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Hier entsteht eine Maske an der Nähmaschine.

Masken gegen Corona

Weil sie rechtliche Folgen befürchten: „Nähbienen“ stellen Masken-Produktion ein

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    VonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Masken werden derzeit dringend benötigt. Die „Nähbienen“ aus dem Landkreis stellen sie ehrenamtlich her. Doch jetzt wurden sie jäh ausgebremst. Aus Angst vor rechtlichen Folgen.

Landkreis Nähmaschine jäh ausgebremst: Eine Münchner Anwaltskanzlei hat darauf aufmerksam gemacht, dass diejenigen, die „selbstgefertigte Masken mit Bezeichnungen wie Atemschutz oder Mundschutz anbieten oder bewerben“, als Anbieter eine Widmung vornehmen würden, die Medizinprodukten vorbehalten sei. Und weiter „Dies kann Verstöße gegen die produktspezifischen Kennzeichnungspflichten nach MPG und gegen das Irreführungsverbot des § 4 Abs. 2 MPG begründen.“

Klartext in Kurzform: Ehrenamtliche Mundschutz-Schneiderinnen aus dem gesamten Landkreis wie die kürzlich vorgestellten „Nähbienen“ bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone und könnten für ihr ehrenamtliches Engagement auch noch belangt werden. Und das, obwohl sie stets betont hatten, „dass es sich um keine Schutzmaske oder Atemschutzmaske mit medizinscher Wirkung handelt und die Pflege nach jeder Benutzung beachtet werden muss. Der Nutzen dieser Masken ist lediglich, dass Tröpfchenverteilung gehemmt wird.“

Nähbienen im Landkreis haben Produktion eingestellt

Der Online-Aufruf der Anwaltskanzlei bleibt trotzdem nicht ohne Folgen: „Wir haben vorübergehend unser Engagement eingestellt, bis die Situation geklärt ist“, betont eine Sprecherin der Initiative auf Anfrage unserer Zeitung. „Es ist nicht so, dass wir nicht mehr wollen. Aber wir können die möglichen rechtlichen Folgen nicht auf unsere Kappe nehmen.“

Das sagt die Initiatorin, nachdem sie mit ihren Mitstreiterinnen an sieben Tagen insgesamt 700 Masken in mühevoller Kleinstarbeit gefertigt und an diejenigen abgegeben hat, die sie am nötigsten brauchen. Tierärzte, Arztpraxen, Pflegepersonal in Altenheimen. Ganz nach dem Motto: Lieber eine selbst genähte Maske als keine.

Nähbienen wollen abwarten, wie es weitergeht

Das Telefon steht noch immer nicht still wegen hunderter Nachfragen. Die kommen bis aus Berlin oder Hamburg. Keinen Tag ist die Nähbiene vor zwei Uhr morgens ins Bett gegangen. Doch weil hier auch dem Gesundheitsamt die Hände gebunden sind, warten die Nähbienen nun ab, wie es weitergeht. Erst, wenn von Regierungsebene ein Okay kommen sollte, „und die sagen: Ja, Ihr könnt das machen ohne rechtliche Konsequenzen, dann machen wir weiter“.

Fast schon wie Hohn klingt es da an, wenn Hubert Aiwanger jetzt dazu aufruft: „An die Nähmaschine, wer nähen kann!“ Bayerns Wirtschaftsminister hat Material aufgetrieben, mit dem Schutzmasken genäht werden sollen. Auch im Landratsamt Weilheim-Schongau gibt es das Material bereits. Das haben die Nähbienen sogar schon abgeholt und begutachtet. Nach Gesprächen mit diversen Praxen halten es die Nähbienen für eine praktikablere Idee, den Aiwanger-Stoff als Einlegestoff in die Stoffmaske zu nutzen. Dies wollen sie jetzt auch in einem Brief fordern. Ausgang: offen.  

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau lesen Sie in unserem Newsticker.

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