Einer der letzten gemeinsamen Termine: Schongaus Polizeichefs Rudolf Fischer (l.) und Ronald Bauer vergangene Woche beim Neujehrsempfang der LL/LTS Altenstadt im gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Peter Paul Gantzer. foto: hans-helmut herold

Hilferuf der Schongauer Polizei

Schongau - Bei der Polizeiinspektion Schongau geht’s seit Monaten personalmäßig bergab. Ausscheidende Beamte werden nicht mehr ersetzt, andere abgezogen. Ein Hilferuf.

Die Anfrage kam nach dem Ende der jüngsten Schongauer Stadtratssitzung, und sie war ebenso ungewöhnlich wie Sprengstoff-geladen: Der CSU-Stadtrat Dr. Oliver Kellermann übermittelte den offiziellen Hilferuf eines Polizisten der Schongauer Inspektion, die derzeit extrem unterbesetzt sei. Nachts sei die Dienststelle nur noch mit zwei Beamten besetzt, nachdem auch zwei Kollegen wegen des G7-Gipfels nach Garmisch-Partenkirchen abgeordnet worden seien. Pikant: Die Inspektion in Weilheim sei personell weitaus besser ausgestattet, gab Kellermann weiter.

„Ich nehme das zur Kenntnis, aber wir sind nicht zuständig“, sagte Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman, dem das Thema sichtlich unangenehm war - er hätte sich gewünscht, dass das Problem intern behandelt wird.

Doch jetzt ist die Angelegenheiten in der Welt - und wird von Schongauer Polizisten unter der Hand bestätigt. Die Weilheimer Inspektion bekomme zusätzliche Mitarbeiter, „das ist so“, und in Schongau seien alle vier im vergangenen Jahr in Ruhestand gegangene Kollegen bisher nicht ersetzt worden. Das Problem dürfte sich noch verschärfen, denn zum 1. Mai gehen sowohl Dienststellenleiter Rudolf Fischer als auch sein Stellvertreter Ronald Bauer in Ruhestand - und ein Nachfolger sei noch nicht in Sicht.

Fischer verwies auf SN-Anfrage auf das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim. Deren Sprecher Stefan Sonntag kündigt an: „Es wird einen zeitnahen Ersatz für den ausscheidenden Inspektionsleiter Rudolf Fischer und seinen Stellvertreter Ronald Bauer geben.“ Zeitnah bedeutet für ihn, dass es einen nahtlosen Übergang geben soll. „Die Auschreibungen laufen bayernweit“, deutet Sonntag an. Die Entscheidung über den neuen Inspektionsleiter treffe das Innenministerium in Absprache mit dem zuständigen Polizeipräsidium. Somit könnte der Führungswechsel „Hand in Hand“ erfolgen - es sei denn, es ergeben sich Unwägbarkeiten, dass z.B. juristisch gegen die Entscheidung des Innenministeriums vorgegangen wird.

Was die Personalsituation bei der Polizeiinspektion Schongau betrifft, räumt Sonntag ein, dass in Weilheim die Operativen Ergänzungsdienste (OED) mit Personal verstärkt wurden - vor allem hinsichtlich des G 7-Gipfels in Elmau. Dort kämen insgesamt 15 000 bis 17 000 Polizeibeamte zum Einsatz. Diese würden nicht nur aus Bayern und Deutschland, sondern auch aus anderen europäischen Ländern zusammengezogen. Der aufgestockte Einsatzzug in Weilheim würde aber laut Sonntag im Bedarfsfall auch die anderen Polizeiinspektionen unterstützen. Davon könnte auch die Dienststelle in Schongau profitieren.

Fest steht jetzt schon: Zum 1. März, wenn bei der Polizei allgemein immer Personalverschiebungen anstehen, kann Schongau noch nicht mit mehr Beamten rechnen. „Wie es dann nach dem G 7-Gipfel aussieht, das lässt sich heute noch nicht sagen“, hält sich Sonntag bedeckt.

Derzeit steht die Polizeiinspektion Schongau laut Sonntag im Vergleich zu anderen Inspektionen personalmäßig noch gar nicht mal so schlecht da. Die PI Geretsried zum Beispiel sei von der Größe her mit Schongau vergleichbar, doch sei die Arbeitsbelastung für die Beamten in Geretsried höher. Das hänge mit der Häufigkeitszahl hinsichtlich von Straftaten zusammen. Die liege im Landkreis Weilheim-Schongau bei 3600 Fälle pro 100 000 Einwohner. Anderswo sei sie durchaus höher.

Allerdings muss Sonntag einräumen, dass im vergangenen Jahr die Kriminalitätsrate im Einzugsbereich der PI Schongau angestiegen sei. Zwar lägen die offiziellen Zahlen erst Ende des Monats vor, doch lasse sich der Anstieg nicht leugnen. Über die Ursachen werde man sich bei der Polizei Gedanken machen und sich die Frage stellen, ob es vielleicht nicht auch an der geringeren Personalbesetzung liegen könnte.

Boris Forstner/Michael Gretschmann

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