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Mit Sack und Pack umgezogen: Die Asylbewerber an Schongaus Berufsschule mussten die Unterkunft verlassen.

Berufsschulturnhalle Schongau

Sind Asylbewerber jetzt obdachlos?

Schongau - Die Schongauer Berufsschulturnhalle ist geräumt. Fast. Die meisten der 127 Asylbewerber sind in neue Unterkünfte gezogen, doch neun Flüchtlinge, so genannte „Fehlbeleger“, wären ab heute obdachlos. Hat die Stadt nicht genug Wohnraum, hilft der Landkreis. Dieser muss aber auch bis zu 120 neue Flüchtlinge unterbringen.

Das größte Räumen in der Berufsschulturnhalle ist vorbei. An vier Umzugstagen sind die Asylbewerber in der vergangenen Woche mit Sack und Pack in ihr neues vorübergehendes Zuhause gezogen. Jeweils eine große Gruppe wurde nun in Penzberg und Steingaden untergebracht. Auch die Hirschbergalm bei Weilheim war nun endlich bezugsfertig. Die anderen Flüchtlinge wurden in kleineren Grüppchen auf den ganzen Landkreis verteilt.

Weil die Zahlen für die einzelnen Orte allerdings schon am heutigen Freitag, spätestens aber in der kommenden Woche, veraltet sein könnten, will Helmut Hartl, Sachbereichsleiter für das Asylwesen im Landkreis Weilheim-Schongau, mit der detaillierten Veröffentlichung der Wohnorte noch warten. Denn nach den vielen Wochen ohne Neuzuweisungen sind nun 100 bis 120 Asylbewerber angekündigt, für die der Landkreis eine Unterkunft braucht.

Die Stimmung ist gedrückt

Wie Sonja Zeug vom Schongauer Helferkreis berichtet, konnten insgesamt nur drei der Flüchtlinge in Schongau bleiben. Die Stimmung sei sehr traurig und der Abschied für viele schmerzhaft gewesen. Viele der Asylbewerber seien nach ihrem Auszug noch täglich in der „alten Unterkunft“ gewesen. Zeug: „Sie sind alle leise gekommen und ebenso wieder gegangen. Die Standorte haben sich zwar verändert, aber die Schicksale bleiben.“

Der Umzug war aber mit Vertretern der Helferkreise und den Asylsozialbetreuern besprochen worden, wie Hartl schon in der vergangenen Woche betont hatte. „Ich habe aus Senegal gelernt“, verdeutlichte Hartl jetzt noch einmal. Zuletzt hatte es Ende des Jahres eine Protestwelle unter Helfern wegen der unangekündigten Verlegung von Asylbewerbern aus so genannten sicheren Herkunftsländern nach Schongau gegeben.

Wohin sie ziehen würden, darüber waren die Schongauer Asylbewerber, die teilweise bereits seit Sommer vergangenen Jahres in der Berufsschulturnhalle wohnten, vorab schriftlich informiert worden, wenn auch laut Asylkoordinator Wolfgang Markus sehr kurzfristig. Er bedauert allerdings, dass man nicht genau wisse, wo die einzelnen Asylbewerber nun untergebracht seien. Markus: „Unsere Arbeit wird durch den deutschen Datenschutz stark beeinträchtigt.“ Man hätte den Helfern am Zielort gerne mit Informationen über die Einzelnen geholfen. „Wünsche sind immer erlaubt, aber diese Gesetze werden in Berlin gemacht, nicht in Schongau oder Weilheim, da kann man niemandem einen Vorwurf machen“, so Markus. „Ich frage mich nur, ob das nicht zurückschlägt auf diejenigen, denen ich eigentlich helfen wollte.“

Es wird nach Plätzen gesucht, an denen die Menschen unterkommen

Große Schwierigkeiten bereitet die Unterbringung für die derzeit noch neun Flüchtlinge, die bereits Aufenthaltsaussichten haben, die so genannten „Fehlbeleger“. Bisher waren sie in den Flüchtlingsunterkünften noch geduldet, obwohl sie sich mit diesem Status eigentlich selbst eine Wohnung suchen müssten. Bis zum heutigen Freitag wird in der Turnhalle noch geräumt und außen gearbeitet – sodass die Männer noch bleiben konnten. Doch für die Reinigung und Sanierung soll die Halle ab sofort frei sein.

Sitzen die „Fehlbeleger“ nun auf der Straße und sind obdachlos? Damit dem nicht so ist, wird nun in der Stadt Schongau nach Plätzen gesucht. Eine Wohnung im Tal stehe derzeit als Obdachlosenunterkunft zur Verfügung, so die Auskunft von Kurt Konrad, Leiter des Städtischen Wohnungsamtes. Zu wenig Raum für die neun Personen? „Um eine Obdachlosigkeit zu vermeiden, springt in Absprache mit der Stadt Schongau der Landkreis bei der Unterbringung der Asylbewerber ein“, erläutert Helmut Hartl. Jene „Fehlbeleger“, für die die Stadt Schongau keinen Wohnraum zur Verfügung stellen kann, werden laut Hartl in Wohnungen untergebracht, die der Landkreis angemietet hat. Nach Angaben von Yvonne Voigt, Sprecherin der Stadt Schongau, war die genaue Zahl der Betroffenen aber im Vorfeld noch nicht bekannt.

Elke Robert

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