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Grabungsleiter Günther Fleps vor den Resten der römischen Mauer, die bei Bauarbeiten in Augsburg gefunden worden waren. Der verwendete Tuffstein stammt aus der Region Weilheim-Schongau. 

Bei Bauarbeiten entdeckt

Ungewöhnlicher Fund in Augsburg: Römermauer aus dem Landkreis

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Einen ungewöhnlichen Fund haben Bauarbeiter in Augsburg gemacht. Sie legten eine gut erhaltene Mauer aus der Zeit der Römer Die Spur der Tuffsteinquader führt in den Landkreis Weilheim-Schongau.

Landkreis – Augsburg zählt zu den ältesten Siedlungen in Deutschland. Ihren Ursprung hat sie den Römern zu verdanken, die die Stadt vor 2000 Jahren zunächst als Militärlager gründeten.

Dass man nun Mauerreste aus dieser Zeit fand, scheint deshalb erst einmal nicht ungewöhnlich. Doch wenn man bedenkt, dass bislang kaum Römermauern gefunden wurden, da sich die Menschen früher bei Neubauten der Steine von aufgegebenen Gebäuden bedienten, sorgte der Fund für Entzücken bei den Archäologen. Aufgetaucht war die Mauer bei Bauarbeiten für ein Seniorenwohnheim.

Besonders interessant aus Landkreissicht ist der beim Bau verwendete Tuffstein: Da in der Region Weilheim-Schongau die nächstgelegenen Tuffvorkommen auftreten, gehe man davon aus, dass das römische Augsburg dieses Baumaterial von dort bezogen habe, sagt Grabungsleiter Günther Fleps. Doch wo genau befanden sich damals die Abbaugebiete der Römer?

Römermauer entdeckt: Spur führt nach Polling

Die Spurensuche führt zuerst nach Polling. Die dortigen Kalktufflager sind mit bis über 20 Meter die mächtigsten Vorkommen im bayerischen Alpenvorland. Noch heute bauen dort zwei Firmen in zwei Brüchen Tuffstein ab. Einer, der sich mit der Materie bestens auskennt, ist der Pollinger Hans Hermann.

Der 90-Jährige hatte 1955 über die „Entstehungsgeschichte der postglazialen Kalktuffe von Paterzell, Huglfing und Polling“ promoviert. „Ziemlich sicher“ sei er, dass die Römer Tuffsteinquader in Polling für ihre Bauvorhaben gewonnen hätten, sagt Hermann. Denn direkt vorbei habe damals die Römerstraße geführt, die perfekte Voraussetzung, um die Steine weiter zu transportieren. Als Baumaterial sei der Tuffstein sehr beliebt gewesen, denn er habe sich leicht verarbeiten lassen und hervorragende Dämmeigenschaften mitgebracht.

Auch in Peiting gewannen die Römer Tuffsteine

Doch nicht nur in Polling gewannen die Römer Tuffsteine. Auch bei Peiting habe es Vorkommen gegeben, die beispielsweise für den Bau der Villa rustica verwendet worden seien, weiß Werner Schmitt vom Förderverein Villa rustica, der sich um das historisch bedeutsame Zeugnis aus der Römerzeit kümmert.

Und auch in Schwabbruck sei Tuffstein abgebaut worden, ergänzt Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer. „Die Römer haben ihn geholt, wo sie ihn bekommen konnten.“

Eine wichtige Rolle beim Transport gen Augsburg spielte nicht nur die Via Claudia, sondern auch der Lech. „Das Steinmaterial ist sicherlich hauptsächlich über den Lech bis Augsburg getreidelt worden“, sagt Fleps. Dieser Auffassung ist auch der Kreisheimatpfleger. Die Römer hätten dafür zum einen spezielle Transportschiffe verwendet, zum anderen seien schon damals die ersten Flöße auf dem Lech unterwegs gewesen. Selbst flussaufwärts hätten die Römer Waren transportiert, indem die Schiffe von Land gezogen worden seien. „Deshalb verlief auch die Straße immer nah am Lech.“

Woher die Tuffsteine stammen, lässt sich über Gesteinsproben herausfinden

Woher genau die Tuffsteine aus der nun gefundenen Mauer stammen, ließe sich nur über den Vergleich von Gesteinsproben herausfinden, sagt Schmidbauer. Mittlerweile freilich ist das bedeutende Fundstück wieder von der Bildfläche verschwunden. Fleps: „Die römischen Mauern im Seniorenwohnheim konnten zwar erhalten bleiben, sie sind jedoch leider nicht sichtbar, sondern hinter einem Mauersockel verborgen.“

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