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Spieler der Para-Boule-Spielgemeinschaft Schongau feiern am Lido ihr 50-Jähriges. Importeur des Kugelspiels ist Hans Baar, der die ersten nostalgischen Kugeln aus Frankreich auf dem Silbertablett präsentiert.

50 Jahre Boule am Lido

Schweinchenjagd am Lido

Schongau - Schon mal ein kugelrundes Schweinchen gesehen? Na klar. Als lustigen quiekenden Vierbeiner oder zuckersüß in Marzipan geformt. Soll ja auch Glück bringen. Hier geht’s aber um ein ganz besonders Schweinchen. Exportware aus Frankreich. Knochenhart, nichts für Feinschmecker. Oder doch? Hier ist das „Cochonnet“ gemeint, eine Zielkugel für ein Kugelspiel.

Das kleine runde Ding liegt fast unscheinbar am Boden. Man hat den Eindruck, als hätte jemand einen Golfball verloren. Aber dann geht’s der kleinen Kugel an den Kragen. Etwas größere Kugeln werden in Richtung der kleinen geworfen, man versucht, sie sogar zu treffen. Dazu Stimmengewirr, laute Zurufe und sonderbar klingende Kommentare. Das macht neugierig, das lockt an. Also ran an den Speck, das Ganze mal aus der Nähe betrachten.

Es ist eine lustige Gesellschaft

Das wird gleich im ersten Moment klar, wenn man sich zu der Gruppe gesellt, die sich am Lido neben dem Bootshaus versammelt hat. Silbern schimmernde Kugeln werden von einzelnen Personen mit Lappen poliert, andere sind noch mit dem Austausch irgendwelcher Rezepte beschäftigt. Einer öffnet gar eine gute Flasche eines vergangenen Jahrgangs.

Dann ein klares Kommando aus den Reihen, um für Ruhe zu sorgen. Nicht zu überhören. Vom Übersehen ganz zu schweigen. Trotz einiger Lenze auf dem Buckel zeigt er sich immer noch mit Gardemaß. Hans Baar, gebürtiger Saarländer, der vor 50 Jahren mit seiner Familie aus dem Saarland nach Schongau kam. Sport hat Baar sein ganzes Leben lang begleitet. Als aktiver Zehnkämpfer erntete er Lorbeeren, als Sportlehrer hat er Generationen von Lehrgangsteilnehmern und Stammsoldaten der Luftlande- und Lufttransportschule in die Feinheiten der sportlichen Bewegung geführt. Und er hat ein Spiel mit in die Lechstadt gebracht, welches er in der alten Heimat mit Begeisterung gespielt hat.

Natürlich wurde er vom Vater seiner französischen Ehefrau Colette infiziert. Ein Nationalspiel der Franzosen, Hans war dabei. Mit guten Ergebnissen beim Schwiegervater aufwarten, das gibt doch Pluspunkte!

In Schongau holte 1966 Hans Baar zum Rundumschlag aus. Zuerst unter den Nachbarn am Birkenweg. Die wurden von ihm in seiner ganz eigenen sympathischen Art für das Spiel begeistert. Die Familien Schüller und Mehnert wurden als erste in die Spielregeln eingeweiht. Baar zeigte viel Geduld.

Sieben Jahre später weitete Baar den Radius der Spielbegeisterten aus. Jetzt war auch die Kaserne in Altenstadt dran. Ganz klar, der Sportlehrer wollte nicht nur durch ewigen Weit- und Hochsprung nerven, er wollte einen lockeren Sportunterricht präsentieren. Das lockte selbst den damaligen Kommandeur Oberst Abele auf die Aschenbahn, der seinen Offizierskameraden Werner Schreg gleich mit im Schlepptau hatte. Weitere Gefolgsleute waren die Herren Krämer und Malzer von der Wetterstelle, vom französischen Verbindungsoffizier Bajeux ganz zu schweigen.

Der Name der Gruppe, wie konnte es anders sein: „Para Boule“

Wettkämpfe wurden ausgetragen, zum Teil mit Begeisterung, zum Teil feucht fröhlich.

Irgendwann kam die Flaute. Alte Haudegen gingen in Pension oder wurden versetzt, die Kuglen hatten ausgerollt.

1994 erfuhr dann das Spiel in Schongau eine neue Renaissance. Heiner Bachmann, Dieter Engel und Dieter Führer hatten die Eingebung, sich wieder mit dem französischen Exportschlager Pétanque zu befassen. Mit allem Drum und Dran, auch dem roten Flüssigen.

Der Zulauf lässt nicht lange auf sich warten

Joachim Paul, Paula Walter und Eduard Settele mit Ehefrau Inge kommen dazu. Der lange Hans wird Präsident, Settele sein Vize. Ideale Voraussetzungen am Lido locken an. Andere Vereine werden eingeladen, Wettbewerbe ausgetragen. Die „Goldene Schongauer Kugel“ erfreut sich als Zugnummer der Wettkampfsaison.

Aktuell besteht die „Para-Boule-Spielgemeinschaft Schongau“ aus 30 Mitgliedern. Spielfreudige Interessierte sind jederzeit eingeladen, am schönsten Bouleplatz der Welt, am Lido, mitzumachen. Man trifft sich bei schönem Wetter jeden Mittwoch und Freitag ab 16 Uhr neben dem Bootshaus.

Hans-Helmut Herold

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