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So geht´s auch, ohne dass Plastikmüll anfällt: Kesselfleisch direkt vom Schneidebrett in den Kochtopf des Kunden

Gedanken zum Tag der Umwelt am 5. Juni

Der einfache Weg, Plastikmüll zu vermeiden

Es sind Bilder, die nachdenklich machen, die erschüttern. Es sind Bilder, die Tiere in den Weltmeeren zeigen, die aufgrund von Plastikmüll qualvoll verenden. Dazu die einst so romantischen Strände, die durch Plastikteile in allen Variationen geradezu überquellen. Man schreit nach Abhilfe, zeigt Empörung, aber wie sieht die Realität aus?

Schongau – Am heutigen Dienstag ist Tag der Umwelt. Umweltschützer haben schon lange auf den katastrophalen Umstand der Verschmutzung der Weltmeere hingewiesen. Plastikmüll wird tausendfach in den Gewässern entsorgt. Jährlich landen nach Angaben der EU-Kommission 500 000 Tonnen Plastikmüll im Meer. Mit fatalen Folgen.

Nach groben Schätzungen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) kostet diese Verschmutzung der Ozeane rund 100 000 Meeressäugern das Leben. Und das in nur einem Jahr. Darüber hinaus rechnet man mit der unvorstellbaren Zahl von einer Million toten Meeresvögeln. Wie gesagt, alles in einem Jahr.

Wo man hinsieht: Plastikverpackungen. Obwohl der Weg zur Frischwursttheke kein Problem wäre

Geht man mit offenen Augen durch Geschäfte und Supermärkte, wird man von den Plastikverpackungen förmlich überschwemmt. Kleine Elektronikteile wie USB-Sticks werden in übergroßen Verpackungen angeboten. Natürlich aus Plastik. Auf die Frage, warum dies sein müsse, bekommt man als Antwort, dass ohne die Verpackungen viel zu viel gestohlen wird. „So ein kleiner Stick verschwindet in Windeseile in der Hand und dann in der Hosentasche“, sagt ein Verkäufer.

Ab in Richtung Supermarkt. Fein säuberlich sind die Wurstprodukte aufgereiht. In einer Verpackung aus Plastik befinden sich zehn Scheibchen Wurst. Zehn Scheiben Wurst sind mit 50 Gramm angegeben, die Verpackung allein wiegt 21 Gramm. Daneben die etwas größere Menge. 80 Gramm Wurst, die Verpackung schlägt mit 19 Gramm zu Buche. Alles Plastik, das nach dem Öffnen und Verzehr in der Mülltonne landet. Unvorstellbar, wenn man sieht, dass sich keine 15 Meter entfernt die groß angelegte Frischwurst- und Fleischtheke mit reichhaltigem Angebot befindet.

Apropos Frischetheke: Die gibt es auch in anderer Version für die Freunde frischen Salats. Salatbar auf neudeutsch. Man kann sich seine Kreation selbst zusammenstellen. Einfach zu der bereitgestellten Verpackung greifen und diese füllen. Deckel zu und ab zur Kasse. Fast vergessen. Die Box ist ebenfalls aus Plastik, genau 19 Gramm schwer. Nach dem Verzehr geht die Box in den Müll.

Dass es auch anders geht, zeigen uns mittlerweile die Händler auf den Wochenmärkten. In Schongau ist es für die Verkäuferin des Oliven- und Antipasti-Standes selbstverständlich, alle Produkte in mitgebrachte Schüsseln des Kunden zu füllen. Der Gärtner gegenüber wickelt schon seit Jahren seine Pflänzchen in Papier ein. Und für größere Mengen stellt er zum Abtransport nach Hause seine leeren Obstkisten zur Verfügung.

Auf dem Peitinger Bauernmarkt ist es schon lange Usus, das beliebte Kesselfleisch samt Kraut und Soße in mitgebrachte Töpfe oder Gefäße zu füllen. Frisch vom Kessel in den Topf. Danach über die Ladentheke direkt in die Hände der Kunden. Wie beliebt diese Art des Einkaufens ist, zeigt die lange Schlange der Wartenden vor der Verkaufshütte. So liebt es der Kunde, so wird’s gemacht.

Wird dieses System auch in Geschäften oder gar Einkaufsmärkten praktiziert? Da wird’s happig: Das Mittagessen an der Metzgertheke lacht einen an. Aber eben aus einer verschweißten Plastikverpackung. Auf die Frage, ob man das Essen nicht direkt in seinen mitgebrachten Behälter bekommen könnte, nur verständnisloses Kopfschütteln der Verkäuferin. Dann eben nicht.

Alles Plastikmüll: Während ein Teil verbrannt oder weiterverarbeitet wird, landet jede Menge im Meer.

Scheitern auch beim zweiten Versuch an anderer Stelle: Als Begründung bekommt man zu hören, dass keine Töpfe oder Schüsseln über die Theke gereicht werden dürfen. Hygieneverordnung aus Richtung EU-Kommission. EU-Kommission, ach ja, das sind doch die, die festgestellt haben, dass in den Weltmeeren jährlich 500 000 Tonnen Plastikmüll landen.

Vor einem Jahr der Entschluss, einen Selbsttest zu starten. Jeden Dienstag bietet ein Markt frisch gegrillte Hähnchen an. Eingewickelt in ein Stück Alufolie von zirka 45 Zentimetern Länge, danach noch in eine Plastiktüte verpackt. Damit kein Saft entweichen kann. Mit diesem Hähnchen geht’s nach Hause. Dort kommt es auf den Teller, Alufolie und Tüte in den Müll.

Meine Chance des Tests: Ich kann den Metzgermeister überzeugen, mir meine Hähnchenhälfte in eine Tupperschüssel zu packen und diese mir seitlich an der Theke vorbei zu reichen. Wegen der Hygiene und so. Genau ein Jahr lang. Problemlos, ganz nach Kundenwunsch.

Nach einem Jahr meine Rechnung. 32 halbe Hähnchen verspeist. Da wären 14,4 Meter Alufolie und 32 Plastiktüten angefallen. Rechnet man darüber hinaus für ein Jahr alle am Dienstag eingewickelten Hähnchen dieses Marktes zusammen, käme man auf über einen Kilometer Alufolie und 2400 Plastiktüten. Alleine nur für die Hähnchen. Wenn dann auch noch bei einer Einweihungsfeier an anderer Stelle den Gästen das Begrüßungsschnäpschen in Plastikbechern gereicht wird, die danach sofort in der Mülltüte landen, dann reicht’s wirklich.

Übrigens: Am heutigen Dienstag, 5. Juni, ist Tag der Umwelt. Mitmachen beim Kampf gegen den Plastikwahn lohnt sich.

Hans-Helmut Herold

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