Im Landkreis Weilheim-Schongau

Gewalt gegen Einsatzkräfte vorbeugen

Mit einer neuen Strategie wollen Polizei und Staatsanwaltschaft auf „Gewalt gegen Einsatzkräfte“ reagieren. Es ist ein spezielles Konzept, das alle begrüßen.

Weilheim-Schongau – „Der Respekt vor Uniformträgern und Hilfskräften ist vielerorts abhanden gekommen“, klagt Oliver Hindelang. Er ist stellvertreter Rettungsdienstleiter beim BRK-Kreisverband Weilheim-Schongau und hat schon einiges erlebt. „Vor allem wenn wir es mit verwirrten oder betrunkenen Personen zu tun haben“, sagt Hindelang. In einem besonders schlimmen Fall sei ein Sanitäter durch einen Schlag ins Gesicht verletzt worden. „Er erlitt eine Wunde, die genäht werden musste“, berichtet Hindelang.

Respektlosigkeit vor Einsatzkräften komme auch zum Ausdruck, wenn Sanitäter angespuckt würden, und zwar von Leuten, denen man eigentlich helfen wolle. Alles schon passiert. „Da muss man dann deeskalierend einwirken“, sagt der Vize-Rettungsdienstleiter. Diesbezüglich würden die Mitarbeiter des Roten Kreuzes auch geschult.

705 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte

Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd kam es im vergangenen Jahr mit 705 Fällen von Gewalt gegen Polizeibeamte zu einem neuen Höchststand. „Die Angriffe auf die Einsatzkräfte führten dabei zu teilweise erheblichen Verletzungen, sie stellen für die Betroffenen unter Umständen auch traumatische Erlebnisse dar“, sagt der Münchner Polizeipräsident Robert Kopp. Aus seiner Sicht ist bei Gewaltausbrüchen gegen Polizei, aber auch bei Bedrohungen und Aggression gegen Feuerwehr, Rettungsdienste und Beschäftigte der Justiz eine konsequente Ahndung durch den Rechtsstaat „gelebte Prävention“.

16 Delikte im Raum Schongau

Bei der Polizeiinspektion Schongau wurden im vergangenen Jahr insgesamt 16 Delikte gegen Einsatzkräfte registriert. „Dabei handelte es sich um Widerstandshandlungen, Körperverletzungsdelikte, Beleidigungen und tätliche Angriffe gegenüber Beamtinnen und Beamten der PI Schongau“, teilte Inspektionsleiter Herbert Kieweg mit. In einem besonders krassen Fall versuchte ein 27-jähriger Peitinger, der zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen werden sollte, sich der Fesselung zu entziehen, indem er nach den eingesetzten Beamten trat. Zudem spuckte er einem der Beamten ins Gesicht. „Ein Beamter wurde dabei verletzt, so dass er sich in ärztliche Behandlung begeben musste“, berichtete Kieweg. Ein Motiv für die Taten dürfte in der Alkoholisierung des 27-Jährigen zu suchen sein.

Verbal und mit Gesten beleidigt

Bei der Polizeiinspektion Weilheim wurden im vergangenen Jahr 34 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte erfasst. Hierbei wurden die Kollegen unter anderem verbal und durch Gesten beleidigt, geschlagen, getreten und angespuckt. „Ein Angriff mit einer Waffe oder ähnlichem erfolgte nach derzeitigen Erkenntnissen nicht“, teilte Bernd Schewe, Leiter der Verfügungsgruppe in Weilheim, auf Anfrage mit.

„Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Penzberg wurden im vergangenen Jahr in 19 Fällen Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet“, meldet der Penzberger Dienststellenleiter Jan Pfeil. Bei diesen Fällen handelte es sich um tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. Diese Angriffe erfolgten mit Waffen bzw. Werkzeugen (z.B. Schraubenzieher) oder mittels körperlicher Gewalt.

Und wie sieht’s mit Gewalt gegen Feuerleute im Einsatz aus? Da kann Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta zum Glück Entwarnung geben. Von körperlicher Gewalt ist ihm bisher nichts gemeldet worden. Es liegen jedenfalls keine Anzeigen diesbezüglich vor. Dass es gelegentlich zu Beschimpfungen kommt, beispielsweise wenn ein Straßenabschnitt wegen eines Unfalls abgesperrt werden muss, damit können die Wehrmänner leben. „Solange es nicht schlimmer wird, geht es schon“, fügt der Kreisbrandrat noch hinzu.

Michael Gretschmann


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Rubriklistenbild: © imago stock

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