1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schongau
  4. Schongau

Manfred Wodarczyk bekommt den Schongauer Ehrenamtspreis

Erstellt:

Von: Elke Robert

Kommentare

Organisation ist die halbe Miete, ohne Herzblut geht es aber nicht: Manfred Wodarczyk mit Ehefrau Barbara, die ihm immer den Rücken freihält.
Organisation ist die halbe Miete, ohne Herzblut geht es aber nicht: Manfred Wodarczyk mit Ehefrau Barbara, die ihm immer den Rücken freihält. © Herold

Der Ehrenamtspreis 2020 der Schongauer Bürgerstiftung geht an Manfred Wodarczyk – für sein großes Engagement mit dem Verein Schongauer Sommer. Den Historischen Markt und das Festspiel zu organisieren, sei eine Herzblutangelegenheit, sagt er. Und er hat auch noch einen Herzenswunsch.

Schongau – Sein 20-jähriges Jubiläum hatte der Verein Schongauer Sommer im Jahr 2020. Von Anfang an mit dabei und seit 2002 Vorsitzender und Motor, soll Manfred Wodarczyk den Ehrenamtspreis bekommen – ursprünglich schon passend zum Jubiläumsjahr 2020. Die Sitzung zur Verleihung wurde dann aber wegen Corona abgesagt – und bisher nicht nachgeholt. Bürgermeister Falk Sluyterman hofft auf Feierlichkeit im Jahr 2022. Der Ehrenamtspreis ist mit 500 Euro dotiert.

Von abgesagten Veranstaltungen kann Wodarczyk ein Lied singen. Und wenn es um „seinen“ Historischen Markt geht, ist kein Aufwand zu groß, da steckt das drin, was man „Herzblut“ nennt. Und noch viel mehr. Ein Gespräch mit Wodarczyk ohne eine Anekdote über eines der vielen Festspiele ist quasi unmöglich – der Schongauer Sommer ist Wodarczyk, Wodarczyk der Schongauer Sommer.

Die Anfänge liegen in der künstlerischen Ader seiner Frau

Die Anfänge liegen lange zurück und starten mit seiner Frau Barbara. 1991 eröffnete diese „mit großer künstlerischer Ader“, wie der 65-Jährige verrät, ein kleines Keramikgeschäft in Hohenfurch. Als immer mehr Stücke entstehen, entsprang 1992 die Idee, die Keramiken und andere Sachen auf Kunsthandwerkermärkten und Jahrmärkten zu verkaufen. Von Garmisch bis Nürnberg, von Oy bis Bad Tölz reiste das Paar – Eltern von zwei Mädchen – zu den Veranstaltungen, anfangs gemeinsam, dann vielfach Wodarczyk alleine. Er entdeckte sein Faible fürs Mittelalter. „Die Leute auf diesen Märkten leben anders, denken anders – das hat mich inspiriert.“ Auch in Schongau ist man von Anfang an dabei – damals alles unter der Leitung des Tourismusvereins.

Beliebt ist der Badezuber am Markt. Diesen testeten im Jahr 2014 Manfred Wodarczyk und seine Stellvertreterin, Beate Fiedler.
Beliebt ist der Badezuber am Markt. Diesen testeten im Jahr 2014 Manfred Wodarczyk und seine Stellvertreterin, Beate Fiedler. © Herold

Im Frühjahr 2000 sei er gefragt worden, ob er in Schongau die Organisation des Historischen Marktes übernehmen wolle – mit dabei waren anfangs noch Klaus Böse sowie die Brüder Peter und Rudi Mahl. Die Vereinsgründung erfolgte am 5. Dezember 2000, Wodarczyk wurde Schriftführer. Auch das Theater galt es, als Verein zu managen. Große Fußstapfen, denen man folgen wollte, wenn man sich zurückerinnert an Herbert Rosendorfers „Hexe von Schongau“ (1992 bis 1996), „Die Venezianer“ (1997/98), „Die Hexe. Hexenjagd zu Schongau“ von Herrmann Rueth (1999) und „Tanz der Vampire“ (2000).

Start mit einem Tiefpunkt

Kleinere Aufführungen folgen beim Schongauer Sommer. Man startet mit einem Tiefpunkt: Der Schriftführer entdeckt Ungereimtheiten in den Unterlagen, was viel Ärger und Gerichtstermine nach sich zog, „viel Theater neben der Bühne, drei Jahre härteste Zeit, das wieder geradezubiegen“. Bereinigt hat der Verein, als Wodarczyk nach zwei Jahren den Vorsitz übernimmt, noch genau 3,60 Euro auf dem Konto.

Heute werden Veranstaltungen gestemmt, die auch mal 140 000 Euro kosten. Gerne erinnert sich Wodarczyk an die „Hexe“ von 2007 zurück. Oder an „Faust, das Experiment“ mit 200 Mitwirkenden. „Ein Glanzstück neben der ,Hexe’, leider blieben die Besucher aus.“ Wodarczyk verfolgt mit den drei weiteren Vorstandsmitgliedern Beate Fiedler (2. Vorstand), Robert Notz (Kassier) und Bianca Werner (Schriftführerin) eine klare Linie: „Finanziell immer auf dem Boden bleiben.“ Wenn man zu sehr in Vorleistung gehen muss, lässt der gebürtige Schongauer lieber die Finger davon, sei die Idee noch so schön.

Wichtig ist auch sein kaufmännisches Geschick

Beim Schongauer Sommer hält Wodarczyk alle Zügel in der Hand. Über die Jahre gerechnet, ist er wohl eine Million Kilometer gefahren, um das Netzwerk zu spinnen, das der kleine Schongauer Verein für den Ablauf dieser großen Veranstaltungen benötigt. Weit über 50 000 Besucher waren bisher im Freilufttheater, die Marktbesucher beziffert der 65-Jährige mit rund 800 000 – jährlich bis zu 60 000 Besucher.

Viele Gäste, viel Renommee, viel Umsatz. Dass er über die gleichzeitig magere finanzielle Unterstützung seitens der Stadt etwas enttäuscht ist, daraus macht Wodarczyk keinen Hehl. Die 5000 Euro-Finanzspritze pro Marktjahr durch die Stadt verschwänden gleich wieder in den Abrechnungen für Bauhofleistungen.

Noch einmal die „Rosendorfer Hexe“ spielen

Auch das macht einen Wodarczyk aus, für die Sache ohne zu zögern, einen Finger in die Wunde zu legen. Nicht minder wertvoll ist sein kaufmännisches Geschick, über die Jahre bei Agfa, Zarges und zuletzt Hoerbiger Antriebstechnik erworben. „Das Kaufmännische war schon immer meins“, schon als junger Mensch sei er findig gewesen beim Geld-Verdienen.

Im Ruhestand bleibt nun wieder etwas mehr Zeit – auch für seine Frau, ohne die das wohl alles nicht gehen würde: „Sie lässt mir die Freiheit“, ist Wodarczyk dankbar. Auf Nachfolger-Suche für den Vereinsvorsitz ist er schon lang – bisher sei keiner in Sicht.

Sein größer Wunsch: „Bis Klein-Manfred die Bühne verlässt, möchte er wenigstens noch einmal die ,Rosendorfer-Hexe‘ spielen.“

Auch interessant

Kommentare