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Herbert Kieweg, Leiter der Polizeiinspektion Schongau.

Aktuelles Interview zum Thema Polizei-Präsenz

Mehr Fußstreife, weniger Laserkontrollen

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Schongau - Nach den Vorfällen in Nizza, Würzburg, München und Ansbach geht bei den Bürgern die Angst um. Polizeipräsident Robert Kopp fordert nun mehr Präsenz seiner Mitarbeiter. Ist das realistisch? Wir haben mit Herbert Kieweg, Leiter der Polizeiinspektion Schongau, über Kopps Ansage gesprochen.

Nach Terror und Amok direkt vor unserer Haustüre: Herr Kieweg, wie nehmen Sie die Stimmung der Bürger im Schongauer Altlandkreis wahr?

Kieweg: Natürlich greift bei den Leuten Angst um sich. Man spürt die Verunsicherung. Aber ich würde es nicht als Panik bezeichnen.

Ihr Chef, Robert Kopp, fordert nun mehr Präsenz der Polizei. Was sagen Sie dazu?

Kieweg: Das heißt ja nicht, dass wir bisher keine Präsenz gezeigt haben. Aber die Forderung, als direkter Ansprechpartner für die Bürger da zu sein, ist absolut richtig.

Das klingt wirklich gut. Aber lässt sich diese Forderung aufgrund der angespannten Personalsituation tatsächlich umsetzen?

Kieweg: Ja. Wir können mehr auf Fußstreife gehen, in dem wir das Auto kurz abstellen und beispielsweise eine Runde um den Marienplatz laufen.

Wie viele Streifen sind in Schongau unterwegs?

Kieweg: Grundsätzlich gebe ich über die Personalstärke keine Auskunft. Unter Tags sind es auf jeden Fall mehrere.

Kopp wünscht sich auch, dass die Polizisten verstärkt uniformiert auftreten. Heißt das im Umkehrschluss: keine Zivilpolizei und weniger verdeckte Ermittlungen?

Kieweg: Die meisten Einsätze erfolgen ohnehin in Uniform. Aber es wird auch immer Einsätze geben, bei denen wir zivil tätig sein müssen. Zum Beispiel im Bereich Rauschgift.

Haben Sie mit ihren Mitarbeitern schon über das Mehr-Präsenz-Zeigen gesprochen?

Kieweg: Das Thema ist ja nicht neu für uns und in Teilen auch schon umgesetzt worden. Allerdings werden wir die Lage nochmals neu bewerten und versuchen, der Forderung von Herrn Kopp noch stärker nachzukommen.

Er möchte auch eine angemessene Betreuung öffentlicher Veranstaltungen. Gibt es eine Faustregel – pro 100 Besucher eine Streife?

Kieweg: Nein. Grundsätzlich sind für die Genehmigung von Veranstaltungen die Ordnungsämter der jeweiligen Gemeinden zuständig. Mit denen sprechen wir uns ab, bewerten die Lage und entscheiden dann, ob und wie viel Polizei eingesetzt werden muss.

Welchen Rat haben Sie in Sachen Terror und Amok an die Bürger?

Kieweg: Wenn jemand eine Person kennt, die sich im Wesen verändert, seine Gewohnheiten radikal umstellt, sich nur noch zurückzieht und, als Beispiel, ausschließlich Gewaltspiele spielt, kann man jederzeit bei uns um Rat fragen bzw. Hinweise geben. Wir machen dann sogenannte Gefährderansprachen, machen uns ein Bild von der Person. Dafür muss noch lange keine Straftat vorliegen.

Gab’s so einen Fall in Schongau und Umgebung schon mal?

Kieweg: Mir ist nichts bekannt.

Um mehr Präsenz zeigen zu können, fordert Kopp von ihren Mitarbeitern den Mut, vermeintlich weniger wichtige Dinge temporär zurückzustellen. Zum Beispiel?

Kieweg: Strafzettel aufschreiben oder mal eine Laserkontrolle weniger machen, dafür einmal mehr auf Fußstreife gehen. Das ist damit gemeint. Wobei das nicht heißt, dass die Leute deshalb Rasen dürfen.

Das komplette Interview lesen Sie in unserer Printausgabe vom Dienstag, 26. Juli (Lokalseite 3)

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