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Altenpflegerin Carmen Lejko war eine der Rednerinnen, die beim KAB-Neujahrsgespräch zu Wort kamen. 

KAB-Neujahrsgespräch

Pfleger fordern bessere Arbeitsbedingungen

Der Mangel an Pflegekräften hat konkrete Ursachen. Diese zu beseitigen ist möglich, so die Feststellung von Betroffenen, die zum KAB-Neujahrsgespräch gekommen waren.

Weilheim-Schongau – „Ich schaue zufrieden in eine volle Runde.“ Mit diesen Worten begrüßte die Sekretärin der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Weilheim, Petra Reiter, die rund 50 Gäste, die zum traditionellen Neujahrsgespräch ins Regionalzentrum in Weilheim gekommen waren. Unter dem Motto „Jetzt schlägt’s 19“ informierten Betroffene über die Situation von Pflegekräften und diskutierten mit Vertretern des Deutschen Gewerkschaftsbunds, der Industriegewerkschaft Metall, der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Betriebsseelsorge über Möglichkeiten, die bestehenden Probleme zu lösen.

Laut Reiter ist der Pflegenotstand nicht neu. Sie selbst habe das Wort 1992 – kurz nach ihrer Pflegeausbildung – zum ersten Mal gehört. Von den 18 Personen, die zusammen mit ihr die Ausbildung begonnen haben, seinen inzwischen zwölf „aus der Pflege raus“. Das Einkommen sei nicht der Hauptgrund dafür, wie sie jetzt recherchiert habe, die meisten würden jetzt nur bis zu 250 Euro im Monat mehr verdienen. Ihre Schlussfolgerung: „Mehr Geld schadet nicht, aber es hängt auch an anderem.“

Viel Bürokratie und lange Arbeitstage

Darüber, was dieses andere ist, berichten Pflegekräfte, die heute noch als solche tätig sind. Altenpflegerin Carmen Lajko beobachtet, dass durch das steigende Lebensalter der Heimbewohner der Pflegeaufwand stark zunimmt. Gleichzeitig sind durch die Abschaffung der Wehrpflicht die Zivildienstleistenden weggefallen, ohne dass es dafür Ersatz gebe. Hinzu komme die Bürokratie, vor allem der steigende Aufwand für die Dokumentation. Zum Arbeitstag meint sie: „Um 21 Uhr sind wir fertig – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Anita Sellner, die in einer Wohngruppe für erwachsene Menschen mit Behinderungen tätig ist, sieht das Problem ähnlich. „Gute Arbeit mit Menschen braucht Ruhe“ und brauche daher Zeit. Gerade Menschen mit Behinderungen bräuchten mehr Zeit als Nicht-Behinderte. Dies werde in den Arbeitsvorgaben zu wenig berücksichtigt.

Viele Menschen würden denken: „Pflegen kann jeder“

Gisela Tonack, die 39 Jahre Berufserfahrung in der Pflege hat, sieht ein Problem in der Wahrnehmung der Tätigkeit. Viele Menschen würden denken: „Pflegen kann jeder.“ Dies sei falsch. Neben einer Ausbildung seien auch Fortbildungen erforderlich. Kritik hatte sie auch für die Arbeitgeberseite. Die Übernahme zusätzlicher Arbeit, Überstunden und Rufbereitschaft müssten bezahlt werden. Wenn dem nicht so sei, sollten die Arbeitnehmer einfach „Nein“ sagen. Für ihre Forderung „Wenn ich was mache, möchte ich auch bezahlt werden“ erhielt sie Applaus.

Susann Enders sieht ein anderes, grundsätzliches Problem. „Die Politik ist sachfremd“, so die Landtagsabgeordnete. Dies liege daran, dass sich die meisten Pflegekräfte keinen Wahlkampf leisten könnten und daher im Bundestag kaum vertreten seien – im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen wie etwa Rechtsanwälten. Lösungsvorschläge gab es auch. Der Personalmangel könnte durch Förderung der Ausbildung und Neueinstellung vom Pflegekräften behoben werden. Auch das Problem der zu geringen Bezahlung lasse sich einfach lösen – durch bessere Bezahlung. Zudem könnte die Unterstützung eines Volksbegehrens zur Verbesserung der Situation in der Pflege nach Ansicht mehrerer Besucher hilfreich sein.

Von Alfred Schubert

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