Welfen-Gymnasium  

Praktikums-Ärger an Schule

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Der Elternbeirat am Welfen-Gymnasium Schongau möchte für die neunte Jahrgangsstufe eine Praktikumswoche einführen. Obwohl mehr als 80 Prozent der Schüler in Eigenregie bereits eine Stelle organisiert haben, wird das Projekt von Seiten der Schule wieder abgesagt. Viele Eltern sind erzürnt.

Schongau – Studenten und Schülern wird oft nachgesagt, sie seien bei Eintritt ins Berufsleben zu weltfremd, weil sie nie anderes als Schulbank und Hörsaal gesehen haben. Erste gute Möglichkeiten, den wahren Hauch des Lebens zu verspüren: Praktika. An Real- und Mittelschulen sind sie seit geraumer Zeit Pflicht. Nicht so an Gymnasien. Der Elternbeirat des Schongauer Welfen-Gymnasiums schlug deshalb vor, eine Woche verbindliches Praktikum für die neunte Jahrgangsstufe einzuführen – und zwar so, dass auf Lehrer und Schulleitung kein nennenswerter Mehraufwand zukommt. Obwohl nun 83 Prozent der Schüler eine feste Stelle organisiert haben, wurde das Projekt von Seiten der Schule gestrichen – einige Eltern sind über diese Entscheidung stinksauer.

Vor allem deshalb, weil es „wohl einige Lehrer gibt, die sofort unter den Schülern verbreitet haben, dass sie die Praktikumsstellen wieder absagen sollen, ohne Rücksprache mit uns Eltern zu halten“, sagt Ralf Zidek vom Elternbeirat. Er ist Vater einer Neuntklässlerin, die sich an einer Münchner Kinderkrippe beworben hatte. Ein Vorwurf der Eltern in Richtung Lehrerschaft: Erst bemühen sich die 14- und 15-Jährigen um eine Schnupperstelle, bekommen diese auch, und müssen jetzt kurzerhand wieder absagen, wegen mickrigen 17 Prozent, rund 20 Schülern. „Angenommen, die Schüler wollen sich dort später mal bewerben, und der Unternehmer erinnert sich daran: Das kommt bestimmt super gut an“, sagt er ironisch.

Die Praktikumswoche sollte in der vorletzten Schulwoche vor den Sommerferien stattfinden. Aber bereits bis 17. Februar organisiert sein. So wurde es mit Elternbeirat, Schülerforum und Lehrer abgesprochen. Einzige Voraussetzung neben dem Stichtag Mitte Februar: ausreichende Beteiligung. In Augen der Eltern und Elternbeiratsvertreter sei die bei einer Quote von 83 Prozent mehr als erfüllt.

83 Prozent der Schüler sind für Praktikumswoche - der Schule ist das zu wenig

Hubert Orthuber, stellvertretender Leiter des Welfen-Gymnasiums, sieht das ganz und gar nicht so. „In den Gremien haben wir vereinbart, dass 95 Prozent der Neuntklässler bis zum 17. Februar eine Praktikumsstelle organisieren müssen“, sagt er. Dieses Ziel sei klar verfehlt. Orthuber spricht immer wieder von „demokratischer Entscheidung“. Basta.

Komischerweise wissen Zidek und die anderen Eltern nichts von dieser 95 Prozent-Vorgabe. „Deshalb ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen“, sagt Zidek. Der Elternbeirat setze sich nochmals zusammen und werde ausführlich darüber sprechen. Ein Argument pro Praktikums-Projekt: Dass die rund 20 Schüler, die keine Stelle bekommen haben oder wollten („das wissen wir noch gar nicht“), die kommenden Wochen und Monate noch genug Zeit hätten, eine zu finden.

Zweites Argument: Alternativ könnten die Schüler, die in etwa eine Klassenstärke bilden, auch unterrichtet werden. Schließlich hätten die Lehrkräfte, falls alle ein Praktikum bekommen würden, in dieser einen Woche zahlreiche Freistunden. Und auch hinterher müssten sich die Lehrer mit dieser Schnupperwoche nicht auseinandersetzten. Laut Zidek „hat dafür der Elternbeirat in den Planungen extra gesorgt“.

Orthuber, der generell von Praktika begeistert sei, beharrt jedoch auf seinem demokratischen Grundverständnis. „Heuer wird es dieses Praktikum nicht geben.“ Der Großteil der Eltern hört das nicht gerne. Bevor das Projekt Praktikum in die Wege geleitet wurde, führte der Elternbeirat eine Befragung durch. 106 Eltern(-teile) wurde der Fragebogen zugeschickt, 81 haben ihn beantwortet, davon 67 ganz klar pro Schnupperwoche.

Rubriklistenbild: © dpa

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