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Ein letzter Gottesdienst in der Schongauer Kirche: Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes.

Abschied von Pfarrerin Menezes

„Wunden geheilt und Vertrauen aufgebaut“

Äußerst ungern lässt die evangelische Gemeinde Schongau ihre Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes nach nur einem Jahr im Amt wieder gehen. Am Sonntag feierten die Kirchgänger ein letztes Mal in der voll besetzten und zum Erntedank geschmückten Dreifaltigkeitskirche einen Festgottesdienst, bei dem sie mit „Wehmut und Dankbarkeit“ Menezes verabschiedeten, mit dem Segen von Dekan Axel Pipers.

Schongau – Der Weggang von Nicoly Menezes hat nichts mit der evangelischen Kirchengemeinde Schongaus zu tun, wie bei der Verabschiedung mehrfach versichert wurde. Ihr Wechsel nach Waldbuch bei Kempten „ist allein dem primären Leben“ geschuldet. Sie sei sehr gerne in Schongau gewesen, sagte die Geistliche mit dem gewinnenden Lächeln, die sich gleich zu Beginn ihrer Amtszeit nach dem plötzlichen Tod ihres Vorgängers Hartmuth Stamm ohne Übergabe und Amtserfahrung zurechtfinden musste. Dies sei ihr mit „ihrer Herzlichkeit und festem Glauben“ gut gelungen, wie Dekan Piper in seiner Laudatio sagte. „Sie haben sich durchgeackert, in der Gemeinde Wunden geheilt und Vertrauen aufgebaut.“ Die Pfarrerin habe sich mit aller Kraft eingebracht und ihre Fähigkeiten mit der Gemeinde geteilt. „Zu ihrem Amtsantritt habe ich Ihnen empfohlen, zwischendurch mal auf die Bremse zu treten ob all der Aufgaben, die sie erwarten – das war wohl nur ein frommer Wunsch“, schmunzelte Pipers.

Ein letztes Mal stieg Nicoly Menezes die Kanzel hinauf und sprach über die Notwendigkeit, das Brot mit anderen zu brechen, und zog einen Vergleich zur ehrenamtlichen Tätigkeit jedwelcher Art. „Dann wird die eigene Heilung vorangetrieben und schafft den Weg für eine strahlende Zukunft.“ Offensichtlich schwer fiel der Abschied ihrer Kollegin für Pfarrerin Julia Steller: „Leben ist das, was stattfindet, während man andere Pläne macht“, zitierte sie eine Redewendung. Sie müsse nun nicht nur auf eine gute Amtskollegin verzichten, sondern vermisse künftig auch eine gute Freundin.

Sie überreichte Nicoly Menezes zum Abschied die DVD „Der vierte König“. Darin

wird beschrieben, wie der vierte König den Anschluss zu der Karawane der Heiligen Drei Königen auf dem Weg nach Bethlehem verliert, weil er überall, wo er hinkomme, die Not der Menschen sieht und ihnen hilft. „Auch du bist da, wo du gebraucht wirst, und hilfst wo du kannst“, sagte Steller.

Bürgermeister Falk Sluyterman dankte der Pfarrerin im Namen der Stadt und überreichte ihr unter anderem einen Schirm der Stadt Schongau. Musikalisch umrahmt wurde der knapp zweistündige Gottesdienst vom Mädchenchor der Realschule, der mit einem bewegenden „Amazing Grace“ und einem fröhlichen „O Happy Days“ – ein besonderer Wunsch von Lydie Nicoly Menezes – das Gotteshaus füllte.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen hatten die Gemeindemitglieder dann die Möglichkeit, sich von Lydie Nicoly Menezes, ihrem Mann und den drei Kindern persönlich zu verabschieden. Auch dabei wurde deutlich, wie sehr die Menschen ihre Pfarrerin ins Herz geschlossen haben.

Myrjam C. Trunk

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