Milieustudien sind die Stärke von Tobias Öller. Den Besuchern im „Eulenspiegel“ gefielen seine Darstellungen verschiedener Charaktere sichtlich gut. Foto: jungwirth

Kabarettist Tobias Öller begeistert in Schongau mit Milieustudien

Schongau - In den Sumpf menschlicher Beziehungen und Eigenheiten entführte jetzt Tobias Öller die Zuhörer mit seinem Programm „Château Rouge oder das Scheitern der Revolution“ in Schongau.

In den Sumpf menschlicher Beziehungen und Eigenheiten entführte jetzt Tobias Öller die Zuhörer mit seinem Programm „Château Rouge oder das Scheitern der Revolution“. Erneut hatte die Schalander-Kleinkunstbühne mit dem Miesbacher einen Künstler im Programm, der mit tiefgreifendem und hintersinnigem Humor die Abgründe menschlichen Verhaltens zu analysieren wusste.

Egal, ob es sich um eine Therapiegruppe für alkoholgefährdete Lastwagenfahrer handelt, um einen Kneipenbesitzer, der wegen einer Bildervernissage vor dem Richter landet, oder um einen Mann über 30, der, um an Frauen ran zu kommen, verschiedenen etablierten Parteien wechselweise beitritt - immer verpasst Tobias Öller seinen Figuren den nötigen Feinschliff, um sie authentisch und plastisch zugleich wirken zu lassen.

Milieu-Studien liebt Tobias Öller, der 2010 den Niederbayerischen Kabarettpreis erhalten hat. Den rund 60 Zuhörern im „Eulenspiegel“ waren die dargestellten Typen geläufig. Innerhalb von Sekunden springt Öller in die verschiedenen Charaktere, die er ohne große Verkleidungen gekonnt darstellt.

Stotternd und unsicher sitzt da etwa der Kneipenwirt Helmut Wimbauer vor dem Richter und erzählt, wie es zu dem Fauxpas kam, der ihn auf die Anklagebank gebracht hatte. Denn Wimbauer hatte es seinem Stammgast, dem Maler Alois - kurz nur Ali bezeichnet - erlaubt, dessen Bilder in seiner Kneipe auszustellen. Doch damit nimmt das Unglück seinen Lauf: Denn Öller gibt nicht nur herrlich die suffköpfigen Stammgäste zum Besten, sondern schafft es auch, die Kunststudenten, den wie einen Lumpensammler aussehenden Kunstprofessor und das avantgardistische Publikum überspitzt und doch lebensnah darzustellen.

Und mit Heinz Bertram Bänkelsang, dem Lokalreporter der Heimatzeitung, schlüpft Öller in seine Paraderolle. Denn schließlich war der Kabarettist jahrelang als freier Journalist für den „Miesbacher Merkur“ tätig. Mit dem „Praktikantenworkshop für junge Journalisten“ versucht sich Schreiberling Bänkelsang als Ausbilder zukünftiger Journalisten, indem er die Beschreibung moderner Kunstgemälde übt. Dass das ganz schön schief geht, bleibt nicht aus. Denn schließlich hat einer der Praktikanten Kunstgeschichte studiert und weiß so manches noch fundierter wieder zu geben.

Derzeit tritt Tobias Öller mit vier verschiedenen Programmen auf. Die Aufführung „Château Rouge oder das Scheitern der Revolution“, die Öller seit Jahren zum Besten gibt, zeigte er im Eulenspiegel zum vorletzten Mal. Den Besuchern hat es auf jeden Fall gefallen, wie der lang anhaltende Applaus am Ende zeigte.

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