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Sieht so die Kehrseite der Medaille aus?

Lechstadt gleicht  sich Peiting an

Schadet Schongau die Gewerbesteuer-Erhöhung?

Schongau - Epochale Entwicklung im Schongauer Stadtrat: Am Dienstagabend beschloss das Gremium eine Anhebung der Gewerbesteuerumlage auf 380 Punkte. Die Heimatzeitung hat deshalb bei Schongauer Unternehmen nachgefragt, wie sie die Erhöhung sehen und uns auch in Peiting umgehört, wie es ein Jahr nach der Anhebung läuft.

Seit Jahrzehnten forderte die Alternative Liste Schongau (ALS), die Gewerbesteuerumlage in Schongau auf 380 Punkte zu heben. Zuletzt wurde sie im Jahr 2010 moderat von 330 auf 340 erhöht, die vorherige Erhöhung ebenfalls um zehn Prozentpunkte war 2002. Jetzt plädierte Bettina Buresch in der Schongauer Haushaltssitzung am Dienstagabend erneut für den Sprung auf 380 Punkte, wie ihn auch Weilheim, Peißenberg und Peiting haben – und tatsächlich ging der Vorschlag mit der hauchdünnen Mehrheit von 12 zu 11 Stimmen durch.

Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) wollte allerdings dahingestellt sein lassen, dass Peiting den Schritt nicht bereue, wie Buresch behauptet hatte. „Dafür ist es noch zu früh, schließlich ist die Erhöhung in Peiting erst ein Jahr her“, meinte er.

Amtskollege Michael Asam aus der Marktgemeinde sieht das anders. „Wir haben es definitiv nicht bereut und Mehreinnahmen generiert“, sagte er auf Nachfrage und berichtete auch von einem Gespräch mit Peitinger Unternehmern, „in dem ich ihnen klar gemacht habe, warum wir erhöht haben und dass wir ewig nichts getan haben“.

Eine Empfehlung, auf 380 Punkte zu erhöhen, habe es erstmals schon vor acht Jahren gegeben, doch habe Peiting damals noch auf einen sehr moderaten Kurs gesetzt. Asam weiter: „Den können wir uns aber nicht mehr leisten. Deshalb habe ich unseren Firmenchefs gesagt, dass die stetig steigenden Belastungen für Kindergärten, Schulen und Sporteinrichtungen, aber auch für Breitband, Mietwohnungs- und Krippenbau ohne Anhebung nicht mehr zu stemmen gewesen wären.“

Und Asam ist sehr zufrieden mit der Stimmung, die diesbezüglich im Ort herrscht. „Bis auf eine kritische Rückmeldung haben es letztlich alle akzeptiert und auch verstanden.“ Der Gemeindechef führt das nicht zuletzt darauf zurück, „dass wir die Jahre vorher nicht permanent an der Steuerschraube gedreht haben“.

Uschi Mödl vom gleichnamigen Unternehmen für Haustechnik in der Marktgemeinde sagt zwar, „dass man sich über Erhöhungen nie freut, wir aber damit leben müssen und auch können“. Auch sie verweist darauf, „dass Peiting bislang immer sehr günstig in Bezug auf die Gewerbesteuer dastand“. Und sie hat durchaus Verständnis für eine Erhöhung, „weil die Gemeinde dieses Geld ja wirklich braucht“.

Noch nicht sagen, wie sich das auf seinen Betrieb rb media auswirkt, kann Roman Bauer. „Das weiß ich erst Ende des Jahres, wenn meine Einkommensteuererklärung für 2015 abgerechnet ist.“

Beim Unternehmen Hirschvogel in Schongau hält sich die Begeisterung derweil sehr in Grenzen. „Grundsätzlich sind wir natürlich nicht erfreut über eine Erhöhung, da wir uns aber bereits für eine Erweiterung des Standorts hier entschieden haben. Und die wird dadurch auch nicht in Frage gestellt“, sagt Werkleiter Albert Kees. Dann fügt er aber auch noch hinzu, dass die Entscheidung bei künftigen Erweiterungen „sicher kein Argument für den Standort Schongau sein wird“.

Auch bei der Firma Hochland sieht Begeisterung anders aus, wie Unternehmenssprecherin Petra Berners erläutert. „Natürlich freut sich kein Unternehmen über steigende Steuern. Die Anhebung des Gewerbesteuer-Hebesatzes wird für die Unternehmen in Schongau annähernd zehn Prozent mehr Gewerbesteuer bedeuten“, fügt sie noch hinzu.

Grundsätzlich habe die Erhöhung des Hebesatzes aber keine direkten Auswirkungen auf die Standortpolitik bei der Firma Hochland. Petra Berners weiter: „Die Höhe der Gewerbesteuer ist nicht das allein ausschlaggebende Kriterium. Es gibt viele weitere und wichtigere betriebswirtschaftliche Faktoren, etwa die Investition in unsere eigene Betriebsstätte in Schongau.“ Zudem fühle man sich in Schongau wohl und von der Stadt auch in seinen Bemühungen gut unterstützt.

Stephan Penning

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