Die ersten Spuren ziehen sich durch die Bike-Park-Baustelle an der Schärflshalde.

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Modellieren mit Bagger

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Schongau - Wer das Wort modellieren hört, denkt an feines Arbeiten in der heimischen Werkstatt. Bei Joscha Forstreuter ist das anders: Der 31-jährige Architekt des Schongauer Bike-Parks modelliert derzeit die Kurse auf der Schärflshalde hinter dem Eisstadion – mit Bagger.

Die erste Steilkurve der Funcross-Strecke hat Joscha Forstreuter bereits fertiggebaut, jetzt geht es an eine längere Gerade mit Sprung. Während er im Bagger sitzt, schaufelt hinten ein Radlader unablässig neuen Lehm in die Spur, den bis zu 14 Lkw derzeit an die Baustelle fahren. „Eigentlich mache ich Planung und Bauausführung immer alleine, aber das Projekt hier ist zu groß“, sagt Forstreuter. Deshalb ist er froh, fähige Kollegen wie Maximilian Dietmeier und Robert Geiger von der Baufirma Ley zu haben. Auch wenn sie im Spezialwegebau alte Hasen sind – einen Bike-Park haben sie noch nie gebaut.

Deshalb sitzt Forstreuter für die Feinarbeit selber auf dem Bagger. Schließlich kommt es auf sein Gefühl an, dass die Sprünge passen und die Kurven nicht zu steil sind. Gelernt hat er das übrigens nie: Bis vor einigen Jahren war er Profi-Mountainbiker, ab 2008 verlegte er sich aufs Bauen von Radstrecken. „Ich habe anfangs immer neben dem Bagger gestanden und Anweisungen gegeben, aber das hat nicht funktioniert. Deshalb habe ich mir das Baggerfahren selber beigebracht.“ Das ist im steilen Gelände wie auf der Schärflshalde nicht ungefährlich. „Aber zuletzt war ich beim Bau einer sechs Kilometer langen Mountainbike-Abfahrt in Sölden, da ging es direkt daneben einen Abgrund hinab“, sagt Forstreuter und lacht.

Vor fast zweieinhalb Jahren war er erstmals in Schongau, ein befreundeter Mountainbiker aus Altenstadt hatte ihn aus Berlin hergelockt – und Forstreuter ist noch immer begeistert von dem Gelände: „Ein Bike-Park auf einem städtischen Grundstück mit dieser genialen Hanglage und den Terrassen gibt es in Deutschland kein zweites Mal.“ Sonst müsse man immer aufwändige Starthügel bauen, hier lasse sich alles ins Gelände einpassen.

Architekt Joscha Forstreuter vor dem Bagger, mit dem er die Strecken baut.

Dass der Bike-Park umstritten ist und ohne Leader-Förderung vielleicht eingedampft oder ganz gekippt worden wäre, hat Forstreuter aus der Entfernung natürlich mitbekommen. Doch er ist überzeugt, dass genau die Vielfalt mit fünf Strecken verschiedenste Nutzer anziehen wird, vom Kleinkind mit Laufrad bis zum Profi: „Vor allem mit dem nahen Schulzentrum wird es eine tolle Symbiose geben.“ Es gebe Strecken für Anfänger und Fortgeschrittene. 15-Meter-Sprünge seien nicht möglich und auch nicht gewollt. Auf manchen Hindernissen könne man aber sicher bis zu sechs Meter weit fliegen, „das finden gute Fahrer schon heraus“. Wie beim Skifahren oder Snowboarden, wo manche noch den kleinsten Hügel als Schanze nutzen. „Der TÜV wird natürlich alles kontrollieren“, betont Stadtbauamts-Mitarbeiter Martin Blockhaus. Und Forstreuter hat noch nie von schwereren Verletzungen auf einem Bike-Park gehört. „Da passiert auf Skaterplätzen wesentlich mehr.“

Blockhaus bittet die Anwohner um Verständnis, dass während der Bauphase Lärm auch durch den Lkw-Verkehr nicht zu vermeiden ist. Wenn der Bike-Park einmal fertig ist, kann sich Forstreuter aber nicht vorstellen, dass es Lärmprobleme geben wird. „Und wenn alles wieder begrünt ist, schaut es auch ordentlich aus.“ Laut Geiger kommen immer wieder Passanten vorbei und erkundigen sich, „der überwiegende Teil ist positiv gestimmt“.

Jetzt muss nur das Wetter mitspielen. Regen verzögert die Arbeiten, deshalb ist der Zeitplan offen. Zumal sich die Strecke nach der Fertigstellung noch zwei Wochen setzen muss. Nur Forstreuter wird zwischendurch einige Testfahrten unternehmen. Schließlich muss er wissen, ob seine Modellier-Arbeiten erfolgreich waren.

Boris Forstner

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