„Es ist Druck im Kessel, das nehmen wir wahr“, beschwichtigte Bürgermeister Falk Sluyterman vor der Stadtratssitzung. Viele Mitglieder und Freunde der EA Schongau waren gekommen, um die Entscheidung zu verfolgen.
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„Es ist Druck im Kessel, das nehmen wir wahr“, beschwichtigte Bürgermeister Falk Sluyterman vor der Stadtratssitzung. Viele Mitglieder und Freunde der EA Schongau waren gekommen, um die Entscheidung zu verfolgen.

Zuschuss ja, aber Stadionplanung zieht sich

Schongau in Sachen Eisstadion nicht weiter

  • Elke Robert
    VonElke Robert
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Es ging vergangene Woche um viel Geld für die Schongauer Eislaufabteilung. Und um eine Weichenstellung für die Zukunft. Am Ende stand mit der Kostenübernahme ein klares Bekenntnis der Stadt dafür, wie wichtig dieser Sport für Schongau ist. In Sachen Eisstadion ist man allerdings keinen Millimeter weiter gekommen.

Schongau – Weil sich schon abzeichnete, dass die wegen Corona begrenzten Besucherplätze im Jakob-Pfeiffer-Haus in Schongau wohl nicht ausreichen würden, richtete Bürgermeister Falk Sluyterman das Wort bereits vor der Stadtratssitzung an die EA Schongau: „Es ist Druck im Kessel, das nehmen wir wahr“, so der Bürgermeister. Man wolle gerne, dass der Zuschussantrag durchgehe. „Ihre Präsenz ist nicht unbedingt notwendig.“

Das lange Warten, bis nach zwei Stunden endlich der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, hatte sich dann aber gelohnt – was die Zuschüsse anbelangt. Der Stadtrat entschied einstimmig, das Betriebskostendefizit von 43 000 Euro zu übernehmen. Gegen eine Stimme (Martin Schwarz, SPD) wird das EAS-Minus von 89 000 Euro gegenüber dem Hauptverein ausgeglichen.

TSV-Antrag basiert auf anderem Sachstand

„Der TSV Schongau ist mit der finanziellen Unterstützung des Stadionbetriebs an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angekommen“, hatte es TSV-Vorsitzender Ralf Konstantin im Mai in seinem Antrag formuliert. Außerdem hatte Konstantin damals beantragt, dass die Stadt die Kosten für die Entwurfsplanung des Stadiondachs für rund 15 000 Euro wie auch die Entwurfsplanung für den Neubau des Umkleide- und Technikgebäudes für rund 90 000 Euro übernehmen solle. In vielen Gesprächen hatte Konstantin vorab die Stadt und die einzelnen Fraktionen über den aktuellen Sachstand informiert (wir berichteten ausführlich).

So konkret, wie von den Eishockeyfreunden gewünscht, wurden diese Beschlüsse nicht gefasst, und Stadtbaumeister Sebastian Dietrich erläuterte auch, warum. Der TSV-Antrag basiert noch auf einem anderen Sachstand. Damals war man davon ausgegangen, dass man eine – deutlich niedrigere – Förderung vom Landessportverband (BLSV) erhalten kann. Wie berichtet, war die Stadt dann wohl eher zufällig in den „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“ (IPS) gerutscht: Als eine andere Kommune zurückzog, hatte man in Schongau spontan reagiert und tatsächlich die Zusage für die frei gewordene Fördersumme über 960 000 Euro erhalten.

Förderung und Planungssicherheit im Blick

Ob dafür die bisherigen Vorarbeiten ausreichen und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, ist offenbar nach wie vor nicht geklärt. „Wir müssen das prüfen, um nicht den Verlust der Förderung zu riskieren und um Planungssicherheit für den TSV zu schaffen“, so Dietrich.

