Jens Lewitzki  (43) leitet seit diesem Jahr das Veterinäramt in Weilheim und Schongau. Foto: von Rohland

Weilheim-Schongau

Hartes Jahr für Lebensmittel-Kontrolleure

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Jede dritte gesetzlich vorgeschriebene Lebensmittelkontrolle in Deutschland entfällt, moniert die Verbraucherschutz-Organisation „foodwatch“ und spricht von einem „eklatanten Personalmangel“ in den Kontrollbehörden. Im für den Landkreis Weilheim-Schongau zuständigen Veterinäramt würde man sich über Verstärkung auch nicht beschweren.

Landkreis – So dramatisch, wie „foodwacht“ die Situation schildert, sieht sie Jens Lewitzki zwar nicht. Der neue Veterinäramtschef im Landratsamt Weilheim-Schongau ist aber auch der Ansicht, dass die drei Planstellen für die Lebensmittelüberwachung knapp bemessen sind. „Ich hätte gerne vier“, sagt er.

Die drei Kontrolleure haben im Landkreis rund 2300 Betriebe zu überwachen. Während einige Firmen nur sporadisch unangemeldeten Besuch erhalten, müssen andere regelmäßig ihre Küchen oder Theken öffnen. Sie sind sogenannte Risikobetriebe, zu denen zum Beispiel Küchen in Altenheimen, Kindertagesstätten oder Krankenhäusern zählen. „Und von denen fallen bei uns keine hinten runter“, versichert Lewitzki mit Blick auf die von „foodwatch“ monierten Ausfälle von Pflichtkontrollen.

foodwatch“ sorgt für Mehrarbeit

Die Verbraucherschutz-Organisation hatte der Behörde zuletzt mehr Arbeit gemacht, als ihr lieb ist. Im Rahmen der Aktion „Topf Secret“ waren deutschlandweit Verbraucher ermuntert worden, von ihrem Informationsrecht Gebrauch zu machen. Wer zum Beispiel wissen wollte, wie es um die Hygiene beim Döner-Imbiss um die Ecke bestellt ist, konnte über eine Online-Plattform eine Kontrolle bei der Behörde abfragen. Mit 30 Anfragen allein in den ersten zwei Wochen bekamen es die Beamten auch in Weilheim und Schongau zu tun. Die Kontrolleure mussten den Verbrauchern dann Rede und Antwort stehen, ob und wann der betreffende Betrieb das letzte Mal kontrolliert worden ist. So blieb den Beamten noch weniger Zeit für all ihre anderen Aufgaben, die immer umfangreicher werden.

Zu ihnen zählen nicht nur regelmäßige Betriebsbegehungen, Kontrollen und Probeentnahmen in Molkereien, Restaurants, Schlachtereien, Metzgereien, Bäckereien und etlichen anderen Betrieben. Auch sogenannte Anlasskontrollen gehören zum Tagesgeschäft. Dabei gehen die Beamten konkreten Verbraucherbeschwerden nach: „Jemand hat in einem Restaurant etwas gegessen und bekommt Durchfall“, nennt Lewitzki ein klassisches Beispiel. „Oder er hat Knäckebrot gekauft, und es sind Motten drin.“ Die Beamten müssen dann vor Ort recherchieren und nach den Ursachen forschen.

Zahl der Rückrufe stark gestiegen

Nicht selten sind die Beschwerden aber unbegründet, erklärt der Amtschef mit Blick auf einen kuriosen Fall. So hatte ein Verbraucher jüngst eine Konservendose im Veterinäramt vorbeigebracht. „Er glaubte, darin ein Maus-Skelett gefunden zu haben, in Wirklichkeit war es aber eine Sellerieknolle.“ Lewitzki schmunzelt. Er macht aber klar: „Das kostet auch alles Zeit.“

Und es gibt noch mehr zu tun: „Zu unseren Aufgaben gehört es auch, Rückrufaktionen zu überwachen“, berichtet der Veterinärdirektor. Die Zahl der Rückrufe sei gerade im Jahr 2019 stark angestiegen und belaste die vorhandenen Mitarbeiter zeitlich erheblich, klagt der Chef, der natürlich auch mit eingebunden ist. Über die stattliche Zahl seiner Überstunden hüllt der Beamte lieber den Mantel des Schweigens.

Es sind nicht nur Wilke-Würste oder Eier, die zurückgerufen wurden, berichtet der 43-Jährige. Im Dezember mussten die Kontrolleure auch Schmortöpfe im Blick behalten. Sie mussten aus den Regalen verschwinden, weil Produkttests zu hohe Aluminiumwerte ergeben hatten.

Auch bei den Regelkontrollen sind es längst nicht nur Lebensmittel, die die Kontrolleure im Auge behalten müssen. „Wir sind auch für die Überwachung kosmetischer Mittel, von Tabak und Tabakerzeugnissen zuständig“, erklärt Lewitzki.

Und wer tut sich so viel Arbeit an?

Und wer tut sich so viel Arbeit an? Für die letzte Stellenausschreibung habe es immerhin mehr als 40 Bewerbungen gegeben, erinnert sich der Amtschef. Wobei nicht alle Kandidaten auch geeignet gewesen seien. Die Voraussetzung ist laut Lewitzki ein Meister-Abschluss in der Lebensmittelbranche. In Veterinäramt erhalten die künftigen Lebensmittel-Überwachungs-Beamten dann noch eine zweijährige Ausbildung.

In der Gesamtbetrachtung stößt der neue Veterinäramtschef ins selbe Horn wie sein Vorgänger Konrad Renner; er hat sich bekanntlich im Frühjahr in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Zwar habe man wie jedes andere Unternehmen auch mit Personalmangel, Krankenstand und Überstunden zu kämpfen, meint Lewitzki. Insgesamt laufe es im Landkreis mit den Betrieben aber gut. „Das liegt aber auch daran, dass wir keine schwarzen Schafe haben.“

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