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Sehen die Passbild-Pläne des Innenministeriums kritisch: Filippo (li.) und Agostino Nicoletti, deren Familie in Schongau und Peiting seit vielen Jahren ein Fotogeschäft betreibt.

Vorstoß des Innenministeriums

Staat will Passfotos machen -  Fotografen im Landkreis fürchten um ihr Geschäft

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Um Fälschungen zu verhindern, sollen Fotos für Reisepass und Personalausweis künftig direkt auf der Passbehörde entstehen. Die Pläne des Bundesinnenministeriums kommen bei Fotografen im Landkreis gar nicht gut an. Sie befürchten gravierende Folgen für ihr Geschäft.

Landkreis – Wer ein neues Passfoto für seinen Reisepass braucht, der hat bislang zwei Möglichkeiten. Entweder er sucht einen Fotoautomaten auf, den es meist freilich nur in größeren Städten gibt, oder er geht zum Fotografen seines Vertrauens. Für Fotogeschäfte wie das der Familie Nicoletti, die in Schongau und Peiting jeweils eine Niederlassung betreibt, gehört das Anfertigen von Passfotos zum „Brot-und-Butter-Geschäft“. Zwischen 25 und 30 Kunden zähle man pro Tag in der Lechstadt, weitere zehn bis 20 in Peiting, rechnet Filippo Nicoletti, der das Geschäft mittlerweile in vierter Generation betreibt.

Entsprechend entsetzt waren der Geschäftsführer und sein Vater Agostino Nicoletti, als sie von den Plänen des Innenministeriums hörten. Die Konsequenzen für das Familienunternehmen wären groß. „Im schlimmsten Fall müssten wir wahrscheinlich einen Laden schließen“, sagt Agostino Nicoletti. Schon jetzt habe man als kleines Geschäft mit drei Angestellten zu kämpfen. Die Online-Konkurrenz sei groß, sagt sein Sohn. Gerade erst hat die Firma viel Geld in eine neue Maschine investiert. Und jetzt diese Nachricht. „Da hat niemand an die Folgen gedacht“, wettert Agostino Nicoletti. Betriebe müssten womöglich Angestellte entlassen, der Staat würde weniger Steuern einnehmen. Dabei gäbe es aus Sicht der Nicolettis durchaus einen alternativen Weg. Fotografen könnten ihre Bilder direkt digital in die Rathäuser liefern. „Das wäre eine intelligente Lösung.“

Auch Hartmut Bauer, der in Weilheim seit fast 40 Jahren das Familienunternehmen „Photo Bauer“ führt, ist über die Pläne des Bundesinnenministeriums alles andere als begeistert. Immerhin rund ein Viertel des Gesamtumsatzes pro Jahr entfällt in seinem Geschäft auf das Anfertigen von Passfotos. Ein Wegfall der Einnahmen wäre zwar nicht existenzbedrohend, aber ein schwerer Schlag. „Wir brauchen die Einnahmen als Deckungsbeitrag, um andere Angebote anbieten zu können.“

Verschwendung von Steuermitteln

Für Bauer ist das geplante Gesetz „ein Schnellschuss, mit dem Steuergelder versenkt werden“, kritisiert er. 177 Millionen Euro will der Staat für Anschaffung und Wartung der nötigen Technik in den nächsten fünf Jahren bereitstellen, sollte die Bundesregierung dem Gesetzesentwurf zustimmen. Bauer kann die Begründung, dass so Fälschungen verhindert werden sollen, nicht nachvollziehen. Längst gebe es Software, die erkennen könne, ob ein Bild verändert worden sei, sagt er. Viel sinnvoller wäre es daher, den Behörden diese Programme zur Verfügung zu stellen. „Dann könnte alles so bleiben, wie es ist.“ Für die Behörden wäre das Fotografieren zudem mit einem „Mords-Aufwand“ verbunden.

In Penzberg gibt es bereits einen Behörden-Automat

Andere Erfahrungen hat man freilich in Penzberg gemacht, wo bereits seit einem Jahr praktiziert wird, was der Staat in ganz Deutschland einführen will. An einem speziellen Terminal können Bürger ihre biometrischen Passfotos direkt im Bürgerbüro anfertigen. 

In Penzberg ist ein solcher Automat bereits im Rathaus in Betrieb.

Fünf Euro kostet der Service, rund 19000 Euro hat die Stadt in das System investiert, das im Landkreis noch einmalig ist. „Es kommt sehr gut an bei den Leuten, wir hatten noch keine Beschwerden“, sagt Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann. Das Gerät sei zuverlässig und selbsterklärend. Dadurch, dass die Passfotos sofort digital aus der Fotokabine ans System übermittelt würden, sei der neue Service auch für die Mitarbeiter eine Erleichterung.

Andere Kommunen sind skeptisch

In den meisten Kommunen indes hat man sich über die geplante Passbild-Neuerungen noch keine großen Gedanken gemacht. Begeisterung allerdings hört sich anders an: Zwar könne er die Begründung nachvollziehen, aber „für uns im Rathaus gibt es dann noch mehr Technik zu betreuen“, führt Peitings Hauptamtsleiter Stefan Kort eine Mehrbelastung für die Gemeinde ins Feld.

Ähnlich sieht es Andreas Bayerlein, Leiter des Einwohnermeldeamts Weilheim. „Uns würde die Neuerung vor materielle und personelle Probleme stellen.“ Der erhöhte Zeitaufwand sei nur durch personelle Aufstockung zu bewältigen. „Auch räumlich ist im neu renovierten Einwohnermeldeamt mit Schalterbereich keine Möglichkeit vorhanden, ein entsprechendes Gerät zu platzieren.“

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