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Wie kommt der signierte Schein aus dem Geldbeutel des Zuschauers in die Zitrone? Das wissen nur Thommy Ten (r.) und Amélie van Tass

Schongau verzaubert

Unerklärliches Magie-Spektakel

Schongau - Tricks, Illusion und Magie, damit verzaubern Amélie van Tass und Thommy Ten ihr Publikum. Nach einer langen USA-Tournee standen die beiden nun in Schongau auf der Bühne gewährten einen Einblick in ihr neues Programm.

Eine Frau sitzt auf der Bühne, ihre Augen sind verbunden, und mit ihrer Hand vollführt sie Bewegungen, als würde sie etwas ertasten. Was sie „ertastet“, hält ein junger Mann im schwarzen Anzug in seiner Hand, viele Meter entfernt im Publikum. Gerade eben war es ein Parfüm, jetzt ist es eine Kreditkarte, und die Dame mit den verbundenen Augen nennt nicht nur das Ablaufdatum, sondern auch den Namen, der auf der Karte steht. Applaus brandet auf. Dass sie dazu noch weiß, dass elf Zigaretten in der rot-weißen Packung stecken, verblüfft noch mehr. Vor allem, weil sich der Besitzer erst verzählt hat.

Clairvoyant heißt es im Englischen, Hellseher. Clairvoyants nennen sich Amélie van Tass und Thommy Ten, gerne auch Mentalmagier. Denn was die beiden gebürtigen Österreicher auf der Bühne vollführen, ist tatsächlich eine Verzauberung der Sinne, vor allem der Wahrnehmung. Wenn aus einem zweidimensionalen Kreis auf einem Malblock per Magie plötzlich eine kiloschwere Bowlingkugel wird, die zu Boden fällt, dann muss sich das Publikum doch getäuscht haben. Vor allem, wenn der Kreis dann auf dem Blatt fehlt.

So geht es anderthalb Stunden

Das, was man glaubt, ist auf einmal etwas anderes. Oder Verblüffendes, oder nicht zu Erklärendes. Thommy Ten etwa verteilt kleine Bonbons im Publikum und Amélie erschmeckt, mit dem Rücken zu den Besuchern, erschmeckt, welche Farbe und Geschmacksrichtung gerade auf der Zunge des Zuschauers zergeht.

Gerade erst lief im Kino der zweite Teil des Films „Die Unfassbaren“, in dem die Hauptakteure zwei Stunden lang ihr Publikum mit Tricks und Illusionen verblüffen, die alle mehr oder weniger erklärt werden. Und die im Film natürlich immer möglich sind. Doch hier, auf der Bühne im Pfeiffer-Haus, gibt es keinen doppelten Boden und keine Vorhänge. Alles ist live, das Publikum sieht zu jeder Zeit, was sich auf der Bühne abspielt. Wie etwa der 100-Euro-Schein, der, signiert von seinem Besitzer Christian, auf wundersame Weise aus dem Beutel verschwindet und dann in einer Zitrone wieder auftaucht. Nur Thommy Ten weiß, wie das geht.

Sie haben ihre eigene Show in Las Vegas, der Metropole der Illusion und des schönen Scheins. Und um klarzustellen, was die beiden können, sollte man ihre Auszeichnungen nicht unterschlagen: Thommy Ten wurde mit 13 Jahren schon Österreichischer Meister der Juniorenmagie, Amélie ist die einzige amtierende Weltmeisterin der Zauberkunst. Gemeinsam holten die zwei auch diverse Preise ihrer Zunft, etwa im vergangenen Jahr bei den 26. Weltmeisterschaften der Zauberkunst in Rimini, wo die beiden Weltmeister der Mentalmagie wurden. Kein Wunder bei solchen Darbietungen, wo Zuschauer per Gedankenübertragung Berührungen mit einer Feder spüren. Wobei sich Thommy Ten nur als Übertragungsmedium zur Verfügung stellt.

Die Grenzen sind fließend

Nicht nur hier verschwimmen die Grenzen zwischen Verblüffung und Illusion, zumindest, wenn man davon ausgeht, dass die Akteure wirklich zufällig ausgewählt wurden und nicht vor der Show gecastet wurde. Dann nämlich verzaubern Thommy und Amélie tatsächlich und der Trick wird zur Nebensache. Zu wissen, wie sie das mit der Vorhersage der „Lottozahlen“ gemacht haben, wäre aber schon schön. Oder wie sie vorhersehen konnten, dass jemand tatsächlich den Axolotl als Haustier nennen würde. Aber das gehört zur Show dazu, zu einer guten allemal: man sieht und staunt und freut sich über die Illusion. Weshalb das Publikum die Show auch mit stehendem Applaus belohnte.

Oliver Sommer

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