Geburtshilfe Schongau

So läuft die Geburtshilfe-Rettung

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Weilheim-Schongau –  Das Belegarzt-System der Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus soll kommendes Jahr zu einer Hauptabteilung umstrukturiert werden. Damit könnten beide Klinik-Standorte im Landkreis, Schongau und Weilheim, ihre Geburtshilfe entgegen dem landesweiten Schließungs-Trend am Leben erhalten.

Sie wirkt besonnen, bescheiden und trotzdem selbstsicher. Ein Ruhepol in der hektischen Krankenhaus-Landschaft. Als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, erklärt Dr. Solveig Groß in ihrem kleinen Büro im Weilheimer Krankenhaus, dass die Geburtshilfe in Schongau natürlich erhalten, die Abteilung in der Lechstadt zu einer Hauptabteilung umgestaltet würde.

Dr. Solveig Groß hat Pläne zur Rettung der Geburtshilfe in Schongau.

Für Hebammen, Schwestern und Mütter, nicht zuletzt für die ganze Region ist das eine frohe Weihnachtskunde. Hatte man doch seit Jahren um den Erhalt der Geburtshilfe bangen müssen. Das altersbedingte Ausscheiden des Schongauer Gynäkologen Dr. Gerhard Schmidberger hing seit Monaten wie ein Damokles-Schwert über den Kreißsälen. Eine personelle Lücke, an deren Füllung die Krankenhaus GmbH seit geraumer Zeit gescheitert war.

Kaum ein Frauenarzt will heute in der finanziell unattraktiven Geburtshilfe Beleg-Dienste übernehmen. Der Trend geht zu großen Geburtsfabriken. Jeden Tag schließt eine weitere kleine Geburtshilfe in Deutschland – zuletzt hatte es vor kurzem Bad Tölz erwischt.

Landkreis trotzt dem Schließungs-Trend

Der Landkreis trotzt damit einem traurigen Trend. „Die Landrätin hängt sich da auch voll rein, das ist echte Arbeit für die Bevölkerung“, betont Groß, wie das kleine Weihnachts-Wunder überhaupt möglich ist. Es geht um Geld, das der Landkreis weiter bereit ist zu berappen, dass auch im Westen Babys vor Ort entbunden werden können.

Und es geht um die personellen Ressourcen, die Dr. Solveig Groß aufgetrieben hat, um das Hauptabteilungs-Modell überhaupt in die Tat umsetzen zu können. Wie das geht, wo doch Krankenhaus-Manager Thomas Lippmann monatelang händeringend willige Gynäkologen aufzutreiben versucht hatte? „Ich bin seit 27 Jahren in der Region, ich habe meine Netzwerke“, sagt Groß. Und erklärt, wie die Geburtshilfe Schongau künftig strukturiert sein soll.

Als Chefärztin für die Hauptabteilung wird Groß in beiden Kliniken fungieren – ein Konzept, wie es sich bereits in der Chirurgie (Dr. Thomas Löffler) und in der Gefäßchirurgie (Dr. Peter Baumann) der Krankenhaus GmbH etabliert hat.

Belegärzte sollen Oberärzte werden

Die beiden Belegärzte, die nach dem Ausscheiden Dr. Gerhard Schmidbergers zur Jahresmitte das System so nicht mehr aufrecht erhalten könnten, sollen in die Hauptabteilung integriert werden. Die beiden niedergelassenen Frauenärzte Jürgen Karbach und Marlene Schweyer sollen mit im Boot bleiben. Das ist Groß wichtig. „Wir gehen ganz nah in Absprache mit den beiden Schongauer Kollegen vor – Schritt für Schritt.“ Geht es nach Groß, sollen beiden als Oberärzte fungieren und parallel ihre Praxis weiter betreiben. So ist es seit kurzem möglich. Groß selbst arbeitet in solch einem Doppel-Modell als Chefärztin bei der Krankenhaus GmbH und Gynäkologin in der eigenen Praxis.

Des Weiteren sollen fünf Assistenzärzte angestellt werden. Hier ist Groß bereits in Verhandlungen mit möglichen Kandidaten. Für die Übergangszeit in der zweiten Jahreshälfte sollen die Lücken „mit Honorarärzten aufgefüllt“ werden.

So wird es derzeit übrigens auch in der Geburtshilfe in Weilheim praktiziert, wo sich Dr. Stephan Rutke und Dr. Christin Jablonka aus dem Dienstplan verabschiedet haben und sich jetzt wieder ganz ihrer gemeinsamen Praxis widmen. „Die Dienstbelastung der letzten Jahre“ hätte sich laut Groß deutlich bemerkbar gemacht. Übrigens: Sind beide Hauptabteilungen ausgebaut, sollen die Standorte Weilheim und Schongau nicht nur inhaltlich noch deutlicher verschmelzen. Auch ein gemeinsamer Name soll dann für eine „moderne, frauenorientierte und selbstbestimmte“ Medizin im Sinne der Frau stehen: „Frauenklinik Weilheim-Schongau“. Ein Konzept, ein Name – beides steht und fällt mit der Unterstützung der Frauen aus dem Landkreis, sich für eine Entbindung, bzw. Behandlung in „ihrer“ Klinik vor Ort zu entscheiden.

Rubriklistenbild: © dpa

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