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„Wir schauen auch nachts in die Heime“

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Schongau - Die staatliche Heimaufsicht im Landkreis betreut mit vier Teilzeit-Mitarbeitern insgesamt 13 Pflegeheime und 35 Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, wobei letztere oft nur aus Wohngruppen für fünf Menschen bestehen. Wir sprachen mit Christel Pilz (59), die seit 18 Jahren den Fachbereich leitet.

- Frau Pilz, vier Teilzeit-Kräfte für fast 50 Einrichtungen – klappt es da, jedes Jahr eine Kontrolle durchzuführen?

Christel Pliz: Ja, im Moment klappt es, in jede Pflege-Einrichtung einmal pro Jahr unangemeldet zu kommen. Natürlich haben wir auch noch den Anspruch an uns, jede Einrichtung einmal im Jahr zu beraten, aber das schaffen wir noch nicht ganz.

-Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) kommt auch zu Kontrollen. Die Pflegeheime klagen oft über schlechte Abstimmung. Klappt es, dass sie dort gemeinsam auftauchen?

Pilz: Der MDK ist immer mit drei, vier Leuten präsent. Da macht es keinen Sinn, wenn wir auch noch mitkontrollieren. Aber wir haben vergangenes Jahr 17 MDK-Prüfungen begleitet und waren immer beim Abschlussgespräch dabei. Das heißt, wir hören dasselbe wie die Einrichtungen – was wichtig ist, damit wir bei unserer nächsten Kontrolle nicht in die entgegengesetzte Richtung gehen und die Heime völlig konfus machen. Die Zusammenarbeit ist gut, der MDK teilt uns seine Termine immer mit. Wenn wir denken, da gibt es Probleme, kann es aber sein, dass wir alle dort aufschlagen.

-Wie bekommen Sie Probleme mit?

Pilz: Wenn zum Beispiel eine Beschwerde kommt.

- Wie viele Beschwerden gab es 2015?

Pilz: Wir hatten 16 Beschwerden, jeder wird nachgegangen. Dann kann es auch sein, dass wir mehr als einmal in einer Einrichtung sind. Wir kommen übrigens immer unangemeldet und begleitet von einer Pflegefachkraft.

-Wie viele Beschwerden waren berechtigt?

Pilz:Jede ist berechtigt. Wir können nicht allem abhelfen, wenn zum Beispiel die Höhe der Heimkosten kritisiert wird. Aber jeder hat das Recht, sich bei uns zu melden und zu sagen: Das läuft nicht richtig hier. In der Regel gelingt es uns, dass die beteiligten Parteien wieder auf eine gemeinsame Basis kommen. Es kommt aber auch vor, dass man nicht mehr zusammenkommt. Dann muss man sagen: Das Heim bietet euch an, dass für den Angehörigen auf den Tag genau ein neuer Platz gefunden wird, ohne Mehrkosten.

- Kommt so etwas öfter vor?

Pilz: Es passiert durchaus. Da wurde im Vorfeld vielleicht mehr auf Kosten und Ortsnähe geschaut als auf das Umfeld. Man muss sich manchmal auf das Bauchgefühl verlassen, wenn man einen Heimplatz sucht.

- Gab es auch Beschwerden im Pflegebereich?

Pilz: Ja, natürlich. Es können immer Fehler passieren. Wenn wir so etwas in den Heimen ansprechen, wird auch sofort darauf eingegangen und versucht, nachzubessern und die Situation zu verbessern.

- Sie werden also nicht wie früher als die bösen Kontrolleure gesehen.

Pilz: Nein, gar nicht. Wir erleben sehr große Offenheit auch im Hinblick auf eigene Fehler. Oft ist es explizit gewünscht, dass jemand von außen draufschaut. Da hat sich die Kultur in den Heimen geändert.

-Sind in einem Heim massivere Probleme aufgetreten?

Pilz: Nein. Wir hatten ein Problem, aber das haben wir angeschaut, das Heim hat sich Unterstützung geholt, das bekamen die schnell in den Griff.

-Das Schongauer Heiliggeistspital-Heim hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme mit krankem Führungspersonal, was sich letztlich auch auf die Pflege ausgewirkt hat. Wie schaut es dort aus?

