+
Reinhard Nowak und seine Weihnachtskrippe: Dieses wundervolle Unikat fand am Wochenende einen neuen Besitzer.

Am Mairenplatz in Schongau

Auch Kunsthandwerker beim Schongauer Weihnachtsmarkt

Schongau - Der erste Gedanke beim Weihnachtsmarkt in Schongau: Glühwein, Bratwürste oder süße Naschereien. Die Gaumenfreuden stehen an erster Stelle. Doch was wäre ein Weihnachtsmarkt ohne die Anbieter kleiner und großer Erzeugnisse, die in liebevoller Handarbeit entstehen?

Sie sind gewissermaßen das Salz in der Suppe, die weihnachtlich geschmückten Buden mit den handwerklich gefertigten Dingen. Sie gehören einfach zu einem Weihnachtsmarkt dazu. Gemütlich durch die Reihen schlendern, an so einem Verkaufstisch stehen bleiben, die vielen kleinen Dinge betrachten und sich so seine Gedanken machen. Wem kann ich mit so einem Stück eine Freude machen? Vielleicht sogar mir selbst?

Drei Anbieter sind auf dem Weihnachtsmarkt in Schongau präsent, die vor Ort ihre Produkte vor den Augen der Gäste entstehen lassen. Für alle drei ist Holz das Ausgangsprodukt, der Rohling. Aus ihnen formen die Künstler ihre Werke. Einzigartige Exemplare, alles Unikate. Nicht die Stangenware irgendwelcher Bau- und Verbrauchermärkte.

Bei Jo Milbert aus Steingaden fliegen die Fetzen. Besser gesagt die Späne. Jo ist Drechsler, dem man ganz genau auf die Finger sehen kann. Bei ihm bleiben sogar die Kinder ruhig stehen und sehen gebannt auf das rotierende Holzstück. Jo zeigt, wie aus einem einfachen Holzstück ein kleiner Kreisel entsteht. Fingerfertigkeit und viel, viel Gefühl sind gefragt. „Sonst kann einem schon mal ein Holzrohling um die Ohren fliegen“, erzählt er.

Mit Holz zu arbeiten hat Jo Milbert schon immer fasziniert. Eine an ihn vererbte Drechselbank gab den Ausschlag, vor fünf Jahren mit dem Drechseln anzufangen. Für ihn ist es eine Herausforderung, Holzschalen zu drechseln, denen man nicht ansieht, dass sie gedrechselt sind. Schließlich die Frage aller Fragen: Lohnt es sich finanziell, mit diesen Kunstgegenständen auf dem Markt präsent zu sein? Gibt es genügend Käufer? „Am Wochenende hat es sich auf alle Fälle gelohnt, da waren viele Gäste von außerhalb da.“ Unter der Woche dagegen war bei ihm wenig los.

Einen Holzwurf von Jo entfernt der zweite im Bunde der Künstler. Reinhard Nowak, der Holzformer mit den begnadeten Händen. Sie sind der Zauberstab, aus denen seine Figuren entstehen. Hier wird Handarbeit wirklich ganz groß geschrieben. Sein Rohmaterial sucht Nowak in abgelegenen Höhen von Südtirol. Wurzelholz oder Stücke mit einzigartiger Maserung. Die ist zwar im Rohzustand nicht zu erkennen, aber Nowak muss ein Gespür für das Besondere haben. Mit dem Mountainbike bringt er diese Findlinge zu Tal und in seine Werkstatt. „Nur der grobe Ausschnitt wird mit einer Säge herausgearbeitet“, verrät Nowak. Der Rest ist Raspel- und Schleifarbeit. Sträflingsarbeit, die Nowak fasziniert. Nur so entstehen die angenehmen Rundungen, die das Ertasten zu einem Erlebnis machen. Holz als Balsam für die Gefühle.

Wenn man bedenkt, dass der Künstler für einen 40 Zentimeter hohen Engel etwa 15 Stunden benötigt, kann man sich den Preis gut vorstellen. „Es sind für diesen Markt keine schnellen Mitnahmeartikel, aber die Resonanz auf meine Sachen ist hoch“, erklärt Nowak. Er erntet großes Lob für die Kunst und sein Kunsthandwerk. Kaufen allerdings tut kaum jemand etwas, bis auf eine prächtige Krippe. Und weil 18 Tage Markt am Stück für die Handwerker eine lange Zeit sind, werden sie am Sonntag das letzte Mal vor Ort sein.

Auch er formt in Sachen Holz. Nur etwas grober, viel grober. Thomas Jung bearbeitet seine Holzrohlinge mit der Motorsäge. Der „Bärenschnitzer“, wie er von vielen genannt wird, nimmt Fichtenholz aus der Umgebung als Ausgangsmaterial für seine Tierwelt. Gut, mit seinen Holzbären wurde er bekannt. Aber es sind auch Adler, Eulen und Wildschweine bei ihm mit dabei.

Extra für den Weihnachtsmarkt hat Jung sich zwei Akkusägen angeschafft, um vor Ort seine Kunstfertigkeit zu demonstrieren. Zwischen fünf und 20 Stunden benötigt er für ein Exemplar, je nach Größe. In den Pausen kümmert sich Jung um seine Hasen. Nicht etwa aus Holz, diese sind echt und sozusagen die „Ersatzkrippe“ neben der Bühne im Stall. Jung ist Vorsitzender des Kleintierzüchtervereins und hat mit seinen Vierbeinern genau den Geschmack der Kinder getroffen. Also fast eine lebende Krippe.

Noch eine Gruppe leistet an diesem Abend reine Handarbeit. Gepaart mit etwas Mundarbeit. Die Gruppe „Senfkristall Musik“ spielt auf. Diatonische, Harfe und Tuba, eine Kombination die nicht alle Tage zu hören ist. Hören? Zu genießen! Musikalisches Drechseln und Formen auf ganz besondere Art.

hh

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

EAS rüstet sich für Gewerbeschau
Schongau – Die Eishockey-Saison ist noch in vollem Gange, doch bei der EA Schongau denkt man schon weiter. Und zwar an die nächste Pfaffenwinkel-Gewerbeschau Anfang Juli.
EAS rüstet sich für Gewerbeschau
Hoffnung auf Entspannung
Schongau/Peiting – Auf Grund der anhaltenden Schneefälle sind die Räumfahrzeuge der Straßenmeisterei Peiting und des Bauhofes Schongau seit gut einer Woche im …
Hoffnung auf Entspannung
Hochland kauft US-Frischkäse-Giganten
Schongau/Heimenkirch – Hochland goes USA: Der Käsehersteller mit Hauptsitz in Heimenkirch (Allgäu) und Werk in Schongau hat den US-amerikanischen Frischkäsehersteller …
Hochland kauft US-Frischkäse-Giganten
Schüler angefahren - Zeugen gesucht
Schongau - Ein Autofahrer hat einen Radler übersehen und angefahren. Zunächst schien es dem Schüler gut zu gehen, nach dem Schock hat er aber Schmerzen. Wer ist der …
Schüler angefahren - Zeugen gesucht

Kommentare