Die Zentrale der Metzgerei Boneberger in Schongau.
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Die Zentrale der Metzgerei Boneberger in Schongau.

Andere Arbeitsverhältnisse

Kein Vergleich zu Tönnies: Trotzdem mussten Boneberger-Mitarbeiter auf Corona getestet werden

  • Boris Forstner
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Die massenhaften Corona-Ausbrüche in norddeutschen Schlachthöfen sind derzeit das Top-Thema – und werden auch von Boneberger-Chef Michael Walk aufmerksam registriert. 

Schongau – Billige Werkverträge, Wohnungen, in denen ausländische Arbeiter zusammengepfercht leben müssen, Arbeit im Akkord – das sind die Zutaten für die massenhaften Corona-Ansteckungen in vielen großen Schlachtbetrieben, und die Meldungen werden täglich mehr. „Wohnungen für meine Mitarbeiter habe ich natürlich nicht. Das sind alles Metzger aus der Umgebung, die bei ihren Familien leben“, sagt Walk. Von den insgesamt 450 Mitarbeitern arbeiten rund 100 Mitarbeiter in der Produktion in der Schongauer Zentrale, zwei bis drei Mal pro Woche wird dort geschlachtet. „Wir verarbeiten rund 250 bis 300 Schweine, 60 Stück Großvieh und 15 Kälber“, sagt Walk.

Kein Vergleich mit Fleischfabriken wie Tönnies, wo auch ganz anders gearbeitet wird. „Dort müssen die Mitarbeiter oft nur einen Handgriff erledigen, und zwar immer denselben“, weiß Walk. „Das ist, wie wenn man ein Stück Metall abschneidet.“ Seine Metzger dagegen sind mehr gefordert, müssen zahlreiche Techniken beherrschen, um das Tier zu verarbeiten. Dazu gibt es keinen Zeitdruck. „Insgesamt ist es ein großer Unterschied, was die Wertschätzung des Tiers betrifft“, sagt Walk.

Boneberger sieht sich als kleiner Metzger - andere Verhältnisse als in Großbetrieben

Michael Walk, Chef der Metzgerei Boneberger.

Er sieht sich trotz seiner für hiesige Verhältnisse beachtlichen Größe noch als kleinen Metzger, der vom Prinzip her nicht anders arbeitet wie Kollegen, zum Beispiel die Metzgerei Filser im benachbarten Altenstadt, die wie er heimische Top-Qualität bietet und noch selbst schlachtet. „Viele andere haben leider die Eigenschlachtung wegen der hohen Auflagen aufgeben müssen“, sagt Walk.

Auch wenn er diese Woche in München Laden Nummer 23 eröffnet und mittlerweile Filialen von Kaufbeuren bis Freising hat, steht er wegen des völlig verschiedenen Konzepts nicht unter Druck wie die Großmetzger. „Wir beliefern in der Regel nur unsere Filialen, da verwerten wir auch das ganze Tier“, sagt Walk. Wenn externe Anfragen kommen, bei denen etwa nur ein bestimmtes Produkt wie eine große Menge Spareribs verlangt wird, lehnt er meist ab, weil es nicht in den Produktionsprozess passt.

Metzgerei nicht mit Tönnies zu vergleichen - Kunde kann sich selbst Bild machen

Im Gegenzug ist er durchaus betroffen, wenn Konzerne wie Tönnies etwa die deutschen Schweinepreise hochtreiben, weil in China die Schweinepest umgeht und der Großunternehmer sich mit Lieferungen dorthin eine goldene Nase verdient. Walk versteht, dass solche Konzerne unter großem Druck des Handels stehen, die Auswüchse sieht er trotzdem skeptisch. Zumal für ihn das Preis-Argument nicht immer zieht: „Wir schauen durchaus, was im Edeka an Fleisch und Wurst verkauft wird, und da ist es manchmal teurer als bei uns“, hat Walk festgestellt.

Weil er nichts zu verbergen hat, könne sich der Kunde auch gerne selbst ein Bild machen und in Schongau eine Betriebsführung machen, bietet Walk an. „Wir müssen einfach transparent sein.“

Aufforderung: Alle Produktions-Mitarbeiter von Boneberger müssen Corona-Test machen

Dass er manchmal behandelt wird wie ein Fleischkonzern, musste Michael Walk, Chef der Metzgerei Boneberger, vor rund vier Wochen erleben. An einem Freitagvormittag, berichtet er, habe er einen Anruf aus dem Gesundheitsamt Weilheim erhalten, dass bis spätestens Samstag alle rund 100 Mitarbeiter aus der Produktion auf Corona zu testen seien. 

Walk dachte zunächst an einen schlechten Scherz: „Wir fangen meist morgens um 2 Uhr mit der Arbeit an, um 11 Uhr gehen die meisten nach Hause – wie soll ich das hinbekommen?“, fragte er sich und wollte beim Gesundheitsamt intervenieren, warum er mit Groß-Schlachthöfen unter einen Hut geworfen wird. 

Boneberger-Mitarbeiter müssen Corona-Test machen: Alle Ergebnisse negativ

Doch dort habe man ihm dringend geraten, dem Folge zu leisten. Also trommelte Walk alle Mitarbeiter zusammen, sie sollten am Samstagvormittag zur mobilen Teststation auf dem Weilheimer Volksfestplatz für einen Massentest kommen – obwohl kein Mitarbeiter unter Corona-Verdacht stand. Sogar ein Angestellter, der übers Wochenende einen Verwandten in Aschaffenburg besucht hatte, musste wieder zurückfahren. „Es hat geheißen, wenn der nicht kommt, holen sie ihn dort notfalls mit der Polizei ab“, erinnert sich Walk kopfschüttelnd. Tatsächlich waren alle Mitarbeiter da, und alle waren negativ, wie sich am Montag darauf herausstellte. 

Boneberger-Mitarbeiter müssen Corona-Test machen: Das sagt das Gesundheitsministerium zum Vorgehen

Auf Nachfrage beim Weilheimer Gesundheitsamt hieß es, die Anweisung, den Test in einem bestimmten Zeitraum durchzuführen, sei vom Gesundheitsministerium gekommen. Dort hatte man am 13. Mai nach 100 positiv getesteten Mitarbeitern eines Schlachthofs in Niederbayern entschieden, „umfassende Reihentestungen der Mitarbeiter der anderen 50 Schlachthöfe in Bayern“, zu veranlassen. Dabei seien zehn weitere Personen positiv auf Covid-19 getestet worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Auswahl der Betriebe sei nach der Betriebsgröße gemäß Jahresproduktion erfolgt, so der Sprecher.

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