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So sieht der Unterricht am gestrigen Donnerstag in der Klasse 1a der Stauffer-Grundschule in Schongau aus: Sieben Schüler halten in den leeren Reihen im Klassenzimmer wacker die Stellung – ebenso Rektorin Ursula Heitmeier.

Grippewelle und Norovirus

Notstand in den Klassenzimmern

Schongau/Peiting - An den Schulen ist der Notstand ausgebrochen: Zehn, 15, gar 24 Prozent aller Schüler hüten dieser Tage das Bett. Die Reihen in den Klassenzimmern lichten sich. Notprogramm. Und auch die Lehrer fallen jetzt reihenweise um. Schuld ist unter anderem ein Influenza-Virus.

„Von 400 Kindern haben sich am Montag 60 krank gemeldet – das war noch nie da“, sagt Ursula Heitmeier kopfschüttelnd. Die Rektorin der Staufer Grundschule in Schongau fährt ein Notprogramm. Von einer ersten Klasse sitzen an diesem Donnerstagmorgen überhaupt nur noch sieben Schüler in den dünn besiedelten Stuhlreihen.

„Da ist fast kein normaler Unterricht mehr möglich“, schildert Heitmeier. Zumal sich auch im Lehrerzimmer die Reihen lichten. Wo die Lehrer fehlen, werden die Kinder aufgeteilt – auf Klassen, in denen viele Kinder krank sind. Räume auffüllen. Unterricht in abgespeckter Version durchziehen. Denn: Das Schulamt, so Heitmeier, könne keine Vertretung schicken. Die wenigen Springer seien schon alle im Einsatz. „So etwas habe ich in meiner Laufzeit noch nie erlebt“, bilanziert sie.

Tatsächlich sind es gerade zwei Krankheits-Wellen, die nicht nur Schüler und Lehrer reihenweise außer Gefecht setzen, weiß Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamts Weilheim-Schongau. So sei neben den ganz normalen grippalen Infekten die Zahlen echter Influenza-Erkrankungen rapide angestiegen: Gab es noch im Januar nur vier offizielle Meldungen von Influenza-Fällen im Landkreis, waren es schon im Februar 24 und für den laufenden Monat März bereits 45. „Das ist extrem viel“, sagt Breu, spricht von einer Grippe-Welle. Hinzu kommt, dass gerade auch noch der Noro-Virus die Magen-Darm-Runde im Landkreis macht.

100 von insgesamt 1000 Realschüler sind krank

Auch an der Schongauer Realschule sieht es nicht besser aus in Sachen Krankenstand. Wir fragen nach bei Schulleiter Armin Eder. Der holt kurz eine Info ein, befindet: „Die Zahlen erschrecken mich gleich selber.“ 1000 Schüler – täglich 100 davon krankgemeldet. Seit letzter Woche geht das so, sagt Eder. Im Kollegium sehe es auch nicht besser aus, „wir kommen auf dem Zahnfleisch daher“.

Trotz einer „Lehrerversorgung“, die „nicht so prickelnd“ sei, versucht man den Unterricht an der Pfaffenwinkel-Realschule aufrecht zu halten. „Die Kollegen, die noch gesund sind, geben 120 Prozent“, schildert Eder, wie es mit Vertretungsstunden aussieht. „Ein tapferes Kollegium – trotzdem bin ich froh, wenn jetzt bald die Osterferien kommen, damit sich alle erholen können.“

Die Vorgeschichte lesen Sie hier

Wacker halten sich die Lehrer an der Alfons-Peter-Grundschule in Peiting. Im Lehrerzimmer sieht es, im Vergleich zu den Klassenzimmern, sogar ganz hervorragend aus. Gott sei Dank, denn mit einem Kinder-Krankenstand von 24 Prozent ist die Peitinger Grundschule damit unser Krankheits-„Spitzenreiter“ – von 224 Schülern hatten sich am Montag 53 krank gemeldet. „So etwas hatten wir in früheren Jahren vielleicht einmal, aber in den vergangenen sicher nicht“, überlegt Rektorin Erna Lindauer.

Unterricht im "Schongang"

Auch für diese Schule gilt: Unterrichtet wird im „Schongang“: „Wir gehen langsamer mit den Kindern vorwärts, es wird mehr geübt, weniger neuer Stoff“ gepaukt. So verpassen die Kranken nicht so viel. Und die gerade wieder Genesenen kommen wieder besser rein in die Materie.

Apropos gerade genesen: Erna Lindauer appelliert an die Eltern, ihre Kinder „erst wieder in die Schule zu schicken, wenn sie tatsächlich nicht mehr ansteckend sind“. Denn auch sie muss immer wieder feststellen, „dass viele Kinder wieder zu früh geschickt werden“.

Klar, arbeitende Eltern können über so einer andauernden Krankheitswelle im Winter schon mal verzweifeln. „Viele Eltern haben kein Netzwerk mehr“, weiß Lindauer aus Erfahrung. Es fehlt an Betreuungspersonen, die einspringen. „Und viele Arbeitgeber sind auch leider nicht mehr kulant.“

Von Kulanz kann an dieser Stelle tatsächlich keine Rede sein, vielmehr von einer Notwendigkeit, um den Rundumschlag der Influenza im Landkreis zu verhindern. Denn tatsächlich gilt: Eine echte Influenza ist erst nach zehn bis 14 Tagen vorbei, betont Dr. Karl Breu. Wer vorher in die Schule geschickt wird oder ins Büro geht, riskiert nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der anderen.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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