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Für die rot markierten sogenannten Vertiefungsbereiche erhofft sich die Stadt besondere Vorschläge aus dem Wettbewerb.

Stadtrat Schongau

Zu viel Aufwand für Stadtmauer-Umfeld?

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Die Stadt drückt beim Planungswettbewerb zum Stadtmauer-Umfeld auf die Tube: Nach der Bürgerbeteiligung vor drei Wochen wurde in der Stadtratssitzung am Dienstagabend bereits der Wettbewerb mit den namentlich genannten Preisrichtern auf den Weg gebracht. Doch Michael Eberle (CSU) warnte, zu viel Energie in dieses Thema zu investieren.

Schongau – Nur rund 20 Bürger waren Anfang April ins Ballenhaus gekommen, um Wünsche und Ideen für den Wettbewerb zu äußern. Auch wenn die Beiträge durchaus informativ und nützlich waren – Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) gab offen zu, vom mangelnden Zuspruch enttäuscht gewesen zu sein. Doch ist es auch ein Indikator, dass das Thema Stadtmauer-Umfeld kaum einen Schongauer interessiert?

Diesen Schluss zog am Dienstag zumindest CSU-Fraktionschef Michael Eberle. „Der mangelnde Besuch bei der Info-Veranstaltung ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Themas“, war Eberle überzeugt. Vielleicht sei das Stadtmauer-Umfeld im Gegensatz zur Stadtmauer selbst nicht so wichtig, wie man dachte. Die Planungskosten von 121 000 Euro machten Eberle nicht nervös, weil laut Stadtbaumeister Ulrich Knecht 80 Prozent dieser Kosten gefördert werden. „Aber nervös machen mich Folgekosten von möglichen Projekten an der Stadtmauer, und noch nervöser die Arbeitskraft im Bauamt, die durch den Wettbewerb gebunden wird.“ Das geplante Baugebiet Schongau-Nord sei wesentlich wichtiger als das Stadtmauer-Umfeld, „da würden zu einer Info-Veranstaltung bestimmt 100 Bürger kommen“.

Nach kurzen ratlosen Blicken zwischen Knecht und Sluyterman betonte der Stadtbaumeister, dass es den außergewöhnlich hohen Zuschuss für den Wettbewerb nur gebe, weil man das ganze Stadtmauer-Umfeld einbeziehe – man habe ursprünglich vor allem den Sonnengraben im Blick gehabt. „Diesen Teilaspekt können wir, zusammen mit dem drängenden Thema der Bepflanzung, aus den Ergebnissen des Wettbewerbs herausziehen“, sagte Knecht. Alles andere könne warten, was wegen der Finanzen und der zurecht angesprochenen Arbeitsbelastung im Bauamt auch sehr wahrscheinlich sei. Beim Baugebiet Schongau-Nord liege es vor allem an den komplizierten Verhandlungen mit den Grundstücksbesitzern, die die teure Verlegung der störenden 110-KV-Stromleitung in die Erde bezahlen müssen. Wann es da ein Ergebnis gebe, könne man nicht vorhersehen. Aber der Wettbewerb selbst mache kaum Arbeit, „da können wir die Füße jetzt erst einmal stillhalten“.

Mit seinen Befürchtungen stand Eberle weitgehend allein auf weiter Flur. Friedrich Zeller (SPD) betonte, wie positiv der Wettbewerb zum Schulzentrum gelaufen sei. „Und wir haben keine Verpflichtung, aus den Ergebnissen etwas umzusetzen“, betonte er. Bettina Buresch (ALS) erklärte den geringen Besuch bei der Info-Veranstaltung mit gleichzeitig stattfindenden Terminen, „außerdem will sich nicht jeder gerne öffentlich äußern“.

Für Ilona Böse (SPD) werden die Bereiche Naherholung und Tourismus immer wichtiger: „Da müssen wir der Stadtmauer den Stellenwert zubilligen, der ihr zusteht.“ Wobei man bereits jetzt ein wunderschönes Stadtmauer-Umfeld habe, betonte Peter Huber (SPD). „Nur wenige Bereiche sind nicht schön. Doch ausgerechnet die sind nicht für Verbesserungen vorgesehen, weil sie in privatem Besitz sind und wir nichts machen können.“ Deshalb sei der Aufwand für den Wettbewerb überzogen.

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Kommentare

Altstadtbewohner
(0)(0)

Was wir alleine an aussenstehenden Firmen für Analysen,Planungen ect zahlen geht doch auf keine Kuhhaut mehr.Sind die Angestellten im Rathaus so unfähig das man alles an Fremdfirmen vergeben muss?Und es kommen keine Bürger mehr zu solchen "Alibi,der Bürger darf mitbestimmen" Veranstaltungen,da der Bürger geschnallt hat das der BGM und die Voigt eh das machen was sie wollen.Und ohne diese Alibi Veranstaltung würde es auch keine Zuschüsse geben.Die wird nämlich zwingend vorgeschrieben.

Spaziergänger
(0)(0)

Über 120 000 Euro allein an Planungskosten. Auch wenn es erhebliche Zuschüsse gibt, letztlich zahlt alles der Steuerzahler. Da sollten wir uns nicht wundern, in Deutschland mit die höchste Steuerlast in Europa zu haben. Zudem gäbe es gerade in Schongau etliche Orte, wo man mit weniger Geld mehr für die Naherholung tun könnte. Etwa entlang dem Faulen Graben oder im Stadtwald, der langfristig vom heutigen Industrie-Fichtenforst zum parkartigen Naherholungsgebiet werden könnte.