Nähbiene und Organisatorin Julia Zerruhn (Peißenberg).

Nächstenliebe in schweren Zeiten

Wegen Corona: „Nähbienen“ gründen Mundschutz-Initiative im Landkreis Weilheim-Schongau

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Kleine Käfer, bunte Sterne: Die selbstgenähten Atemschutzmasken spenden in diesen schweren Tagen ein wenig Trost. Eine Initiative von freiwilligen „Nähbienen“.

Landkreis – Es ist ein bunter, schöner Anblick dieser Tage. Ein Akt der Nächstenliebe, Eine Tat, die zeigt: Ja, wir halten zusammen. Julia Zerruhn aus Peißenberg näht eigentlich Kinderkleidung. Kurzentschlossen hat sie eine Näh-Initiative „Nähbienen“ gegründet, die jetzt ausnahmslos fernab der Kinder-Mode in der heimischen Nähstube produziert, was das Zeug hält. Ehrenamtlich. Unter großem Aufwand. Atemschutzmasken entstehen. Statt lustiger Kinderhosen gemusterter Stoff mit ernstem Hintergrund.

Julia Zerruhn betreibt einen kleinen Nähshop in Peißenberg. Sie gibt Nähkurse. Jetzt ist alles anders. In dieser Krise will sie etwas Gutes tun. Ein offizieller Aufruf der Feuerwehr Essen und eine Online-Nähanleitung haben den Ausschlag gegeben. „Mein Papa ist selbst Risiko-Patient. Ich wollte etwas unternehmen.“

„Nähbienen“ im Landkreis Weilheim-Schongau nähen Atemmasken für Corona-Risikopatienten

Die Idee: Atemmasken nähen. Für Risiko-Patienten. Und alle, die sich unsicher fühlen. Auf Spendenbasis. Ein paar Euro haben die ersten Facebook-Kunden auf Spenden-Basis von Herzen gerne gegeben. Gemessen daran, was an Arbeit hinter einer einzelnen Maske steckt, ist das nicht viel, aber trotzdem eine nette Geste.

Nähbiene Antje Liehre aus Penzberg

Ein doppellagiger Baumwollstoff wird gefaltet, genäht. Als Ohrenhalter dient ein Schrägband aus Baumwolle. Oben an der Nase wird ein Draht eingenäht, „damit die Maske besser passt“. 20 bis 30 Minuten sind das pro Maske. Ein irrer Aufwand. Doch jede einzelne könnte jetzt ein Menschenleben retten. Eigentlich näht Julia Zerruhn für ihr Kleingewerbe. Einem Aufruf im Internet sind viele aus dem Raum Peißenberg gefolgt. Eine Whats-App-Gruppe wurde spontan gegründet. „Eigentlich kennen wir uns gar nicht.“

„Nähbienen“ im Landkreis Weilheim-Schongau nähen Atemmasken: Große Nachfrage

Die Sache läuft. Die Anfrage ist riesig. Die Masken werden per Post verschickt, abgeholt (Maske vor der Tür, Geld in Briefkasten) oder sogar persönlich ausgeliefert. Mit gebührendem Sicherheitsabstand. Geld nimmt Julia Zerruhn auch dafür nicht. „Wir sind froh über Spenden“, sagt sie. Gebraucht wird auch Material (Baumwollstoff, mindestens zweilagig, oder Geldspenden).

Nähbiene Esra Böse aus Schongau.

Mit ihrer Hilfsbereitschaft hat Julia Zerruhn einen Nerv getroffen: Auf ihren Facebook-Post zum Nähen der Masken haben sich spontan viele freiwillige Näh-Mamas gemeldet. Sie alle gemeinsam investieren Herzblut und Freizeit. „Wir haben uns vorher gar nicht gekannt, jetzt sind wir eine Gruppe.“ Inzwischen sind es 16 Nähbienen aus dem Landkreis, bei denen die Nähmaschine für die gute Sache rattert.

„Nähbienen“ im Landkreis Weilheim-Schongau nähen Atemmasken: Initiatorin überrascht

Toller Nebeneffekt: Eine Frau, die selbst beim Rettungsdienst arbeitet, spendet 50 Masken an eine Pflegeinstitution in Wielenbach. Ihre Mutter hatte ihr die Masken, die vor kurzer Zeit noch verfügbar waren, gekauft. Die Frau selbst fühlt sich nicht als Risiko-Patient.

Nähbiene Eva Krapf aus Seehausen.

Und gibt gerne an die weiter, die solche Masken nötig haben, um ihr Leben zu schützen. Mit solchen Folgen, mit einem solchen Anstand, hätte Julia Zerruhn nie gerechnet. „Ich bin total überrascht.“

Helfer oder Stoff-Spender können hier alles Wichtige zur Initiative erfahren. Hier kann man die Nähbienen auch anschreiben und sich das Schnittmuster samt Pflegeanleitung zum Selbermachen runterladen.

Alle Entwicklungen zum Coronavirus im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie hier.

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