Bei Roche müssen Zusatzschichten gefahren werden.

Von Hirschvogel bis Roche

Von Kurzarbeit bis zu Zusatzschichten: Was die Corona-Krise für die großen Unternehmen im Landkreis bedeutet

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Die Corona-Krise macht auch vor den großen Unternehmen im Landkreis nicht Halt: Während die einen wegen wegbrechender Aufträge Kurzarbeit anmelden und ganze Standorte in die Pause schicken müssen, kommen andere mit der Produktion kaum hinterher. Ein Überblick.

Landkreis – Seit vergangenen Mittwoch sind viele Geschäfte geschlossen, vor allem der Einzelhandel sowie Bars und Restaurants sind davon betroffen. Bei den größeren Unternehmen, die keinen Kundenverkehr haben, soll der Betrieb in der Krisenzeit dagegen möglichst weitergehen. Doch für die Mittelständler in der Region ist das in vielen Fällen einfacher gesagt als getan.

Hirschvogel

Knapp 2000 Mitarbeiter beschäftigt der Automobilzulieferer an seinem Stammsitz in Denklingen, weitere 900 Mitarbeiter arbeiten im Schongauer Werk. In der Corona-Krise hat sich deren Arbeitsalltag verändert. Wer im administrativen Bereich beschäftigt ist, verrichtet seine Arbeit seit vergangener Woche vom Homeoffice aus. Besprechungen finden laut Unternehmenssprecherin Michaela Heinle per Skype oder im Freien statt. Um den persönlichen Kontakt zwischen den Mitarbeitern zu minimieren, hat die Firma zudem Sozialräume wie Kantine, Duschen, Umkleideräume oder Brotzeiträume geschlossen.

Wie wichtig die Vorkehrungen sind, zeigte sich am vergangenen Montag, als ein erster Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde (wir berichteten). 19 Mitarbeiter, die direkten Kontakt hatten, sind seitdem vorsorglich in Quarantäne zuhause.

Doch auch wenn Hirschvogel so die Produktion bislang aufrecht halten konnte, steht der Automobilzulieferer vor einem großen Problem. Weil bei Kunden wie BMW oder VW die Bänder stillstehen, würden Aufträge gekürzt oder komplett storniert, so Heinle. „Diese Auswirkungen spüren wir von Tag zu Tag mehr.“ In der vergangenen Woche habe man deshalb Kurzarbeit für die beiden Werke in Thüringen, für die Hirschvogel Komponenten GmbH in Schongau sowie für die Hirschvogel Holding GmbH und die Hirschvogel Umformtechnik GmbH in Denklingen beantragt.

Hoerbiger

Auch Hoerbiger ist als Zulieferer der Automobilindustrie von der einbrechenden Nachfrage betroffen. Der Konzern reagiert darauf mit vorübergehender Kurzarbeit an den Standorten Schongau, Penzberg und Oberstenfeld. Die Werke werden ihre Produktion ab dieser Woche in großem Umfang oder sogar komplett einstellen, teilte Hoerbiger mit. Von der Teil- und Komplettschließung betroffen sei ein Großteil der Mitarbeiter aus den Unternehmensbereichen Antriebstechnik und Kompressortechnik.

Ganz anders sieht die Lage dagegen bei der Hoerbiger Flow Control GmbH in Altenstadt aus. „Unsere Piezoventile sind Schlüsselkomponenten für Beatmungsgeräte“, sagt Geschäftsführer Philipp Baldermann. „Wir haben Großbestellungen aus Deutschland, Schweden, den Niederlanden und Großbritannien.“ Teilweise werden innerhalb eines Monats Mengen abgerufen, die sonst dem Jahresbedarf entsprechen.

Wo weitergearbeitet wird, stehe die „Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter an oberster Stelle“, betont Unternehmenssprecher Jens Geisel. Man habe deshalb Hygiene- und Reiseregeln definiert, für interne und externe Mitarbeiter würden Zugangsbeschränkungen gelten. Eine Task Force bewerte zudem täglich die Risikosituation und informiere kurzfristig die Mitarbeiter. „Ziel ist es in allen Fällen, die Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb so gering wie möglich zu halten.“

Bremicker

Auch bei der Bremicker Verkehrstechnik GmbH mit Hauptsitz in Weilheim merkt man die Auswirkungen der Corona-Krise. „Die Anfragetätigkeit ist natürlich deutlich eingeschränkt, aktuell liegen wir aber immer noch bei zirka 70 bis 80 Prozent des regulären Auftragsvolumens“, teilt die Firma mit. Kundenkontakte würden dank moderner Kommunikationsmittel wie Laptop, Smartphone oder auch per Video-Konferenz digital stattfinden. Kurzarbeit für die rund 250 Mitarbeiter an den insgesamt vier Standorten in Deutschland sei aktuell noch nicht geplant. Aber bei der sich stündlich ändernden Situation bereite sich das Unternehmen auf alle Eventualitäten vor.

