Portal beim Amtsgericht Weilheim
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Vor dem Amtsgericht wurde der Fall verhandelt.

Er soll einen 16-Jährigen bedroht und eine Neunjährige auf den Mund geküsst haben

Zahlreiche Delikte: 26-Jähriger muss in Haft

Wegen Körperverletzung und Nötigung wurde ein junger Mann (26) aus Schongau vor einem Jugendschutz-Schöffengericht am Amtsgericht Weilheim zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe gegen den vielfach vorbestraften Mann wurde nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt.

Schongau – „Es reicht! Jetzt gehen Sie ins Gefängnis“, sagte die Vorsitzende Jugendschutzrichterin Claudia von Hirschfeld nach ihrem Urteil. Der Angeklagte war kein unbeschriebenes Blatt.

Wegen neun verschiedener, meist einschlägiger Delikte saß er schon als Jugendlicher auf der Anklagebank. Eine zweijährige Jugendstrafe hat er abgesessen, diverse richterliche Maßnahmen erteilt bekommen. Seine Alkoholprobleme hat er nicht im Griff, sämtliche angeordneten Therapien hatte er innerhalb kurzer Zeit abgebrochen.

Bub die Fingerkuppe abgetrennt

Zur Verhandlung standen an diesem Tag drei Straftaten. Laut Anklage hatte er den Sohn seiner Lebensgefährtin, die er erst ein paar Monate kannte, im September 2019 verletzt. Der Bub war zu dem Zeitpunkt fünf Jahre alt. Nach einem Streit zwischen dem Jungen und ihm soll das Kind in sein Zimmer gegangen und die Tür zugeknallt haben.

Der Angeklagte soll daraufhin die Tür wieder geöffnet haben, um dem Jungen zu demonstrieren, wie man eine Tür „richtig“ zuschlägt. Der Junge stand zu dem Zeitpunkt im Türrahmen. Als die Tür mit Wucht zufiel, wurde dabei die Kuppe des Mittelfingers des Jungen abgetrennt.

Der Angeklagte redete um den Vorfall herum. Man habe Fangen gespielt, dabei sei es zu dem unbeabsichtigten Zwischenfall gekommen. Nach der Anhörung des Polizeibeamten, der den Jungen damals vernommen hatte, stellte sich die Sachlage jedoch so dar, wie es in der Anklageschrift stand.

Wegen ihm Zerwürfnis in der Familie

Angezeigt wegen dieses Vorfalls hatte ihn die Tante des kleinen Jungen. Sie bezeichnete diesen Vorfall als Auslöser. Denn ihre Tochter, zu dem Zeitpunkt neun Jahre alt, hatte ihr berichtet, dass der neue Freund ihrer Tante sie auf den Mund küssen würde. „Das war ihr unangenehm“, sagte die Mutter des Kindes aus.

Es gab deshalb sogar ein Zerwürfnis zwischen den beiden Schwestern, denn die Lebensgefährtin des Angeklagten stellte die Tochter ihrer Schwester als Lügnerin hin.

Der Angeklagte hatte einen Keil in die Familie getrieben, erzählte die Großmutter der Kinder. Die Schwestern hätten über ein Jahr keinen Kontakt mehr mit einander gehabt. Langsam würde man sich wieder annähern, wohl auch wegen des neugeborenen Kindes des Angeklagten und der Tochter und der bald anstehenden Heirat.

„Abstechen“ und „alle Zähne ausschlagen“

Und noch ein Anklagepunkt wurde verhandelt. Im Januar letzten Jahres bedrohte der Angeklagte einen Nachbarn (16) per Telefon so massiv, dass dieser noch in der Nacht zur Polizei ging und Anzeige erstattete. Er traute sich auch nicht mehr in seine Wohnung zurück, denn der Angeklagte hatte unter anderem gedroht, ihn „abzustechen“ und „alle Zähne auszuschlagen“ , wenn er ihn auf der Straße treffen würde. Diese Tat gab der Angeklagte zu, räumte aber ein, dass er zum Zeitpunkt schwer alkoholisiert gewesen sei.

„Immer, immer, immer wieder machen Sie das gleiche, wenn Sie getrunken haben“, sagte die Richterin. Aber eine Einsicht zur Behebung seiner Sucht bestehe nicht, so von Hirschfeld. Das würden die diversen Therapieabbrüche zeigen.

Von sofortiger Verhaftung verschont geblieben

Im Gegensatz zur Staatsanwältin, die den Tatvorwurf des sexuellen Übergriffs als erwiesen ansah und drei Jahre und neun Monate Gefängnis beantragte, wies das Gericht diesen Vorwurf zurück. Das Verhalten des Angeklagten zu dem Mädchen sei nicht in Ordnung, aber es sei nach außen hin kein erkennbares Sexualverhalten gewesen, so die Begründung. Das Mädchen hatte in der Zeugenvernehmung, die per Video im Gerichtssaal übertragen wurde, von kurzen Bussis auf den Mund gesprochen, die sie als ekelig empfunden hatte.

Auch von einer sofortigen Verhaftung schon im Gerichtssaal, wie es die Staatsanwältin wegen Fluchtgefahr und Verdunklung einer Straftat beantragt hatte, blieb der Angeklagte verschont. Die Verdunklung stand im Raum, da der Angeklagte tags zuvor zwei Zeuginnen, die Mutter seiner Lebensgefährtin und deren Schwester, durch dubiose Aussagen verunsichert hatte.

Da er sie aber nachweislich nicht zu einer Falschaussage bringen wollte, erließ das Gericht keinen sofortigen Haftbefehl. „Bitte geben Sie mir noch eine Chance“, hatte der Angeklagte unter Tränen bei seinem letzten Wort gebeten. Durch seinen neugeborenen Sohn hätte er endlich etwas, wofür er kämpfen könnte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Regina Wahl-Geiger

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