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Krankenhaus-Reform erfordert Umstrukturierungen: „Ein ,Weiter so‘ geht nicht“

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Von: Elena Siegl

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Erklärten die Auswirkungen der angestrebten Krankenhausreform (v.l.): Claus Rauschmeier, Dr. Rolland Rosniatowski und Gerda Hutter. Alles aus einer Hand
Erklärten die Auswirkungen der angestrebten Krankenhausreform (v.l.): Claus Rauschmeier, Dr. Rolland Rosniatowski und Gerda Hutter. Alles aus einer Hand © KRANKENHAUS GMBH

Forderungen aus der Politik, wie Krankenhäuser reformiert werden sollen, stellen die Einrichtungen in Weilheim und Schongau vor Herausforderungen. Auch deshalb sei eine Zentralisierung notwendig.

Weilheim-Schongau – Die angestrebte Krankenhaus-Zentralisierung ist ein emotionales Thema, ist sich Claus Rauschmeier, stellvertretender Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, bewusst. „Die einen wollen Veränderung, die anderen Bewahren.“ Allerdings: „Wir können es nicht so lassen, wie es ist. Ein Bewahren wird kein Bewahren sein, sondern ein Scheitern“, findet Rauschmeier klare Worte. Er bezieht sich auf erste bekannte Ergebnisse einer Krankenhausreform, an welcher ein Bundesausschuss unter Vorsitz von Gesundheitsminister Karl Lauterbach derzeit arbeitet.

Demnach sollen künftig Obergrenzen für die Versorgung mit Krankenhäusern festgelegt und die Ambulantisierung vorangetrieben werden. Um darüber zu informieren, was das für die Patienten-Versorgung im Landkreis bedeutet, hat die Krankenhaus GmbH zum Pressegespräch eingeladen.

Krankenhaus-Reform: Qualität rückt in den Vordergrund

Die Qualität – von Diagnose, Therapie und Pflege – soll durch die Reform in den Vordergrund rücken, so Rauschmeier. Das sei im Sinne der Patienten, um die bestmögliche Versorgung zu bekommen. Die personelle und technische Ausstattung sei wichtiger, als „das Krankenhaus vor der Nase zu haben“. Zum Beispiel sei es bei einem Herzinfarkt essenziell, von einem Facharzt behandelt zu werden, dass ein Herzkatheter vorhanden ist und eine Gefäßstütze eingesetzt werden kann, so Rauschmeier.

Zwar habe man am Standort Schongau derzeit genug Fachärzte. Allerdings dürfe man sich nicht mit der aktuellen Situation zufriedengeben, sondern müsse für die Zukunft vorsorgen. Und hier zeichne sich ein Fachkräftemangel klar ab. Es werde nicht mehr möglich sein, an beiden Standorten, Weilheim und Schongau, die nötigen Fachkräfte zu stellen.

Die aktuelle doppelte Struktur sieht auch Gerda Hutter, Leitung des Medizin-Controlling, als Nachteil. Strukturnachweise, etwa für die Intensiv- oder Notfallbehandlung, müssten jährlich nachgewiesen werden. Alle Schichten müssten mit Fachpersonal besetzt sein. Den Anforderungen gerecht zu werden, sei für alle Häuser zunehmend schwieriger – insbesondere aber für kleinere. Rauschmeier ergänzt: „Wir brauchen die geballte Kompetenz unserer Ärzte gepaart mit innovativen Geräten an einem zentralen Ort. Schnellere Reaktionszeiten können Leben retten.“ Die Forderungen der Politik seien „inhaltlich in Ordnung. Aber sie stellen uns vor Herausforderungen.“ Entscheidungen müssten getroffen werden. „Wir stehen vor einem Wandel. Ein weiter so geht definitiv nicht“, so Hutter.

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Krankenhausreform: Mehr ambulante Eingriffe

Im Bereich Chirurgie fordern die Ausschuss-Mitglieder ambulante Eingriffe, wo immer dies möglich ist. Angst haben, dass man deshalb „blutig heimgeschickt wird“, brauche man aber nicht, betont Dr. Rolland Rosniatowski, der seit 2021 im Krankenhaus Schongau eine Facharztpraxis für Viszeralchirurgie und Proktologie betreibt. Wichtig sei Patientensicherheit, Qualität der Behandlung und, dass der Patient nach der Operation schmerzfrei ist. All das könne auch bei ambulanter Versorgung gewährleistet werden. Weiterer Vorteil: „Ein und derselbe Arzt stellt die Diagnose, klärt den Patienten über Chancen und Risiken auf, führt die Operation durch und macht die Nachsorge.“

Während man vor 20 Jahren für Operationen noch „mit dem Koffer wochenlang ins Krankenhaus einzog“, betrage die mittlere Verweildauer nun fünf Tage – mit klarem Trend zu weniger, so Rauschmeier. Er ist sich sicher: „In zehn Jahren wird ohnehin ein großer Teil der geplanten Operationen ambulant durchgeführt – nicht weil die Politik es fordert, sondern weil der Patient es möchte.“

Aktuell würden für die Krankenhausreform 3500 chirurgische Maßnahmen untersucht, die nach und nach nur noch ambulant durchgeführt werden sollen. Hält sich ein Krankenhaus nicht daran, würden exorbitante Erlös-Einbußen drohen. „Wenn wir überleben wollen, müssen wir rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellen und Strukturen einführen, die uns ein ambulantes Setting ermöglichen“, so Hutter. Bereits heute wird das Krankenhaus Schongau auch als ambulantes OP-Zentrum genutzt. Künftig sollen die ambulante Chirurgie und die Kurzzeit-Chirurgie nach Plänen der Krankenhaus GmbH noch stärker etabliert werden.

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