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Ehrengast des Tages war zur Freude von Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes (li.) die Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler.

100 Jahre evangelische Dreifaltigkeitskirche Schongau

Der feurige Liebeseifer der Schongauer für ihre Kirche

Schongau - Groß gefeiert worden ist am Wochenende das 100-jährige Kirchenjubiläum der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Schongau. Zum Gottesdienst mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler kamen zahlreiche Ehrengäste, anschließend gab es ein Gemeindefest mit gemeinsamem Essen.

Susanne Breit-Keßler erinnerte in ihrer Predigt an den steinigen und beschwerlichen Weg, den die Kirchengründer zurücklegen mussten, bevor sie das neue Gotteshaus, zu dem 1914 der Grundstein gelegt wurde, an Pfingsten 1916 einweihen konnten. In den schweren Jahren des Ersten Weltkriegs waren schon viel Engagement und Beharrlichkeit sowie ein unerschütterliches Gottvertrauen wichtig, um so einen Bau umzusetzen.

„Die kämpferischen Altvorderen haben mit einem Brief an den Landeskirchenrat mit dem Hinweis, dass die Gemeinde an Wohlhabenden sehr arm sei, Zuschüsse erbeten, Postkarten verkauft und die Kaiserin Auguste Viktoria zur Stiftung eines Altarkreuzes bewegt“, zählte Susanne Breit-Keßler auf. Dem „feurigen Liebeseifer der Schongauer“ für ihre Kirche konnte sich laut einem Zeitgenossen kaum einer entziehen.

„Wer innerlich gut geistlich gerüstet ist, wird seine Ziele erreichen“, so die Regionalbischöfin, die sich für ihre Predigt kämpferische Verse gewählt hatte. „So steht nun, eure Lenden umgürtet mit Wahrheit, bekleidet mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens! Bei alledem ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile des Bösen auslöschen könnt! Nehmt auch den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist Gottes Wort!“, heißt es in Epheser 6 (14-17).

Vor der evangelischen Kirche an der Blumenstraße in Schongau gab es vor dem feierlichen Gottesdienst zum 100-jährigen Kirchenjubiläum ein Standkonzert der Peitinger Alphornbläser.

„Das klingt jetzt ein bisschen wie aus Star Wars“, stellte Breit-Keßler fest, betonte aber, dass Archetypen, wie sie in der Bibel und im Film beschrieben werden, das sind, was das Leben in der Gesellschaft schwer machen könne. So sei es auch für die Gemeinde wichtig, in heutigen Zeiten „Farbe zu bekennen und zu den Fundamenten des Glaubens“ zu stehen, „für den Glauben leidenschaftlich einzutreten, anderen davon zu erzählen, ihn vorzuleben und sich in dunklen Zeiten umeinander zu kümmern“.

Pfarrerin Lydie Nicoly Menezes bezeichnete Susanne Breit-Keßler als eine „geistliche Streiterin des Herrn“ und „quicklebendige und wortgewandte engagierte Theologin“. Weiter sagte sie: „Ich muss das wissen, denn ich habe sie ordiniert“, so Breit-Keßler.

Als Gastgeschenk hatte sie eine Altarbibel in der neuen Lutherübersetzung mitgebracht. „Das ist die allererste, die in Bayern und vielleicht auch ganz Deutschland verschenkt wird“, verdeutlichte Breit-Keßler.

Geschenke und warme Worte gab es zum Jubiläum auch von anderer Seite. So erinnerte der stellvertretende Landrat Norbert Grehl daran, dass die evangelische Gemeinde zur Zeit der Kirchengründung nicht unbedingt der bayerischen Leitkultur entsprochen habe, und dass sicher einige über die Ausweisung von evangelischen Christen nachgedacht hätten. Damit zog Grehl eine Parallele zur heutigen Diskussion über muslimische Flüchtlinge. „Heute können wir nicht mehr ganz nachvollziehen, was damals los war, die Kirchen treten heute gemeinsam auf“, so Grehl.

Bürgermeister Falk Sluyterman betonte, dass die evangelische Kirchengemeinde ein fester Bestandteil Schongaus geworden sei und überreichte eine Kerze im Sinne der Worte des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: „Das Wesentliche einer Kerze ist nicht das Wachs, sondern das Licht.“

Pfarrerin Brigitte Weggel erinnerte daran, dass die Peitinger Nachbargemeinde eigentlich eine Tochtergemeinde sei: „Wir sind Teil Eurer Kirchengeschichte. Viele Peitinger erinnern sich noch daran, wie sie zu Fuß zu den Gottesdiensten nach Schongau gewandert sind.“

Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst, der vom Posaunenchor unter der Leitung von Wolfram Jahn und dem Schongauer Stadtchor unter der Leitung von Christoph Garbe musikalisch gestaltet wurde, waren die Besucher zum gemeinsamen Essen und Feiern eingeladen. Zudem konnten Original-Ziegelsteine der Dreifaltigkeitskirche erworben werden. Sie sind der Länge nach aufgeschnitten und zeigen durch verschiedenfarbigen Lehm interessante marmorierte Muster. Die dekorativen Stücke sind für alle Interessierten noch bei der evangelischen Gemeinde erhältlich.

Ursula Fröhlich

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