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Klimawandel fordert drastische Maßnahmen: Waldumbau dringend notwendig

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Forstdirektor Martin Kainz zeigt auf einen Fichtenaltbestand bei Schongau, der mit jungen Buchen durchwachsen ist. © Gretschmann

Stürme, Schädlinge und Trockenheit setzen auch im Landkreis Weilheim-Schongau den Wäldern mächtig zu. Ein Kollaps droht zwar noch nicht, aber einen heilen Wald gibt nicht.

Weilheim-Schongau – „Wir stehen vor einer großen Herausforderung“, sagt Forstdirektor Martin Kainz, seit 2007 Abteilungsleiter für den Bereich Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim. Mit der Herausforderung ist der Waldumbau gemeint – weg von der monotonen Fichtenkultur, die jahrzehntelang vorherrschend war, und hin zu einem gesunden Mischwald.

Der Wald im Amtsbereich des AELF Weilheim umfasst rund 100 000 Hektar in den drei Landkreisen Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Starnberg. Rund 50 000 Hektar davon sind Privatwald, 45 000 Hektar Staatswald und 5000 Hektar Körperschaftswald.

100.000 Festmeter Schadholz in der ersten Jahreshälfte

Wie groß die Waldschäden im Amtsbereich sind, das ist heuer im ersten Halbjahr bereits genau erfasst worden. Die Schadholzmenge beläuft sich auf rund 100 000 Festmeter. „Davon entfallen 84 400 Festmeter allein auf die Fichte“, rechnet Martin Kainz vor.

Hauptursachen für diese Waldschäden sind Stürme, Schneebruch und der Borkenkäfer. Wälder, über Jahrzehnte gewachsen und von Generationen gepflegt, sind mit einem Mal vernichtet worden. Und der Holzpreis liegt am Boden. „Uns begegnen weinende Waldbesitzer“, berichtet Martin Kainz und unterstreicht damit die Notwendigkeit des Waldumbaus, was zu einer Daueraufgabe werden wird.

Einige Anfänge sind beim Waldumbau schon gemacht

„Wir brauchen naturnahe Wälder mit unterschiedlichen Baumarten“, so das Credo von Forstdirektor Kainz. Einige Anfänge sind schon gemacht.

Bei einer Waldbegehung auf Altenstadter Flur (nahe Schongau) zeigt der Forstmann auf eine rund 80 Jahre alte Fichtenkultur, zwischen deren mächtigen Stämmen junge Buchen eingepflanzt worden sind. Und wenn man sich weiter umsieht, kann man in einem kleinen Waldbereich insgesamt sechs verschiedene Baumarten erkennen: Fichte, Buche, Tanne, Erle, Ahorn und Esche, die dort nebeneinander wachsen. „In 30 Jahren sind die Fichten alle weg“, so die Einschätzung von Martin Kainz. Ihm liegt vor allem die Weißtanne sehr am Herzen.

Waldbesitzer können mit finanzieller Förderung rechnen

Wichtig zu wissen: Bei der Anpflanzung von Mischwäldern können die Waldbesitzer mit einer finanziellen Förderung rechnen. Pro Pflanze gibt es 85 Cent bzw. 1,10 Euro für reines Laubholz. In Einzelfällen kann es sogar eine Förderung von maximal zwei Euro geben.

Wie könnte der Wald in 100 Jahren aussehen? Auch da machen sich die Forstleute jetzt schon Gedanken. Mehr Eichenwälder, Weißtannen aus Italien (sie halten die Hitze besser aus) und auch neue Baumarten (z.B. Zedern) sind vorstellbar. „Eine Baumart, die gegen alle Schäden resistent ist, gibt es allerdings nicht“, muss Martin Kainz einräumen.

Wildbestände müssen dem Waldumbau angepasst werden 

Voraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau seien aber auch angepasste Wildbestände, fügt der Forstdirektor noch hinzu. Jeden Wald einzuzäunen, das sei allerdings nicht zu machen.

Weil bei der Forstreform im Jahr 2005 auch Personal eingespart worden ist, „arbeiten wir jetzt auf Anschlag“, verrät Martin Kainz. Hauptjob der Forstleute sei die Beratung, die zunehmend in Anspruch genommen werde. „Diese Beratung ist kostenlos“, so der Hinweis des Forstdirektors.

MICHAEL GRETSCHMANN

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Das oft jahrzehntelange Engagement um die Wälder wird mit einem Staatspreis gewürdigt. Unter den Preisträgern ist heuer erstmals die Waldbesitzervereinigung Schongau.

Dem Fichtenwald auf dem Netzenberg in Schwabsoien geht es an den Kragen: Ein Eichenmischwald mit Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirsche soll an seiner Stelle entstehen.

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