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Die Trophäen sind bei der Hegeschau, hier vergangenes Jahr in Wies, der Hingucker.

Tradition oder unnötig?

Drei Hegeschauen – bayernweit einmalig

Weilheim-Schongau - Am Wochenende steht in Peiting die Hegeschau an, bei der die Jäger aus dem Schongauer Land ihre Trophäen aus dem vergangenen Jahr vorzeigen müssen. Es ist die erste von gleich drei Veranstaltungen – kein Landkreis in Bayern hat so viele. Das Landratsamt hat schon öfter über eine Reduzierung nachgedacht, traut sich aber nicht.

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist der Fall klar: Dort gibt es nur eine Hegeschau, auf der alle Trophäen, vom Reh- über Rot- bis zum Gamswild, präsentiert werden. Im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen schaut es schon anders aus: Dort gibt es eine in Wolfratshausen, eine in Bad Tölz. „Im Norden haben wir nur Niederwild, aber im Süden wird neben Reh- auch Rot- und Gamswild auf einer Schau gezeigt“, sagt Franz Steger von der Unteren Jagdbehörde am dortigen Landratsamt. Auf die Idee, die südliche Hegeschau noch einmal aufzuteilen, kommt dort keiner: „Das muss wirklich nicht sein“, so Steger.

In Weilheim-Schongau dagegen wird genau das praktiziert. Dass es in dem zusammengelegten Landkreis wie in Tölz-Wolfratshausen noch zwei Jagdverbände gibt, die jeder eine eigene Hegeschau veranstalten, ist nachvollziehbar. Doch warum haben die Hochwild-Hegegemeinschaft Wildsteig und die Hegegemeinschaft Steingaden noch eine eigene Veranstaltung?

Das Landratsamt bestimmt

Die Rundfrage dazu ist unergiebig. Gottfried Würbser, Leiter der Hochwild-Hegegemeinschaft Wildsteig, verweigert am Telefon komplett die Auskunft. Georg Bertl, Jagdvorsteher in Wildsteig, muss auch passen: „Keine Ahnung, dafür bin ich zu jung.“ Und Tobias Gschmeißner, Leiter der Hegegemeinschaft Steingaden, hat sich noch nicht damit befasst, warum die Trophäen im Landkreis gleich auf drei Veranstaltungen präsentiert werden müssen: „Dazu kann ich nichts sagen. Wir führen ja nur einen Auftrag des Landratsamts aus.“

Das ist richtig. Im Jagdgesetz steht nämlich drin, dass die Inhaber der Jagdreviere verpflichtet sind, den Kopfschmuck aller erlegten und verendeten Tiere bei einer öffentlichen Hegeschau vorzulegen. Und die Durchführung obliegt den „anerkannten Vereinigungen der Jäger, die auch die Kosten tragen“. Allerdings ist klar, wer anschafft: Die Jagdbehörde legt im Einvernehmen mit der Forstbehörde den Zeitpunkt der Hegeschau fest und ordnet an, „ob der Kopfschmuck geschlossen oder gebiets- oder wildartenweise vorzulegen ist“. Im Klartext: Das Landratsamt schafft an und könnte festlegen, wann, wo und wie viele Hegeschauen es im Landkreis gibt.

Doch davor schreckt die Untere Jagdbehörde zurück. „Wir haben das diskutiert, auch im Jagdbeirat“, sagt Leiter Helmut Stork. „Aber die Landrätin war einverstanden, dass es erst einmal so bleibt.“ Was durchaus überrascht. Denn der Aufwand ist nicht unerheblich: Zwar nicht finanziell, aber zahlreiche zum Teil hochrangige Mitarbeiter müssen Sonntags zu den Terminen ausrücken und sammeln Überstunden. „Natürlich würde es die Ressourcen schonen, wenn es nur eine Hegeschau im Schongauer Land gäbe“, sagt Stork.

In den vergangenen Jahren gab es Probleme

Nicht zu vergessen die Probleme der vergangenen Jahre. „Es gab immer wieder Eklats“, weiß Stork. Da verließen Amtsleiter schon einmal wütend eine Versammlung, die völlig aus dem Ruder gelaufen war. Auch Schongaus langjähriger Jagdverbands-Vorsitzender Martin Kästl hatte trotz seines freundlichen Entertainer-Auftretens immer wieder schwere Vorwürfe, zum Beispiel zum Thema Rehwild-Fütterung, an die Behörden gerichtet. Die durften sich die Vorwürfe zum Teil doppelt anhören, weshalb sich die Amtsvertreter zuletzt aufgeteilt hatten und nur noch je einen Termin im Schongauer Land besucht haben.

Die Zurückhaltung der Jagdbehörde hat auch damit zu tun, dass Schongaus Jagdverband mit Robert Eichner seit kurzem einen neuen Vorsitzenden hat. „Uns ist daran gelegen, dass er einen guten Start hat“, sagt Stork. Ob das nächstes Jahr anders ausschaut? „Das hängt auch vom Ablauf ab“, so Stork. Gschmeißner ist da pragmatisch: „Wenn das Landratsamt sagt, wir sollen die Hegeschau zusammen mit Peiting machen, dann machen wir das. Es ist halt eine Tradition bei uns.“ Das ist übrigens auch Storks Antwort auf die Frage, ob er weiß, warum sich die Extra-Hegeschau in Wildsteig/Steingaden entwickelt hat: „Aus der Tradition heraus. Und da ist es einfach schwer, etwas zu ändern.“

Die Hegeschau in Peiting

findet am Sonntag, 6. März, von 9 bis 13 Uhr in der Schloßberghalle statt. Dann kann die Öffentlichkeit die Trophäen besichtigen. Der offizielle öffentliche Teil mit Reden und Vorstellung der Abschusszahlen beginnt um 14 Uhr.

Boris Forstner

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