Pilz: Die Führungspositionen sind inzwischen neu besetzt, die Probleme, die durch das Führungsvakuum entstanden sind, werden aufgearbeitet. Bei der diesjährigen Heimbegehung wurde dies deutlich.

Aber Sie sprechen ein Problem an, dass sich überall auftut: Personal. Wo bekomme ich noch gute Mitarbeiter her?

-Da geht es vermutlich auch darum, die vorgeschriebene Fachkraftquote von 50 Prozent zu erfüllen.

Pilz: Genau. In diesem Punkt müssen wir als Heimaufsicht natürlich stark hinterher sein, aber das ist nicht einfach. Die Heime sagen zum Teil: Sie finden niemanden. Auch das eigene Personal zu Fort- und Weiterbildungen zu motivieren, ist nicht einfach. Da werden so viele Dinge gefordert, vom Ausbildungsbeauftragten über die Palliativ-Fachkraft bis zum Ernährungsbereich.

-Was waren die Mängel, die Sie bei den Kontrollen festgestellt haben?

Pilz: Da ging es um Hygiene wie Arbeitskleidung...

-Also wie im Krankenhaus, wo keine langärmligen Kittel mehr verwendet werden sollen?

Pilz: Das ist im Pflegebereich wieder ein Thema. Man ist zwischendurch weggekommen von der Arbeitskleidung, weil man ja nicht wie im Krankenhaus ausschauen will. Aber wir haben auch im Pflegebereich mit multiresistenten Keimen zu tun. Deshalb muss Kleidung nur für die Arbeit getragen werden, um die alten Menschen zu schützen.


- Ein Thema sind immer auch die Medikamente, oder?

Pilz: Auch da haben die Einrichtungen viele Mechanismen eingebaut. Es kommt einmal jährlich ein Apotheker, schaut sich die Aufbewahrung an und schult. Und sollte wirklich einmal ein Betäubungsmittel wegkommen, melden die Heime es lieber sofort der Polizei. Die gehen einen konsequenten Weg. Es gab Fälle, aber man konnte noch nie einer Einrichtung eine Schuld nachweisen, es war kein Missbrauch. In der Regel waren es Dokumentationsfehler, wenn beispielsweise ein Fentanylpflaster geklebt und es nicht aufgeschrieben wurde.

-Sie haben bereits die Personalprobleme angesprochen. Vor allem in der Nacht soll es immer wieder zu ungenügenden Besetzungen kommen, wird oft kritisiert. Haben Sie auch schon einmal nachts kontrolliert?

Pilz: Ja, selbstverständlich. Wir kommen morgens ganz früh, abends, wir schauen uns nicht nur den normalen Alltag an. Wobei es keinen Sinn macht, um Mitternacht dort aufzutauchen, sondern zur letzten Übergabe, vielleicht um 21 oder 22 Uhr. Stellen Sie sich vor, eine Bewohnerin wacht nachts auf und sieht plötzlich fremde Leute, die erschrickt ja. Wir machen nachts einen Rundgang, schauen uns um, wer überhaupt da ist, wer von den Bewohnern noch wach ist. Denn der normale Mensch schläft eigentlich nicht um 21 Uhr.

-Da sind wir auch beim Thema, ob die Bewohner zur Arbeitserleichterung früh ins Bett geschickt werden.

Pilz: Genau. Aber wir waren oft schon positiv überrascht, wer zu später Stunde noch auf ist. Wir schauen uns an, ob nachts die Bettgitter hochgezogen sind, ob der Notrufknopf erreichbar ist. Wir kommen nicht jedes Jahr nachts, aber wir wechseln durchaus unsere Zeiten. Zum Beispiel um morgens zu schauen, ob die Bewohner aus dem Schlaf gerissen werden, nur damit es in den Arbeitsablauf des Personals passt. Wichtig ist, dass die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Grundsätzlich muss man sagen, dass jeder Pflegebedürftige den Platz finden kann, den er benötigt, und von guten und motivierten Pflegekräften versorgt wird. Die legen da wirklich Herzblut rein, vor denen ziehe ich den Hut – das kommt bei unseren Kontrollen oft zu kurz, deshalb will ich das an dieser Stelle loswerden.

Rubriklistenbild: © dpa

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