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Essenszeit im Kindergarten Mariae Himmelfahrt in Schongau. Auch in dieser Einrichtung gibt es immer mehr Fälle von Eltern, die ihre Kinder morgens krank abgeben, bestätigt Leiterin Manuela Schülke (hinten). Eine Entwicklung, die sich ob der Berufstätigkeit der Eltern in allen Kindergärten im Schongauer Land abzeichnet.

Wegen Stress im Beruf

Immer öfter krank in den Kindergarten

Schongau/Peiting - Das Kind hat Fieber, die Mutter ist ebenfalls schweißgebadet. Was tun, um dem Nachwuchs und dem Beruf gerecht zu werden? Eine traurige Tatsache: Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auch im Schongauer Land krank in den Kindergarten.

Es beginnt schleichend. Oft auch schon am Vorabend. Das Kind ist schlapp. Am nächsten Morgen bestätigt sich die Befürchtung: Das Kind ist krank. Krank an einem Dienstag. Einem ganz normalen Arbeitstag. Viele Mütter bringt das in einen Gewissenskonflikt. Dem Kind gegenüber, aber auch dem Arbeitgeber.

Auch wenn jedem Elternteil pro Kind zehn Betreuungstage zustehen: Eine solche Situation wirft das oft mühsam ausgeklügelte Betreuungssystem über den Haufen. Manche Eltern wissen sich wohl nicht anders zu helfen, als das Kind trotzdem in den Kindergarten zu geben. „Das ist inzwischen ein Problem“, bestätigt Dr. Stefan Günther. Der Medizinaldirektor des Gesundheitsamtes Weilheim-Schongau hat diese mehr als bedenkliche Entwicklung beobachtet. Gar fiebersenkende Mittel würden verabreicht, um einen Kindergartenbesuch zu ermöglichen.

Manche Eltern geben bewusst kranke Kinder ab

Kranke Kinder, die morgens abgegeben werden, als wäre es normal: Eine Problematik, die auch Manuela Schülke kennt. Seit 28 Jahren leitet sie den Schongauer Kindergarten Mariae Himmelfahrt. „Es gibt Eltern, die sind ehrlich“, sagt sie. „Die sagen: Das Kind hat gestern gespuckt, ich lasse es heute lieber daheim.“ Aber leider gäbe es eben auch Eltern, die ihre Kinder abgeben, obwohl sich diese schon am Vorabend und sogar noch morgens übergeben haben. „Das ist zwar eine Minderheit.“ Aber trotzdem traurig.

Noch trauriger ist es, dass es Eltern gibt, die sogar mit Unverständnis reagieren, wenn das Telefon klingelt und der Kindergarten in der Leitung ist. „Wir rufen natürlich sofort an, um das Kind abholen zu lassen – das verstehen nicht immer alle.“ Manuela Schülke sieht das Wohl der gesamten Einrichtung. Die Ansteckungsgefahr für die gesunden Kinder, für die Erzieherinnen.

Bei all dem hat sie allerdings auch nicht den Blick für die Eltern verloren, die oft in Not sind. „Es haben nicht alle Omas, viele junge Familien haben gar niemanden, der einspringen kann, wenn das Kind krank ist.“ Auch Druck in der Arbeit käme hinzu. „Manche sind vielleicht noch in der Probezeit.“ Und nicht jeder Arbeitgeber sieht es gerne, wenn Mutter oder Vater zu Hause bleiben, um sich um ein spontan krank gewordenes Kind zu kümmern. Die Flexibilität der modernen Arbeitswelt: Sie ist noch nicht in jeder Firma angekommen.

„Die Eltern sind heute viel mehr unter Druck“, hat Manuela Schülke festgestellt. Leider muss sie aber auch bilanzieren, dass Fälle, in denen kranke Kinder morgens im Kindergarten abgeliefert werden, in den vergangenen Jahren immer mehr geworden sind. Gerade im Winter, wo oft ein Infekt den nächsten jagt, eine schwierige Situation.

Arbeitgeber übt Druck aus

Das Kind krank in den Kindergarten geben: Das möchte Sybille S. (Name von der Redaktion geändert) auf keinen Fall. Sybille ist Mutter eines Kindergarten-Kindes, arbeitet in Teilzeit. Ist das Kind gerade mal nicht krank, hat sie sich oft selbst schon angesteckt, auch mal im Betrieb gefehlt. Sicher nicht übermäßig oft. Doch selbst das ist ihrem Arbeitgeber ein Dorn im Auge, er übt Druck aus. „Ich habe schon überlegt, ob ich aufhören soll zu arbeiten.“

Hausfrau, Mutter, Mitarbeiterin: Für manche ist es ein Dilemma. Eines, das auf keinen Fall auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden sollte. Denn, so Dr. Stefan Günther: Wird ein krankes Kind in den Kindergarten geschickt, sind „die Nebenwirkungen verheerend“. Und zwar für alle Beteiligten, in erster Linie aber für die Kinder selbst. Die können sich nicht auskurieren. „Das kann ihren Zustand verschlechtern und zu ernsthaften Krankheiten führen.“

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