Alles fertig, Film ab: Florian Raab (vorne links) und Thomas Fritzmeier (rechts) mit Team zeichneten den ersten virtuellen Wirtschaftsempfang im Ballenhaus Schongau auf.
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Alles fertig, Film ab: Florian Raab (vorne links) und Thomas Fritzmeier (rechts) mit Team zeichneten den ersten virtuellen Wirtschaftsempfang auf. Er kann über den Youtube-Kanal der Stadt jederzeit nachträglich abgerufen werden.

Live aus dem Ballenhaus

Wirtschaftsempfang Schongau: Viele Angebote unbekannt

  • Elke Robert
    vonElke Robert
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Eine Premiere: der erste virtuelle Wirtschaftsempfang in Schongau. Für die drei geladenen Referenten eine tolle Plattform, sich vorzustellen. Auch viele Informationen gab es, die man aber durchaus weiter vertiefen könnte. Und wäre es möglich, virtuell Häppchen und Sekt zu reichen, wären live vielleicht mehr Teilnehmer vor dem Bildschirm gesessen.

Schongau – „Sind alle Handys aus?“ Montagabend, kurz vor 19 Uhr im Ballenhaus Schongau. Das Team der Schongauer Agentur „Filmbaar“ ist bereit für die Live-Übertragung. Auf dem Podium warten in gebührendem Abstand auf der einen Seite Vizebürgermeisterin Daniela Puzzovio und Harald Dinter, Vorsitzender beim Bund der Selbständigen (BDS) Schongau. Auf der anderen Seite wartet Bürgermeister Falk Sluyterman darauf, die drei geladenen Referenten und die Gäste an den Bildschirmen begrüßen zu dürfen.

Live-Übertragung aus dem Ballenhaus Schongau war eine Premiere

„Wir haben Ton, Film ab!“, gibt Florian Raab das Signal. Die Live-Übertragung des mittlerweile 3. Schongauer Wirtschaftsempfangs war ein Versuch, auch in diesen besonderen Zeiten etwas für die Gewerbetreibenden zu tun. Der mehr oder minder gelungen ist, zumindest, was die Zahl derer betrifft, die sich live zuschalteten. Nur 79 Aufrufe zählte Stefan Lisch, der als Digitalisierungsbeauftragter der Stadt am Rechner saß, 30 Zuschauer verfolgten die Übertragung gleichzeitig.

Offensichtlich hatten einigen Teilnehmern Schwierigkeiten, den Live-Stream aufzurufen, weiß man einen Tag später. Was schade, aber leicht zu heilen ist: Entgegen der ersten Ankündigung wurde der Wirtschaftsempfang noch am Abend der Veranstaltung freigeschaltet und kann über den Youtube-Kanal der Stadt jederzeit und von allen Bürgern angesehen werden.

Sluyterman: Gewerbetreibenden sind das „Rückgrat der Stadt“

Die Gewerbetreibenden seien das „Rückgrat der Stadt“, betonte Bürgermeister Sluyterman eingangs. Daniela Puzzovio ging auf den historischen Wirtschaftsstandort Schongau ein. Selbst Unternehmerin, lobte sie den Mut und die Risikobereitschaft, sich selbstständig zu machen. Und hatte Zahlen parat: 978 Gewerbetreibende waren im Oktober in der Stadt gemeldet, 243 davon in der Altstadt – vom Einzelunternehmen bis hin zu den großen Firmen „ein ganz spannender Mix“, wie sie fand.

Daniela Puzzovio organisierte den Wirtschaftsempfang

Bei den Gewerbeanmeldungen gerade der vergangenen zwei Jahre passierte sehr viel, wie die Zahlen zeigten – vor allem auch in der Altstadt. Zwischen 2017 und 2020 stiegen die Gewerbeanmeldungen kontinuierlich an, es gab aber 2017/2018 mehr Abmeldungen. 2019 gab es zum Jahresende insgesamt ein Plus von 21 Gewerbetreibenden, dieses Jahr bis heute sind es sogar 54.

Stadt hat ein ganzes Paket für die Unterstützung Gewerbetreibender geschnürt

Die Stadt Schongau hat für die Gewerbetreibenden ein ganzes Paket an Unterstützungsmöglichkeiten geschnürt, die Puzzovio vorstellte. Und die, wie Harald Dinter bei seiner Umfrage festgestellt hatte, wenig bekannt sind. Nur vier von zehn Gewerbetreibende wussten überhaupt davon, nutzen aber auch nicht alle Leistungen der Wirtschaftsförderung.

Harald Dinter vom BDS Schongau empfiehlt, sich zu informieren.

Dass die Stadt die Wirtschaft fördert, fanden die Befragten „eher wichtig“, vor allem die Sicherstellung der Attraktivität der historischen Altstadt. Besonders auffällig bei der Umfrage: Keiner der Teilnehmer hat bisher etwa das Gewerbliche Leerstandsmanagement benutzt oder die Stadt als Vermittler gewerblicher Flächen um Hilfe gebeten. Auch die Standortdaten wurden laut Umfrage bisher nicht abgefragt.

Wirtschaftsförderung bekommt keine guten Noten

Keine besonders guten Noten bekommt wohl die Wirtschaftsförderung der Stadt insgesamt, wenn den Befragten „nichts“ dazu einfällt oder Kommentare kommen wie „Papiertiger“ und „keine Kommunikation und keine Information“.

Mehrfach wurde von den Befragten der Punkt Wirtschaftsförderer angesprochen, die Stelle ist seit Frühjahr 2019 unbesetzt. „Wirtschaftsförderung ist immer Chefsache“, betonte Sluyterman. Die Stadt sei über viele Jahrzehnte ohne so eine Stelle ausgekommen. Es sei zwar sinnvoll, diese Aufgabe zu bündeln, aber nach Sluytermans Meinung müsse sich ein künftiger Wirtschaftsförderer mit um das Stadtmarketing und die Förderung des Tourismus kümmern. Über die Neubesetzung der Stelle entscheidet der Stadtrat.

Fragen der Zuschauer der Live-Aufzeichnung bleiben aus

Fragen aus dem virtuellen Auditorium kamen zum Bedauern der Organisatoren nicht, und dies, obwohl auch einige Stadträte dabeigewesen seien, die sich sonst auch regelmäßig zu Wort melden, wie Bürgermeister Falk Sluyterman augenzwinkernd bemerkte. Puzzovio zeigte sich dennoch zufrieden, das Live-Streaming sei ein Format, das man wohl öfter nutzen werde in Zukunft. „Dass es so wenig Teilnehmer waren, ist ein bisschen enttäuschend“, so das Fazit von Dinter. Ein Austausch bei einem persönlichen Treffen sei sicherlich unkomplizierter. Dass „Sekt und Häppchen“ gefehlt hätten, waren sich am Ende alle einig.

Krankenschwester aus dem Schongauer Krankenhaus steckte den Ehemann und die eigenen Eltern mit Corona an.

Im Arbeitskreis Altstadt entstand die Idee zu diesem virtuellen Wirtschaftsempfang, und es gibt noch viel mehr Projekte

Das Forum Gesundes Unternehmen hatte im vergangenen Jahr, als der Wirftschaftsempfang ausfiel, schon einmal hinterfragt, wo die Schongauer der Schuh drückt. Interview mit Harald Dinter, auch Vorsitzender beim BDS Schongau

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