de) Experten. Das Umweltinstitut in München (www.umweltinstitut.org) bietet bis Oktober Radioaktivitätsmessungen von Pilzen an.

Lesen Sie auch: Die EVA in Erbenschwang übergibt im September die Presswasservergärungs-Anlage ihrer Bestimmung. Schon jetzt versorgt die Anlage das Entsorgungsunternehmen mit Energie.

Außerdem interessant: Das juristische Hickhack um Badeanlagen an gemeindeeigenen Gewässern war auch in Wildsteig Thema. Doch jetzt wurde eine Lösung gefunden, dass der beliebte Steg erhalten bleibt.

Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung.

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare