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Jede Menge Programm für den Aktionstag: Christine Kuisel, Vorsitzende des Veranstalters Rolliwelten.

Das Aktuelle Interview

„Verschieden sein ist normal“

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Schongau - Zum vierten Mal veranstaltet der Verein Rolliwelten einen Aktionstag. Wir sprachen mit Christine Kuisel (34) aus Schwabbruck, Vorsitzende von Rolliwelten.

Der Aktionstag unter dem Motto „Einfach für alle, gemeinsam für Schongau“ findet am Samstag, 30. April, statt – die großen Angebote sind am Bürgermeister-Schaegger-Platz in Schongau ab 10 Uhr. 


-Frau Kuisel, ganz kurz gefasst: Worum geht es bei dem Aktionstag?

Christine Kuisel: Hauptsächlich geht es um Barrierefreiheit, ein Grundpfeiler, eine Voraussetzung dafür, dass Inklusion gelingen kann. Wir möchten das Thema öffentlichkeitswirksam in den Mittelpunkt stellen und haben mit dem Aktionstag gute Erfahrungen gemacht.

-Wie groß ist der Organisations-Aufwand?

Kuisel: Die größte Arbeit ist immer, die Helfer zu organisieren, viele Hände, die da sind beim Aufbau von 40 Biertischgarnituren oder beim Grillen. Die meisten von uns sind doch körperlich gehandicapt, sodass wir auf Freiwillige angewiesen sind. Allein bei der Modenschau mit 70 bis 80 Modells mit und ohne Behinderungen brauchen wir viele, die Hilfestellung geben beim Ankleiden, denn es soll dann ja auch schnell gehen.

-Ihr persönliches Highlight im Programm?

Kuisel: Der Auftritt von Sabine Niese aus Hamburg bei der Modenschau. Uns verbindet eine Krankheit, deren Verlauf unheilbar und tödlich ist: Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS. Sie hat eine persönliche Löffelliste, eine Liste von Dingen, die sie noch abarbeiten möchte, bevor sie den Löffel abgibt. Darauf steht auch, einmal mit ihrem Elektrorolli über einen Roten Teppich zu rollen. Unser Teppich ist zwar klein, aber wir haben einen und freuen uns, ihr diesen Wunsch erfüllen zu können.

-Die Modenschau war auch im vergangenen Jahr der Publikumsmagnet.

Kuisel: Wir hatten voriges Jahr über 300 Besucher. Es ist wunderbar darzustellen, dass man auch mit Handicap sexy und modern sein kann – ein tolles Gefühl, da dabei zu sein, gleich zu sein, ohne Unterschied, gemeinsam Spaß zu haben.

-Das Motto des diesjährige Aktionstages lautet „Einfach für alle, gemeinsam für Schongau“. Was steckt dahinter?

Kuisel: Unser Motto ist abgewandelt von der Vorgabe der Aktion Mensch „Für eine barrierefreie Stadt.“ Es sollte alles für alle zugänglich und nutzbar sein, sei es nun für den Rollstuhlfahrer, die Mutter mit Kinderwagen, die Oma mit Rollator, den verletzten Supersportler mit Krücke oder die vielen Menschen, deren Einschränkungen man nicht sieht wie den Herzkranken oder den Darmkrebspatienten mit künstlichem Ausgang. Das Thema Barrierefreiheit geht alle an – Stichwort demographischer Wandel! Es kann jeden jederzeit treffen. Das muss man den Leuten ins Bewusstsein bringen, dass es viel mehr gibt als den Rollstuhlfahrer oder den Blinden. Verschieden sein ist normal.

-Was bedeutet Barrierefreiheit für sie konkret?

Kuisel: Dabei sein, teilhaben, überall selbstständig hinzukommen, und zwar ganz selbstverständlich, ob nun mit oder ohne Handicap. Da gehört auch der Abbau von Sprachbarrieren dazu etwa bei Behördenanträgen, da reicht schon ein Beiblatt in einfacher Sprache. Barrierefreiheit ist ein Stück Freiheit. Diese Aktionstage sind der Motor, diese Barrierefreiheit auszubauen, auch im Hinblick auf ein barrierefreies Bayern und einen barrierefreien Landkreis 2023. Es gibt so viele Förderprogramme, aber die Betroffenen müssen mit einbezogen werden. Partizipation ist da das Stichwort. Nur wir wissen, was für uns geeignet ist.

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