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Die Pizzeria an der Bahnhofstraße will ihre Terrasse mit einer großen Markise komplett überdachen. Das war der Stadt zu viel – der Eigentümer muss sich etwas zurücknehmen.

Bauausschuss

Schongau: Streit über Pizzeria-Markise

Wie auf dem orientalischen Basar ging es am Dienstag im Schongauer Bauausschuss zu, als über eine große Markise für eine Pizzeria an der Bahnhofstraße diskutiert wurde. Letztlich wurde sie genehmigt – aber anders, als der Antragsteller und die Bauverwaltung wollten.

Schongau – Gut angelaufen ist das Geschäft der Pizzeria seit der Eröffnung vor vier Jahren. Auch im Freien auf der erhöhten großen Terrasse können Gäste gut speisen – allerdings brennt dort im Sommer die Sonne herunter. Statt der großen Schirme, die derzeit Schatten spenden, will der Besitzer eine 15 mal 12 Meter große Markise installieren, sagte der städtische Bauamtsmitarbeiter Michael Wölfle im Bauausschuss. „Die Höhe wäre in der Mitte 3,65 Meter, am Rand 2,6 Meter“, so Wölfle. Wegen der erhöhten Terrasse würde die Konstruktion von der Bahnhofstraße aus gemessen satte 5,15 Meter betragen – zu viel und zu groß für die Bauverwaltung, die aus ihrer Ablehnung keinen Hehl machte. „Auch wenn die Markise im Winter und bei schlechtem Wetter eingefahren wird, bleiben die nötigen neun Stahlpfosten stehen“, so Wölfle. Man habe sich das angeschaut, mit dem Eigentümer gesprochen und klargemacht; „so kann man das gestalterisch nicht machen. Wir wollen das Bahnhofsumfeld aufwerten und es nicht schlechter machen.“

Als Kompromiss habe man vorgeschlagen, zur Straße etwas Markisenfläche wegzunehmen, um parallel zur Hauswand abzuschließen, und die Terrasse statt auf zwölf nur mit sechs Metern zu überspannen, sagte Wölfle.

Was macht ein Geschäftsmann, wenn ihm etwas nicht passt? Er redet mit dem Chef. „Der Antragsteller hat sich an Herrn Sluyterman gewandt“, berichtete Wölfle, der ebenso wie der Rathauschef zugab, in dieser Frage uneins zu sein. „Nach einem einstündigen Gespräch mit dem Eigentümer haben wir einen Kompromiss gefunden. Denn die Vorstellungen des Bauamts waren mir zu eng.“ Er sei froh, dass es die Pizzeria dort gebe. Deshalb müsse man dem Betrieb entgegenkommen, damit er im Sommer eine vernünftige Außengastronomie anbieten könne. Der Kompromiss sah nicht die geforderte volle Markisengröße, aber einen größeren Teil bis fast an den kleinen Weg Richtung Altstadt vor.

Das Problem: Der eingereichte Bauplan sieht weiter die Maximallösung vor. Während Friedrich Zeller (SPD) damit kein Problem hatte und, mit Ausnahme des kleinen Stücks Richtung Bahnhofstraße, die volle Größe genehmigen würde, sagte Paul Huber (CSU): „Uns liegt ein Bauantrag vor, den keiner haben will. Den müssen wir ablehnen, bis ein anderer Vorschlag da ist.“ Auch Siegfried Müller (ALS) war dieser Ansicht: „Was sollen wir noch alles genehmigen ohne passende Unterlagen?“

Das sahen Zeller („Man kann doch unter Vorbehalt zustimmen“) und Sluyterman („Die Sommersaison geht los, wir wollen das voranbringen“) anders. Wölfle stichelte ebenfalls noch einmal rein und meinte, von der Stadtmauer aus schaue man künftig auf eine Riesen-Plane. „Wenn man die Markise zurücknimmt, kann man sie mit Schirmen auflockern.“ Auch Michael Eberle (CSU) war verstimmt: „Man kann nach einem Kompromiss-Gespräch nicht den Maximalplan einreichen und hoffen, damit durchzukommen.“ Ins selbe Horn stieß Stephan Hild (UWV).

Letztlich wurde doch abgestimmt. Die vom Eigentümer gewünschte Maximallösung fiel komplett durch, die von Zeller erwogene geringe Rücknahme bekam auch nur drei von neun Stimmen, sodass letztlich der Kompromiss-Vorschlag von Sluyterman mit 6:3 Stimmen genehmigt wurde. Falls der Antragsteller das auch will.

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