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Der Biergarten des „Löwenhofs“ in Schongau war gestern gut besucht. 

Wirte im Landkreis ziehen Bilanz

Gastronomen in Corona-Zeiten: Glücklich ist, wer einen Biergarten hat

Seit einigen Wochen dürfen Restaurants und Gaststätten unter strengen Auflagen wieder öffnen. Doch wie läuft das Geschäft in Corona-Zeiten? Wir haben bei den Gastronomen in der Region nachgefragt.

Landkreis – Die Sommersonne scheint am Weilheimer Marienplatz auf die zahlreichen Gäste vor Eisdiele, Café und Pizzeria. Alles sieht ganz normal aus, doch die Corona-Pandemie hat in der Saison 2020 vieles gravierend verändert. Das gilt auch für Kellner Maurizio, dem bei 27 Grad glänzende Schweißperlen von der Stirn tropfen.

„Es ist eine echte Zumutung, wenn man bei diesen Temperaturen den ganzen Tag mit einer Maske auf Mund und Nase arbeiten muss!“, sagt er und desinfiziert zum x-ten Mal einen der Tische vor dem Lokal. Auch dass die Gäste Abstand halten und ihre Daten hinterlegen müssen, beschert ihm zusätzlichen Aufwand.

Trotzdem sind viele Wirte und ihre Angestellten im Landkreis froh, dass die Betriebe seit einigen Wochen wieder geöffnet sind – schließlich sind die Hygiene-Auflagen das kleinere Übel im Vergleich zur kompletten Schließung. Es ist Hochsaison, in Kürze werden in Bayern die Sommerferien beginnen. „Für viele Unternehmen bleibt die Lage nach wie vor schwierig, bis alles wieder wie früher hochgefahren ist“, sagt Katharina Haller, stellvertretende Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes.

„Denn unzählige Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Busreisen oder Tagungen fallen aus, Hochzeiten werden aufs kommende Jahr verschoben, viele Leute haben einfach auch Angst zu verreisen.“

Fast die Hälfte des Umsatzes fehlt

In Peißenberg führt Haller seit Anfang 2015 als Pächterin die Traditionswirtschaft Sonne, die erst vor drei Jahren umgebaut wurde. Nur eine Goldene Hochzeit konnte kürzlich gefeiert werden, berichtet sie, „sonst schaut es eher mager aus“. Die Umsatzeinbußen in der Gastronomie allgemein schätzt sie auf 50 bis 60 Prozent im Vergleich zur Zeit vor Corona.

Ähnlich sieht es Karl Sonneck vom Weilheimer Dachs-Bräustüberl: „Das Geschäft läuft, wenn die Sonne scheint, denn jeder will draußen sitzen.“ Sonst sehe es jedoch schlecht aus, sagt er und hofft, dass die Sommerferien noch für Aufschwung und Umsatz sorgen können. „Noch bis zum 7. Juni hatten wir Kurzarbeit, jetzt sind zum Glück wieder alle an Bord.“

Frank Alesch vom Wirtshaus Fischerstubn in Schongau weist darauf hin, dass Veranstaltungen jeglicher Art überlebenswichtig für jeden Gastwirt seien. Dass manche seiner Kollegen ihre Betriebe bisher noch nicht wieder geöffnet haben, kann er nachvollziehen. „Zum Einen, weil manche keinen Biergarten oder keine ausreichend große Terrasse haben, zum Anderen, weil die harten Corona-Auflagen für gastronomisch genutzte Innenräume ein rentables Wirtschaften unmöglich machen“. Der prophezeite „Run auf die Gastronomie“ sei allenfalls in den bekannten Ausflugsregionen und auf Berghütten zu spüren. „Viele potenzielle Gäste blieben lieber daheim“, meint Alesch, weil sie sich an einem Tisch ohne Dekoration, mit Abstand, Datenzettel und Maske nicht wohlfühlen würden.

Ständiges Desinfizieren mache das Mobilar kaputt

Die Erfahrung, dass die aktuelle Situation für Personal und Gäste gleichermaßen schwierig ist, hat auch Markus Wohlhaupter vom Schongauer Löwenhof gemacht. „Das Hygiene-Konzept bedingt ein ständiges Gerenne“, sagt er, „wenn sich jemand von der Sonne in den Schatten umsetzt, muss gleich wieder alles eingesprüht werden.“ Dieses permanente Desinfizieren mache auf Dauer auch das Mobilar kaputt.

Relativ zufrieden äußert sich Alexander Sattlegger von der Alten Post in Pähl. „Nach der Wiedereröffnung lief das Geschäft anfangs noch etwas verhalten, mittlerweile aber ganz gut.“ Dazu trage vor allem der Biergarten bei: „Alle Leute wollen draußen sitzen, deshalb wird kommenden Sonntag mittag die Pähler Blaskapelle bei uns spielen.“ Allerdings nicht im Garten, sondern auf einer darüber liegenden Terrasse. 

Zuversichtlich stimmt Sattlegger auch, dass es in der Alten Post kaum Absagen von Veranstaltungen gebe, sondern viele Terminverschiebungen ins nächste Jahr. „Und natürlich hilft uns in der aktuell nicht einfachen Situation auch, dass der Mehrwertsteuersatz für Speisen von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden ist.“

VON PETER STÖBICH

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