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Gelbe Fußspuren führen zur Bereitschaftspraxis.

Am Krankenhaus Schongau

Guter Start der Bereitschaftspraxis

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Schongau - Seit einem halben Jahr gibt es eine Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Schongau, die Bilanz ist durchaus positiv. Ebenfalls gut angelaufen ist aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns der Fahrdienst für medizinisch notwendige Hausbesuche. Für die niedergelassenen Hausärzte ist die Reform eine spürbare Entlastung.

„Die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus läuft aus unserer Sicht sehr gut, die Praxis wird von den Patienten gut angenommen.“ So fasst Birgit Grain, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), die ersten sechs Monate Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Schongau zusammen. Eröffnet am 4. April dieses Jahres, sei die Ausstattung sowohl von der KVB als auch von der Krankenhaus GmbH gestellt worden. Abends in der Regel von 18 bis 21 Uhr, mittwochs und freitags sogar von 13 bis 21 Uhr und an den Wochenenden durchgehend zwischen 9 und 21 Uhr werden Patienten mit einem Leiden, dessen Behandlung nicht mehr bis zur nächsten Sprechstunde eines Arztes warten kann, versorgt. Gelbe Aufkleber in Form von Fußabdrücken weisen im Krankenhaus den Weg.

„Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos“, so Isa Berndt, Pressesprecherin der Krankenhaus GmbH. Schwere Notfälle würden natürlich nach wie vor an die Notfallambulanz des Krankenhauses weitergereicht. Kleinere Notfälle hingegen würden wie gewünscht an der Notfallaufnahme des Krankenhauses vorbeilaufen, was dort für Entlastung sorge, wenn auch laut Berndt „nur im einstelligen Bereich“.

Zusammenarbeit mit Krankenhaus klappt

Während zuvor Weilheim-Schongau in zehn Regionen eingeteilt war mit jeweils einem zuständigen Bereitschaftsarzt – plus den Landkreis Garmisch-Partenkirchen –, gibt es jetzt drei Bereitschaftspraxen in der großen Region, neben Schongau in Garmisch und Murnau. Insgesamt seien 90 Ärzte aus dieser Bereitschaftsdienstregion zum Dienst verpflichtet. Ergänzt würden sie durch Nicht-Vertragsärzte, sogenannte Poolärzte, etwa aus München.

Dr. Sven Hagenlocher, Vizevorsitzender beim Praxisverbund Pfaffenwinkel (PVP) und in Peißenberg in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis tätig, empfindet die Neuordnung persönlich als positiv. „Die Dienstbelastung für den einzelnen Kollegen ist deutlich geringer geworden“, so Hagenlocher. Während er vorher jeden zweiten Monat eine Woche Dienst hatte von Freitag bis Freitag – neben dem normalen Praxisbetrieb –, sind es jetzt insgesamt zehn Tage im Jahr, je fünf in Bereitschaftspraxis und ärztlichem Notdienst. Tagsüber seien in der Region drei Ärzte unterwegs, bis Mitternacht noch zwei, bis morgens um sieben einer. Zur Entlastung hat die KVB Fahrer angestellt, der Arzt muss also nicht stundenlang selbst am Steuer sitzen.

Trotz dieser Fahrer müsse am nächtlichen Fahrdienst noch etwas geändert werden, kritisiert PVP-Vorsitzender Dr. Cornelius Pirzer. „Wenn ich in der Nacht zwölf Stunden unterwegs bin, kann ich am nächsten Tag meine Patienten nicht mehr versorgen.“ Auch sei das Gebiet viel zu groß: „Die Distanz Schongau – Mittenwald ist zu weit, wenn es einem Patienten schlecht geht“, so der Peitinger. Außerdem habe der Fahrdienst eine zu weite Anfahrt. Pirzer fordert daher, das Gebiet aufzuteilen in seine beiden Landkreise. Mit der Gemeinschaftspraxis hingegen sei er persönlich sehr zufrieden. „Ich gehe gerne hin.“

Mit Husten muss man nicht ins Krankenhaus

„Wir haben die Bereitschaftspraxis sehr begrüßt“, so Dr. Karl Breu, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes. „Ich wünsche mir seit Jahren, dass die Ambulanz in den Krankenhäusern wieder dafür da ist, wofür sie geschaffen wurde, und nicht für die Husten-Schnupfen-Heiserkeit-Patienten.“

Die Bereitschaftspraxis wirke zudem dem Ärztemangel entgegen. Rund ein Drittel der Hausärzte im Raum Schongau werde aus Altersgründen in vier bis fünf Jahren aufhören. Es sei immer schwieriger, Ärzte zu motivieren. „Der Lifestyle der jungen Kollegen hat sich geändert – junge Ärzte arbeiten nicht mehr 75 Wochenstunden wie ältere.“ Da gehe es auch um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zumal der Frauenanteil unter den Ärzten immer größer wird – laut Breu sind aktuell von 730 Mitgliedern im ärztlichen Kreisverband 306 Frauen. Von der räumlichen Lage der Bereitschaftspraxis am Krankenhaus Schongau ist Breu allerdings nicht begeistert: „Das gehört zentral in den Eingangsbereich, damit ein Arzt entscheidet, bevor ich ins Krankenhaus gehe.“

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