+
Die Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg gehören in Bayern zu den Regionen mit der wenigsten beantragten Kurzarbeit.

Corona-Krise

Kurzarbeit: Bayernweiter Vergleich mit verblüffendem Ergebnis für Weilheim-Schongau und Landsberg

  • Christoph Peters
    vonChristoph Peters
    schließen

In vielen Betrieben in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Landsberg ist wegen der Corona-Krise Kurzarbeit angesagt. Im Vergleich liegt der Anteil hierzulande allerdings deutlich unter dem bayernweiten Schnitt. Warum das so ist und wie IHK und Handwerkskammer die aktuelle Situation bewerten.

Landkreis – Es ist ein negativer Spitzenwert, den die Statistik der Arbeitsagentur für März und April ausweist: In den ersten beiden Monaten der Corona-Krise haben 1108 Betriebe im Landkreis Weilheim-Schongau Kurzarbeit für 11 412 Beschäftigte angezeigt. Allerdings: Im bayernweiten Vergleich gehört der Landkreis mit einer Quote von 22,3 Prozent zu jenen Regionen, die deutlich unter dem Kurzarbeiter-Schnitt des Freistaats von 32 Prozent liegen. Auch im Nachbarlandkreis Landsberg steht man mit einer Quote von 24,5 Prozent vergleichsweise gut da, wie aus der in dieser Woche veröffentlichten Untersuchung des Wirtschafts- Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht.

Bei der Arbeitsagentur ist man vom Ergebnis der Studie nicht überrascht. Jeder Landkreis zeige seine regionalen Besonderheiten, erklärt Oliver Wackenhut, kommissarischer Leiter der Agentur für Arbeit Weilheim. „Daher entstehen die regional großen Unterschiede auch bei der Kurzarbeiterquote.“ Doch wie lassen sich die niedrigen Werte in Weilheim-Schongau und Landsberg erklären? 

Ausgewogener Branchenmix und niedrige Arbeistlosenquote

Wackenhut verweist auf die vor der Krise in beiden Landkreisen sehr niedrige Arbeitslosenquote. Diese gelte als Indiz für einen sehr stabilen Arbeitsmarkt und einen guten Branchenmix, der vor allem in Krisenzeiten die negativen Auswirkungen weitaus besser abfedern könne. Sowohl in Weilheim-Schongau als auch in Landsberg sei zudem der von der Krise stark gebeutelte Hotel- und Gaststättenbereich weniger ausgeprägt als in anderen Regionen wie zum Beispiel Garmisch oder Starnberg. Zwar gebe es einige Automobilzulieferer wie Hoerbiger oder Hirschvogel, die vermehrt Kurzarbeit anmelden mussten. Doch diesen stünden in beiden Landkreisen große Arbeitgeber wie etwa Roche gegenüber, die von der Krise kaum oder gar nicht betroffen seien.

Die niedrige Kurzarbeiterquote sei durchaus als gutes Zeichen zu werten, da sie nicht mit einem überdurchschnittlichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen einhergehe, betont Wackenhut. Das zeige, dass Unternehmen nicht vermehrt Mitarbeiter entlassen hätten, statt auf Kurzarbeit zu setzen. Die Quote dürfte zudem noch sinken. Wie viele Menschen tatsächlich in Kurzarbeit waren, verrät die aktuelle Statistik nämlich noch nicht. Viele Betriebe haben vorsorglich eine größere Gruppe an Mitarbeitern gemeldet. Die tatsächliche Zahlen würden erst im Herbst vorliegen.

„Gott sei Dank haben wir das Instrument der Kurzarbeit“, sagt Klaus Bauer. Er ist Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau und Chef der Bauer Unternehmensgruppe. Seine Weilheimer Maschinenbau-Firma zählt zu den exportorientierten Betrieben, die besonders unter der Krise leiden. Die gut gefüllten Auftragsbücher von Beginn des Jahres haben sich geleert, weil die Nachfrage nach Maschinen weltweit stark eingebrochen ist. Auch Bauer musste deshalb Kurzarbeit anmelden. Zwar gebe es Signale von den Kunden, dass die Nachfrage wieder steige. Auf mindestens noch ein Jahr Durststrecke stelle man sich aber dennoch ein. So gehe es auch vielen Kollegen aus der Branche. In anderen Bereichen dagegen sei das Gegenteil der Fall. Baumärkte, Fahrradhändler oder der Lebensmitteleinzelhandel hätten eher noch zugelegt.

Angst vor der zweiten Welle

Ähnlich differenziert äußert sich auch der Kreishandwerksmeister. Bei Bäckern und Metzgern sei Kurzarbeit ein großes Thema gewesen, berichtet Stefan Zirngibl. Besonders hart habe es die Friseure getroffen, die fast drei Monate überhaupt nicht arbeiten durften. Bei Handwerkern, die am Bau beschäftigt sind, sei Kurzarbeit dagegen praktisch nicht vorgekommen. Die Auftragslage sei hier nach wie vor gut. Teils seien die Umsätze in der Krise sogar noch gestiegen, weil viele ihr Urlaubsgeld für Arbeiten rund ums Haus genutzt hätten. Allerdings könnte sich die gute Lage ändern, warnt Zirngibl, sollten die Kommunen wegen fehlender Einnahmen ihre Investitionen zurückfahren.

Viel, darin sind sich alle einig, wird auch davon abhängen, ob es zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Nur wenn diese ausbleibe, könne sich die geschäftliche Situation weiter verbessern.

Lesen Sie auch:

Mitten im Sommer denkt kaum jemand an den Fasching. Doch in den Hochburgen Schongau, Hohenfurch und Schwabsoien ist das anders: Dort wird überlegt, die kommende Saison ausfallen zu lassen.

Auf den Kreisstraßen wird viel gebaut. Dafür braucht es Umleitungen, doch inoffizielle Ausweichstrecken sind beliebt. Diese bleiben am Ende beschädigt zurück. Ab sofort greift der Landkreis den Kommunen finanziell unter die Arme.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Müllverbrennung in Altenstadt: Sogar in Fürth wird protestiert
Die Umweltinitiative Pfaffenwinkel (UIP) richtet sich auf ein volles Haus ein: Am morgigen Dienstag gründet die UIP in Peiting die Aktionsgemeinschaft gegen …
Müllverbrennung in Altenstadt: Sogar in Fürth wird protestiert
Gebietsverkehrswacht Schongau jetzt der „große Bruder“
Die Jahresversammlung der Gebietsverkehrswacht Schongau war mit Informationen über die Aktionen der Gebietsverkehrswacht Schongau vollgepackt. Trotz Corona und der damit …
Gebietsverkehrswacht Schongau jetzt der „große Bruder“
Horror-Unfall auf B 17 bei Peiting: Junger Audifahrer prallt frontal gegen Baum und stirbt
Peiting: Audi-Faher stirbt bei Unfall - B 17 gesperrt
Horror-Unfall auf B 17 bei Peiting: Junger Audifahrer prallt frontal gegen Baum und stirbt

Kommentare