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Sie wollen die Mosaike retten: Die engagierten Drittklässler der Schongauer Staufer-Grundschule suchen Cobi Reisers Nachkommen. Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl (re.) und Schulleiterin Ulla Heitmeier helfen ihnen dabei.

Rettungsaktion für Tiermosaike

Warum diese Schüler die Erben eines Künstlers suchen

Schongau/München - Die Drittklässler der Schongauer Staufer-Grundschule suchen die Erben von Cobi Reiser. Der 1992 gestorbene Münchner Künstler gestaltete acht Tiermosaike, die die Kinder bewahren wollen, wenn die Gebäude Ende des Schuljahres abgerissen werden. Doch die Kosten sind zu hoch. Inzwischen laufen zwei Petitionen, um die Kunstwerke zu erhalten.

Für eine kleine Schülergruppe der 3e und ihre Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl gibt es seit Wochen nur noch ein Thema: die Rettung der Tiermosaike in ihrer Schule. Die Drittklässler haben Unterschriften gesammelt und diese an Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman übergeben. Ihre Bitte: Er solle prüfen, ob die Wandbilder des Künstlers Jakob Benjamin Reiser, besser bekannt als Cobi Reiser, aus den 50er Jahren einen Platz im künftigen Schulhaus bekommen könnten.

Acht Mosaike mit Tiermotiven hängen Inder Schule. Inzwischen laufen Petitionen, sie zu erhalten.

Doch der Bauausschuss der Stadt Schongau machte ihnen vor einem Monat einen Strich durch die Rechnung: Da es sich bei den Tierbildern nicht um echte Mosaike handelt, sondern um Wandmalerei auf Putz, käme die Konservierung offensichtlich recht teuer: Der Aufwand würde zwischen 36 000 und 70 000 Euro kosten – die künstlerische und bauliche Integration in den Neubau noch nicht eingerechnet. Zu viel Geld, um die Kunstwerke im Original zu bewahren, befand der Bauausschuss. Allerdings wurde beschlossen, die Werke zu dokumentieren und eventuell in ein anderes Medium zu übertragen.

Eine Entscheidung, die gleich zwei Gruppierungen mobilisierte: den Historischen Verein und die Ehrenringträger der Stadt. Beide formulierten unabhängig voneinander Petitionen, um die Entscheidung des Ausschusses zu revidieren. Bürgermeister Sluyterman hatte bereits angekündigt, dass sich der Stadtrat in seiner Sitzung Ende Juni mit den Petitionen befassen wird.

Acht Mosaike mit Tiermotiven hängen Inder Schule. Inzwischen laufen Petitionen, sie zu erhalten.

Nur abwarten wollen die Grundschüler aber nicht. Auch sie haben eine Aktion gestartet: Sie gestalteten ein Paket mit zehn Postkarten und ein Plakat. Der Erlös aus dem Verkauf geht an die Stadt. Außerdem hat Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl einen weiteren Rettungsanker ausgemacht: Die Schüler suchen nun nach den Erben des Münchner Künstlers. Denn bei Veränderungen von Kunstwerken greift das Urheberrecht. Der Künstler selbst muss zustimmen, bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers seine Erben.

Allerdings erweisen sich die Recherchen als besonders schwierig, wie Franz Grundner, Schongaus Stadtarchivar und gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Historischen Vereins, nur bestätigen kann. Cobi Reiser (26. Juni 1902 bis 15. Mai 1992) führte in den 50er Jahren zwar mehrere künstlerische Aufträge für die Stadt Schongau aus. Welche Verbindungen er ins Oberland hat, ist völlig unklar. Im Stadtarchiv existieren lediglich die beiden Originalrechnungen, die „B.J.C. Reiser“ 1953 an die Stadt stellte – eine über 1840 Mark, die andere über 1300 Mark. Die Adresse von Jakob Benjamin Reiser lautete damals Reginbaldstraße 16 in Obermenzing. Möglicherweise war der Münchner Künstler eher als Graphiker bekannt. Diverse Werke wurden und werden in Internet-Katalogen von Auktionshäusern gelistet.

Doch weder der ideelle, noch der künstlerische und materielle Wert der Reiser-Werke ist bisher bei der Stadt Schongau erkannt worden. Reiser fertigte unter anderem ein Wandbild im Vorraum des historischen Ballenhauses und entwarf einen Mosaikbrunnen im Hof der Grundschule. Diese Arbeiten sind bereits unwiederbringlich zerstört.

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