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Im Internet studiert Stefan Bandorf, was es alles an öffentlichen Ausschreibungen gibt.

Wie Firmen sich um Aufträge bewerben

Pokerspiel ums beste Angebot

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Überall klagen Kommunen über ausgebuchte Handwerksfirmen, die kaum noch Angebote abgeben. Wir haben einmal die andere Seite beleuchtet und bei einem mittelständischen Unternehmen nachgefragt, dem Schongauer Elektro-Spezialisten Licht- und Kraftanlagen GmbH (LKG).

Schongau – Früher saß Stefan Bandorf selbst stundenlang über Ausschreibungen und füllte die einzelnen Kostenpunkte per Hand aus. Heute ist der 45-Jährige Geschäftsführer der LKG und hat eine Mitarbeiterin, die das für ihn am Computer erledigt. Er schaut nur noch am Schluss drüber, ob alles passt. Natürlich kümmert sich das Unternehmen mit seinen rund 40 Mitarbeitern auch um die Elektroinstallation eines privaten Neubaus, „aber öffentliche Aufträge machen bis die Hälfte des Gesamtgeschäfts aus“, so Bandorf. Es ist also existenziell, dass man an öffentlichen Ausschreibungen teilnimmt. Doch wie bekommt eine Firma mit, wo eine Schule oder ein Kindergarten gebaut wird?

„Da gibt es mittlerweile viele

Plattformen im Internet, die sind in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen“, sagt Bandorf. In vordester Linie steht aber der Bayerische Staatsanzeiger, in dem alle öffentlichen Bauten zur Ausschreibung stehen. Im Internet ist es viel einfacher als früher. Bandorf gibt bei der Suche die ersten Postleitzahl-Ziffern ein, schon ploppen 17 Bauprojekte auf. Tiefbau, Landschaftsbau – „da ist nichts für uns dabei“, sagt Bandorf.

Ist aber verschmerzbar. Denn auf den großen EU-weiten Ausschreibungen, die ab einer bestimmten Bausumme vorgeschrieben sind, liegt derzeit nicht das Hauptaugenmerk. „Es gibt auch beschränkte Ausschreibungen, da kommt gerade wahnsinnig viel rein“, so Bandorf. In Schongau etwa beim Haus für Kinder schrieb die Stadt von sich aus zum Teil mehr als ein Dutzend Firmen an und bat um Angebote. Da ist LKG als Traditionsfirma natürlich immer dabei, wenn es um den Bereich Elektro geht. „Wir haben 68 Jahre auf dem Buckel, man kennt uns und unsere Leistungen“, sagt Bandorf selbstbewusst. Ein Neuling habe es da schwerer.

Früher habe man sich noch oft in der Region München beworben, doch das hat Bandorf zurückgefahren – aus Schutz der Mitarbeiter und auch der Firma selbst. „Da müssen die Mitarbeiter um 4.15 Uhr aufstehen, damit sie rechtzeitig auf der Baustelle sind. Das wollen die nicht mehr.“ Aufgrund des Fachkräftemangels geht man auf solche Argumente als Chef ein, denn Bauelektriker werden überall gesucht. „Wenn jemand bei uns unzufrieden wäre, könnte er problemlos in die Industrie abwandern, wo er es warm und trocken hat und es feste Arbeitszeiten gibt“, weiß Bandorf.

Also lieber nicht so weit weg, was natürlich auch die Kalkulation günstig beeinflusst – schließlich sind weite Anfahrten ein Kostenfaktor. „Aufträge im Landkreis werden bevorzugt, wir wollen hier präsent sein“, sagt Bandorf. Wobei er sich selbst in der Region nicht auf jedes Angebot stürzt, das ihm ins Haus flattert. „Man muss immer schauen, ob es Kapazitäten gibt.“ Dann fragt er bei seinem technischen Leiter nach, wie der Bauablauf bei den bestehenden Projekten ist, ab wann wieder ein Auftrag möglich wäre, ohne sich zu verzetteln. „Da muss man manchmal Anfragen absagen, auch wenn es weh tut, weil man sie gerne machen würde“, so Bandorf.

Es hat aber auch andere Zeiten gegeben. „Da geht man schon einmal mit einem Kampfpreis rein“, bestätigt Bandorf, fährt also die Gewinnmarge auf ein Minimum. Jetzt kann es im Gegenteil passieren, dass er bei einem Angebot, das er nicht unbedingt braucht, bewusst etwas höher kalkuliert, also mit mehr Gewinn. Wenn sich wenig Konkurrenten bewerben, kann das manchmal für den ersten Platz reichen. „Das ist oft nichts anderes wie ein Pokerspiel“, sagt Bandorf. Er erinnert sich noch gut, wie er bei einem 160 000-Euro-Auftrag am Ende 260 Euro über dem späteren Sieger geboten hatte und der Auftrag futsch war. „Das war auch noch in Schongau, sehr bitter.“

Auch andere Erlebnisse haben sich im ins Gedächtnis gebrannt. Für die Submission, also das Öffnen der eingereichten Angebote, gibt es nämlich Fristen. „Wenn die 11 Uhr ist und Sie kommen mit ihrem Umschlag um 11.01 Uhr, ist es vorbei“, so Bandorf. Auch eine fehlende Unterschrift kann trotz besten Preises das Aus bedeuten, in Schongau sind zuletzt einige Anbieter an solchen Formalitäten gescheitert. Auch auf die Post ist nicht immer Verlass: „Ich habe ein Angebot als Express losgeschickt, es musste um 10 Uhr da sein. Doch es wurde verschlampt und kam erst mittags an.“ Haftbar könne man die Post dafür nicht machen, „aber ich habe mich natürlich furchtbar aufgeregt“, so Bandorf.

Das sind aber Ausnahmen, Bandorf ist zufrieden. Vier größere Aufträge gleichzeitig im Wert von mehr als 250 000 Euro, dazu knapp 20 kleinere Baustellen – das passt. Und weil sich vorerst keine Änderung abzeichnet, dürften die Städte und Gemeinden bei Vergaben noch längere Zeit lange Gesichter machen.

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