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Das begeisternde Schongauer Sait ensprung-Quintett: Von links Dorothea Lang (Cello), Sabine Braun (Klavier), Anna Perwein (Gesang), Astrid Helbig (Violine) und Andrea Amann (Querflöte/Akkordeon). 

Zwei ausverkaufte Vorstellungen im Ballenhaussaal

Begeisternder Saitensprung in Schongaus guter Stube

Wer Erna Schmitt noch nicht kannte – und das waren alle Zuhörer bei den zwei Abenden im jeweils ausverkauften Schongauer Ballenhaus – war nach rund zwei Stunden vollkommen begeistert von ihr und ihren vier Mitstreiterinnen. Durch viele Höhen und Tiefen des Lebens durfte man Erna mit den Andreas Sisters begleiten, mit ihnen lachen und weinen, tanzen und musizieren.

Schongau – Ein höchst vergnügliches Musiktheater präsentierte an zwei Abendes das fünfköpfige Schongauer Damenensemble Saitensprung. Nach drei Jahren Pause stand das Quintett, dessen Ensemblenamen nahezu schreit nach einigen Wortspielereien, aber ohne irgendwelche gerissenen Saitenpannen durch das Programm rauschte, wieder auf der Bühne und sang und musizierte wie gewohnt hervorragend.

Die Frauen webten regelrecht das Musikalische in eine Geschichte ein, die auch das schauspielerische Talent der Frauen zeigte. So erlebte man Saitensprung mit Anna Perwein, geborene Helbig (Gesang), Dorothea Lang (Cello), Sabine Braun (Klavier), Andrea Amann (Querflöte, Akkordeon) und Astrid Helbig (Violine) mit einem bunten Reigen an bekannten Musikwerken, der das turbulente Leben von Erna Schmitt (Anna Perwein) erzählte.

Zum Inhalt: Wie schlimm ist doch Ernas Liebeskummer um Egon, den sie zunächst in reichlich Alkohol ertränkt. Köstlich interpretierte Perwein hier die schwer angesäuselte Erna, die auch noch um die Hüften herum so stark zugenommen hat, da der Alkohol nun mal ansetzt. Kugelrund torkelt sie über die Bühne, ein Glas Rum in der Hand, mit undeutlicher Aussprache singend.

Da holt man sich doch schnell Rat von Tante Paula, die seit Tagen nur noch Tomaten isst und dabei schlank und rank wird. Denn eins ist jeder der fünf Frauen nach Ernas Gewichtszulage sicher: „Ich will keine Schokolade, sondern lieber einen Mann“, und passend dazu warfen die Akteure kleine Süßigkeiten in den Saal. Herrlich!

Erna versucht also, wieder Fuß zu fassen in ihrem Leben. Wunderschön sang Perwein dazu das bekannte Lied „Ach, ich hab in meinem Herzen“. Erna krempelt ihr Leben um. Sie macht einen Tanzkurs „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“, und hat wieder Träume, wie damals Hilde Knef: „Für mich, soll‘s rote Rosen regnen“.

Und so tritt sie als Sängerin den herrlich-schrägen Andreas Sisters bei, die mit schrill-bunten Kleidern und Sonnenbrillen behaftet auf Kreuzfahrtschiffen die Titelmelodie „Godfather“ aus dem gleichnamigen Film röhren und Erna dann gnädig in ihrer Truppe aufnehmen. Natürlich wird das so gesanglich bereicherte Ensemble von einem Musikkritiker mit dem passenden Namen Monsieur Musique, entdeckt und auf Tournee geschickt.

Die Frauen entledigen sich dabei ihrer bunten Kleider und landen – nun im feinen Schwarzen gewandet – in Paris („La vie en rose“) und natürlich auch in Amerika („There‘s no business“).

Und – man hatte es schon erwartet – Erna verliebt sich in den Mann und schlüpft in die Rolle von Marlene Dietrich zu dem Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“. Aber Erna erkennt auch gerade noch rechtzeitig, bevor ihr Herz noch einmal bricht, dass Monsieur Musique nicht so treu ist, wie er sein sollte („Bel ami“).

Diesmal ist Erna jedoch anders gestrickt als zuvor: Sie ist selbstbewusst geworden, weiß, dass sie singen kann, was sie wert ist: „Ich habe auch sowas wie eine Ehre“, verkündet Erna zum Schluss, als sie von dem Mann versetzt wird und stundenlang im Café auf ihn wartet. Ganz stolz steht Erna dann auf der Bühne: „Es gibt auch noch andere“, singt sie lauthals heraus. Wunderbar Erna, Bravo Saitensprung für diese tolle Darbietung.

Regina Wahl-Geiger

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