Abholservice statt Restaurant: Franz Strobl in seiner Küche.
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Abholservice statt Restaurant: Franz Strobl in seiner Küche.

Gastronomie und Einzelhandel

Coronavirus: Lieferservice als Rettungsanker 

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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Um noch Kunden zu bedienen und finanziell einigermaßen stabil zu bleiben, setzen viele im Landkreis Weilheim-Schongau jetzt auf Abhol- und Lieferdienste.

Landkreis – „Das Geschäft ist komplett zusammengebrochen, wir machen fast keinen Umsatz mehr“, erzählt Patricia Pummer vom Café s’Zuckerl in Peiting. Verständlich, schließlich sind die Menschen dazu aufgefordert, zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu meiden. „Aber solange wir öffnen dürfen und es keine Ausgangssperre gibt, müssen wir das nutzen – aus finanziellen Gründen“, sagt Pummer. Wie viele weitere Gastronomen und Einzelhändler im Landkreis Weilheim-Schongau hat sie sich dazu entschieden, vorübergehend einen Abhol- und Lieferdienst einzurichten.

+++ Nutzen Sie auch unsere interaktive Karte mit allen Restaurants und Betrieben, die einen lokalen Corona-Service bieten +++

„Wir wollen ja, dass jeder gesund bleibt“, so Pummer. Dadurch, dass die Speisen direkt an den Kunden überreicht werden, wird der Kontakt möglichst gering gehalten. Statt sich gemütlich ins Café zu setzen, das bis 15 Uhr geöffnet bleiben darf, bestellen Kunden nun lieber einen Kaffee zum Mitnehmen. „Das hab ich aus Umweltschutzgründen eigentlich abgeschafft – jetzt biete ich es wieder an“, so Patricia Pummer. Auch Kuchen und warme Speisen können bestellt und abgeholt – oder im näheren Umkreis geliefert werden.

Patricia Pummer vom Café s‘Zuckerl in Peiting bietet ab sofort auch Speisen zum Mitnehmen an. 

Lieferservice wegen Corona: Nur wenig Personal arbeitet in den Gastronomien

Allerdings nutzen bisher nur wenige das Angebot. „Vor allem Leute, die noch zur Arbeit gehen“, sagt Pummer. Zusammen mit ihrem Bruder hält sie die Stellung im Café Zuckerl, alle anderen Mitarbeiter hat sie heimgeschickt.

Ähnlich ist auch Katja Strobl vom Stroblwirt in Oberhausen vorgegangen. „Mittlerweile arbeiten wir im Zwei-Mann-Betrieb“, erklärt sie. Alle Mitarbeiter sind seit Montag in Kurzarbeit. Ruhetage gibt es für Strobl und ihren Mann nicht mehr. Täglich ist von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Zwischen 17.30 und 19 Uhr können Speisen bestellt werden.

Katja Strobel hat sich allerdings gegen einen Lieferdienst entschieden – auch wenn sie es kurzzeitig in Betracht gezogen hat. „Aber wo fang ich an, wo hör ich auf? Welche Entfernung ist machbar?“. Nur zu zweit sei ein Lieferdienst ohnehin kaum zu stemmen.

Lieferservice wegen Corona: Auch Schullektüre wird gebracht

Die Situation ist nicht leicht für Katja Strobl und es strengt sie an, mit jedem Kunden, der absagt, länger über das Coronavirus zu sprechen. „Aber es hilft ja nichts. Wir machen das Beste daraus und nehmen die ganze Situation jetzt mit Galgenhumor“, erzählt sie.

Neben Gastronomen bieten auch Einzelhändler im Landkreis Abhol- und Bringdienste an. Zum Beispiel die Buchhandlung Rolles in Penzberg. Telefonisch und über den Onlineshop können Bücher bestellt werden, erklärt Karin Rolles. Die werden – je nach Entfernung des Kunden – per Post oder den Mitarbeitern des Buchladens geliefert.

„Das ist recht zeitraubend, weil es schwierig ist, die richtige Adresse zu finden“, sagt Rolles. Aber das Angebot wird gut angenommen. Vor allem Anfragen für Schullektüre gibt es einige. Obwohl die Schulen derzeit geschlossen sind, geht das Lernen für die Kinder daheim weiter. „Normalerweise werden Bücher eher am Ende des Schuljahres durchgenommen – das wird jetzt anscheinend vorgezogen“, sagt Rolles.

Lieferservice wegen Corona: Durch Rechnungen soll Kundenkontakt vermieden werden

Um den Kundenkontakt in Corona-Zeiten zu vermeiden, liegt jeder Bestellung eine Rechnung bei. Bar kann nicht bezahlt werden. „Wir finden es super, dass uns unsere Kunden unterstützen“, freut sich Rolles. Das Geschäft laufe im Hinblick auf die aktuellen Beschränkungen durch Corona relativ gut. „Wir versuchen zumindest unser Bestes“, so Karin Rolles.

Übersicht über Lieferangebote in der Printausgabe

Weitere Gastronomen und Einzelhändler aus dem Landkreis Weilheim-Schongau, die nun einen Abhol- oder Lieferservice anbieten, finden Sie in unserer Printausgabe. 

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es in unserem Newsticker.

Lesen Sie auch: Busunternehmer im Landkreis Weilheim-Schongau fürchten um Existenz

Außerdem interessant: Nachbarschaftshilfen in Schongau und Peiting: In der Corona-Krise rücken die Bürger zusammen

In den Seniorenheimen in Bayern gilt derzeit eine Null-Besuch-Regelung. Mit einer rührender Bitte wenden sich die Bewohner und die Mitarbeiter des Schongauer Heiliggeist-Spitals in der Corona-Krise nach draußen.

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