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Tolle Kostüme und beeindruckendes Bühnenbild: Ein Glanzstück auf Schongaus Freilichtbühne.

„Die Henkerstochter“ 

Dem Schongauer Geheimnis auf der Spur

Schongau - Schongau hat ein neues Theaterstück. Eine umjubelte Premiere mit stehenden Ovationen der Besucher feierte am Freitagabend „Die Henkerstochter“ aus der Feder von Maximilian Geiger nach dem Roman von Oliver Pötzsch.

„Ihr seid Wahnsinn!“, jubelte Autor Oliver Pötzsch vor Beginn des Stücks beim Blick auf die vollbesetzte Tribüne mit 700 Besuchern. Einen solchen Erfolg habe er sich vor acht Jahren, als er bei der Recherche zu seinem Roman mit Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer durch die Stadt streifte, nie träumen lassen. Inzwischen kennen laut Pötzsch durch die Henkerstochter-Romane weltweit über drei Millionen Menschen Schongau.

Auch der vor drei Jahren gegründete Theaterverein Treibhaus kann es laut Vorsitzendem Michael Boos noch immer kaum fassen, dass er vor dieser tollen Kulisse spielen darf.

„Ihr seid’s jung und dynamisch – I bin verruckt, und deshalb hat des gut z’sammapasst“, lieferte Manfred Wodarczyk, Vorstand des Vereins Schongauer Sommer die Erklärung und bedankte sich bei allen Mitwirkenden.

Das Wetter meinte es weniger gut mit dem Freiluft-Theater 

Am Nachmittag hatte es noch geregnet, der Abend präsentierte sich zwar trocken, aber sehr kühl. „Denkt daran: Jakob Kuisl hätte dies mit einem Achselzucken abgetan!“, war Oliver Pötzschs Appell an die Besucher. Und die hielten durch, obwohl das Stück mit rund dreieinhalb Stunden mit Pause eine stattliche Länge hat.

Dafür wurde aber auch Erstklassiges geboten. Eine gelungene musikalische Umrahmung durch den Spielmannstrupp, angeführt von Musiklehrerin Christine Treib, ein durchdachtes Bühnenbild mit mehreren Schauplätzen, die reihum bespielt für Abwechslung sorgten. Dazu Kostüme, die ein Fest fürs Auge waren.

Ein witziger Regieeinfall war es, dass die Darsteller ihre Requisiten selbst auf die Bühne trugen, was besonders angesichts des Pfarrers mit seinem Beichtstuhl für Gelächter sorgte. Und natürlich ein Stück, das mit vielen Bezügen auf die Schongauer Stadtgeschichte eine spannende Story lieferte.

Am Anfang steht ein totes Kind, dem weitere folgen. Alle haben ein merkwürdiges Venusmal auf der Schulter. Dies führt dazu, dass der Hexenwahn in der Stadt aufflammt, geschürt von einigen Schongauer Ratsherren. Die Hebamme Martha Stechlin wird verhaftet und gefoltert. Lediglich Henker Jakob Kuisl und seine Tochter Magdalena zweifeln an ihrer Schuld. Zusammen mit dem jungen Medicus Simon Fronwieser, der Magdalena liebt, machen sie sich auf die Suche nach dem wirklichen Täter und decken ein dunkles Schongauer Geheimnis auf.

Umgesetzt wurde das Ganze in 33 Szenen, jede für sich ein kleines Glanzstück, so dass das Stück äußerst kurzweilig daherkam und die Spielzeit trotz Überlänge wie im Flug verging.

Auf der Bühne ging es deftig zur Sache

Auf der Bühne wurde so mitreißend gewatscht, geprügelt gekämpft, dass ab und zu Anfeuerungsrufe aus dem Publikum kamen, das voll mitging. Da wurde geweint, geschrien, gelacht und gebusselt und sogar lebende Tiere kamen zum Einsatz.

Vor allem Hauptdarsteller Dominik Nierer, der die Rolle des Henkers übernommen hatte, gebührt großes Lob. Er meisterte seine Rolle einschließlich Schwert- und Faustkämpfen mit einer unglaublichen Präsenz. Ebenso herausragend das Spiel von Helmut Gehler als Ratsherr Matthias Augustin, der im Finale des Stücks seinen großen Auftritt hatte.

Dafür, dass es nicht zu melodramatisch wurde, sorgten mit erfrischendem Spiel Henkerstochter Eleyne Wenninger und ihr Gspusi Simon (Maximilian Geiger). Die eine als aufmüpfige Tochter, die die ihr zugedachte weibliche Rolle der damaligen Zeit so ganz und gar nicht erfüllen wollte, der andere als Filou, der laut seinem Vater der Familie Schande macht: „Du hast nur Kleidung, Wein, Parfüm und die falschen Weiber im Kopf“, wirft er ihm vor.

Große Sorgfalt und Spielfreude

Aber auch alle anderen Darsteller lieferten durchweg herausragende Leistungen, egal ob große Rolle oder nur ein kleiner Satz: Alles war sorgfältig und mit immenser Spielfreude umgesetzt. Stückautor, Darsteller und Regisseur in Personalunion Maximilian Geiger hat sich mit diesem Theaterstück selbst ein Denkmal gesetzt.

Bilder der "Henkerstocher" in Schongau

Ein besonderer Clou für die Premierenbesucher war der Auftritt des Romanautors Oliver Pötzsch. Am Schluss des Stücks taucht er mit Schreibwerkzeug auf und will den Henker zum Geschehen befragen, um die Geschichte für die Nachwelt festzuhalten. Und wird von diesem unwirsch beschieden: „Wer würde so an Schmarren schon jemals lesen wollen? Und jetzt schleich di!“ Ein fataler Irrtum. Zumindest gesehen haben sollte man „Die Henkerstochter“ allemal.

Ursula Fröhlich

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