Michael Eberle (CSU) erinnerte daran, dass man dank der vielen Ehrenamtlichen in Schongau sehr günstig fahre und bedankte sich nochmals ausdrücklich für dieses Engagement. „Es gibt einen Investitionsstau – die 960 000 Euro sind ein Geschenk des Himmels, das müssen wir abgreifen.“ Er stellte den Antrag, bis zur Septembersitzung zu klären, ob die bisherigen Planungen ausreichen, den neuen Förderantrag zu stellen. „Wenn uns die Ehrenamtlichen von Bord gehen, sind wir bei ganz anderen Summen“, befürchtete der CSU-Stadtrat.

Aus Eisstadion Multifunktionshalle machen

Auch Mona Maucher (UWV) setzte sich mit eindringlichen Worten für die EA Schongau ein: „Wir müssen alles dafür tun, dass wir mit einem vernünftigen, zukunftsorientierten Konzept das Eisstadion erhalten.“ Dietrich wollte sich aber nicht auf einen Zeitrahmen festlegen lassen. Es gehe um Schallschutz genauso wie um eine energetische Sanierung – „es ist eine komplexe Thematik“.

Gregor Schuppe (ALS) dankte ebenfalls den Ehrenamtlichen, kritisierte aber die derzeitige Planung. „Wir können nicht ernsthaft mit einem halboffenen Stadiondach in die Zukunft planen und im September bei 25 Grad Eis machen.“ Außerdem müsse das Eisstadion stärker ausgenutzt werden, auch im Sommer. „Eine Multifunktionshalle – so was braucht Schongau“, so Schuppe. Auch könne er dieser freiwilligen Leistung nicht zustimmen, bevor eine Sanierung der Mittelschule nicht in Angriff genommen worden sei. Letztlich sei es eben kein Geschenk des Himmels, wie Eberle es ausgedrückt habe, „sondern das Geld des deutschen Steuerzahlers“.

Mit 10:12 Stimmen wurde die Forderung, die Verwaltung solle in der Septembersitzung über den aktuellen Sachstand berichten, abgelehnt. Der weitere Beschluss fiel mit nur zwei Gegenstimmen: Sobald die IPS-Förderung bewilligt ist, wird diese weitergereicht an den TSV – inklusive dem städtischen Eigenanteil von zehn Prozent zur Deckung der Planungskosten. „Ein deutliches Signal der Stadt an den TSV“, wie Dietrich kommentierte. Ein Ortstermin mit Vertretern der Städtebauförderung am Eisstadion habe bereits zwei Tage nach der Sitzung stattgefunden.

EA Schongau: „Das Ehrenamt braucht eine Perspektive“

„Wir müssen langfristig planen können.“ Der Sprecher der EA Schongau, Gerhard Siegl, formulierte es vor der jüngsten Stadtratssitzung ganz deutlich. Dutzende Mitglieder der Eislaufabteilung, nicht nur aus der Vorstandschaft, sondern auch aus der Jugend, waren zum Jakob-Pfeiffer-Haus gekommen. Sie wollten nicht nur wissen, wie der Stadtrat entscheidet über den beantragten Defizitausgleich der Betriebskosten und die Übernahme der Verbindlichkeiten, die sich gegenüber dem TSV Schongau angehäuft haben.

„Das Licht im Stadion ausmachen und zusperren“

Die Mitglieder wollten auch demonstrieren, dass sie mit der Situation mehr als unzufrieden sind. Vor zwei Monaten kam die Nachricht: Es gibt einen großzügigen Sanierungszuschuss für das marode Eisstadion. „Ein Bürgermeister, der eine Million Euro bekommt, rennt durch die ganze Stadt und freut sich“, so Siegl. Diese Reaktion habe es aber nicht gegeben. „In Schongau ist es eher wie ein ,Auweh, jetzt haben wir Geld und müssen etwas tun’ – das ist schon etwas schwach.“ Sein Appell: „Das Ehrenamt braucht eine Perspektive.“ TSV-Vorsitzender Ralf Konstantin hatte jüngst bereits in der Jahresversammlung wiederholt, wenn die Stadt sich finanziell nicht engagiere, wolle man „das Licht im Stadion ausmachen und zusperren“.

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