Um den Betrieb so gut es geht aufrecht zu erhalten und eine Ausbreitung des Coronavirus unter den Mitarbeitern zu verhindern, hat auch Bremicker besondere Maßnahmen getroffen. Man weist verstärkt auf die Hygieneregelungen hin. Veranstaltungen und Reisetätigkeiten wurden zurückgefahren oder ganz eingestellt, der Schichtbetrieb ist ausgesetzt, die Kantine wurde geschlossen und wo es möglich ist, arbeiten die Mitarbeiter aus dem Homeoffice.

Hochland

Während in vielen Betrieben die Bänder stillstehen, läuft die Produktion woanders gerade wegen der Corona-Krise aktuell auf Hochtouren. Das gilt etwa für den Käsehersteller Hochland, der allein im Schongauer Werk rund 560 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir verzeichnen deutlich höhere Bestelleingänge aus dem Lebensmittel-Einzelhandel. An manchen Tagen übersteigt die Menge die Spitzenwerte, die wir sonst vor Feiertagen haben“, teilt Firmensprecherin Petra Berners mit. Engpässe gebe es allerdings beim Transport. Es fehlen zeitweise Lastwagen oder sie kommen später, etwa aufgrund von Wartezeiten an den Grenzen, oder auch einfach, weil mehr Ware ausgeliefert werde. Um die größeren Bestellmengen produzieren zu können, ist Hochland auf zusätzliches Personal angewiesen. „Wir haben bereits begonnen, zusätzliche Zeitarbeitskräfte zu rekrutieren und stimmen uns mit Mitarbeitern ab, ob sie ihren Urlaub verschieben können und wollen.“

Gleichzeitig ist man auch bei Hochland darum bemüht, die Gesundheit der Belegschaft bestmöglich zu schützen. Geschäftsreisen sind untersagt, der Pendelverkehr zwischen den Standorten eingeschränkt. Alle internen Veranstaltungen sowie die Teilnahme an Messen wurden abgesagt. Alternativ finden Video- oder Telefonkonferenzen statt. Ein Großteil der Verwaltungs-Mitarbeiter arbeitet im Homeoffice. „Kollegen, deren Anwesenheit vor Ort erforderlich ist, arbeiten in Schichten, um den persönlichen Kontakt zu Kollegen zu vermeiden oder zu reduzieren“, so Berners. Auch die ohnehin schon strengen Hygienemaßnahmen seien noch einmal verstärkt worden. „In unserer Belegschaft sind großer Zusammenhalt und große Solidarität spürbar. Wir sind sehr stolz darauf, wie besonnen unsere Mitarbeiter diese ungewöhnliche und herausfordernde Situation meistern und damit dazu beitragen, dass der Nachschub nicht abreißt“, sagt Schongaus Werkleiter Stefan Mayer.

Roche

Über mangelnde Arbeit kann man sich auch bei Roche nicht beklagen. Im Penzberger Werk des Pharma- und Diagnostika-Konzerns werden derzeit Sonderschichten gefahren, um vor allem der hohen Nachfrage nach dem Coronavirus-Test nachzukommen. Um das Infektionsrisiko für die Mitarbeitenden, die in den relevanten Produktions- und Forschungsbereichen tätig seien, zu reduzieren, würden etwa 5000 der 6400 Mitarbeitenden am Standort aktuell im Homeoffice arbeiten, teilt die Firma auf Anfrage mit. Man habe den Pandemie-Plan aktiviert und versorge die Belegschaft täglich mit Updates zur aktuellen Lage. Es gebe kontinuierliche Hinweise auf die Hygieneregeln. Die Verpflegung der Mitarbeiter erfolge über „Take away-Lösungen“, die Casinos seien geschlossen. Auch der Shuttlebus-Service sei eingestellt worden, teilt das Unternehmen mit. „Der Zugang zum Werk ist streng geregelt.“


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