Falsch eingruppiert

Stadt-Mitarbeiter erkämpfen mehr Gehalt

Schongau - Die Stadt Schongau hat gleich mehrere Mitarbeiter, die sich nicht angemessen bezahlt fühlten, höher eingestuft – allerdings nicht freiwillig, sondern erst nach einem Gutachten. Ein ungewöhnlicher Vorgang, so der Bayerische Gemeindetag.

Bei Personalfragen im Rathaus hört der Stadtrat immer ganz genau hin. Vor allem die UWV hat in der Vergangenheit immer wieder die Ausgaben-Steigerungen bei den Personalkosten kritisiert, die Stadt hat sich verteidigt und konnte das stets gut begründen. So ist auch unstrittig, dass für das Mega-Bauprojekt Grundschule ein zusätzlicher Mitarbeiter im Bauamt benötigt wird, der vorerst befristet für zwei Jahre eingestellt werden soll.

Gemeindetag hält Vorgang für „ungewöhnlich“

Doch die Höhergruppierungen waren so nicht geplant. Offenbar haben die Mitarbeiter – es handelt sich ausnahmslos um Frauen – zum Teil schon seit Jahren bemängelt, dass sie für die Tätigkeit, die sie leisten, zu schlecht bezahlt werden und eine höhere Entgeltgruppe verdient hätten. „In der Privatwirtschaft ist es einfacher, die Initiative für eine Gehaltserhöhung zu ergreifen“, weiß Wilfried Schober, Pressesprecher beim Bayerischen Gemeindetag. „Im öffentlichen Dienst ist das oft etwas zäh.“ Denn dort stehe nicht die Person im Vordergrund, sondern der Posten, für den gewisse Kriterien und Ansprüche gelten. Allerdings könne die Stadt einen Mitarbeiter sehr wohl auch selbst höher einstufen, wenn klar sei, dass zusätzliche Aufgaben dazugekommen seien oder die Anforderungen nicht mehr passen.

Nur eine der vier Mitarbeiterinnen war korrekt eingestuft

Bei der Stadt war man offenbar nicht der Meinung, dass die insgesamt vier Angestellten mehr Geld verdienen. Deshalb beantragten sie ein Gutachten durch den Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband, eine unabhängige Kontrollinstanz. „Das kommt nicht so oft vor“, räumt Stadt-Mitarbeiter Reinhold Jaser ein. „Ungewöhnlich“, ist auch das Urteil von Schober vom Gemeindetag. Normalerweise erkenne ein Rathauschef, was seine Angestellten leisten und ob sie dafür adäquat eingestuft sind.

Bei der Stadt Schongau war das nicht der Fall. Nur eine der vier Mitarbeiterinnen war korrekt eingestuft, die anderen drei mussten aufgewertet werden – zwei von der Entgeltgruppe 6 in 8, eine von 10 in 11. „Die Beschäftigten haben einen Rechtsanspruch auf die richtige Eingruppierung“, so Jaser.

Die Entscheidung, den Stellenplan zu ändern, traf kürzlich der Stadtrat und hat den Mitarbeiterinnen damit die längst verdiente Gehaltserhöhung verschafft.

Boris Forstner

Rubriklistenbild: © dpa

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