An der Berufsschule

Kräutermischungs-Zigarette: 15-Jährige bricht zusammen

Schongau - An der Schongauer Berufsschule ist eine 15-Jährige zusammengebrochen, nachdem sie an der Kräutermischungs-Zigarette eines 18-Jährigen gezogen hatte.

Den Weg von der Pause Richtung Schulgebäude hat die 15-jährige Schülerin noch knapp geschafft. Doch im Klassenzimmer wurde ihr so schlecht, das sie zusammen mit ihrer 16-jährigen Freundin, die ebenfalls über Übelkeit klagte, in den Sanitätsraum gebracht wurde. „Erst sah es nur so aus, als ob ihr Kreislauf zusammengebrochen ist“, sagt Schulleiter Thomas Schütz. Doch nachdem die Jüngere immer weniger ansprechbar war und ohnmächtig wurde, habe man den Notarzt gerufen - zumal die noch ansprechbare 16-Jährige gestand, was der Grund für die Überlkeit ist: Sie hatten in der Pause an der Kräutermischungs-Zigarette Zigarette eines 18-Jährigen gezogen.

Diese sogenannten „Legal Highs“ sind brandgefährlich, die Polizei warnt seit Jahren vor dem Konsum. Doch die Polizei bekommt das nur in seltenen Fällen mit. Zum Beispiel, als es kürzlich wiederholt Einbrüche in eine Peitinger Postfiliale gab. Erst nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde den Ermittlern klar, was die Täter dort gesucht haben: „Jemand hatte sich Kräutermischungen bestellt und sie gestohlen, um nicht bezahlen zu müssen“, sagt Ronald Bauer, Vize-Leiter der Polizeiinspektion Schongau. Man hatte auch einen Tatverdächtigen im Visier, konnte ihm die Einbrüche aber nicht nachweisen.

An der Berufsschule ist es der erste derartige Vorfall, sagt Schulleiter Schütz. „Wobei ich natürlich nicht weiß, was außerhalb des Schulgeländes alles konsumiert wird.“ Auf dem Schulgelände ist Rauchen verboten, meist werde auf einer Fläche neben dem Parkplatz gequalmt. Theoretisch dürfe man in der Vormittags-Pause das Schulgelände nicht verlassen, doch wie wolle man diese Raucher von denen unterscheiden, die volljährig sind und sich in einer Freistunde dort bewegen? „Das lässt sich einfach nicht kontrollieren“, sagt Schütz.

Mit dem 18-Jährigen, der bisher nicht polizeilich in Erscheinung getreten ist, konnte Schütz noch nicht sprechen. „Den hat die Polizei gleich mitgenommen, und er ist nur einen Tag pro Woche bei uns an der Schule.“ Man werde sich aber sicher am Montag innerhalb der Schulleitung zusammensetzen und den Vorfall besprechen. Laut Polizei wird gegen den 18-Jährigen ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Für die beiden Mädchen hatte die Kräutermischungs-Zigarette gesundheitliche Folgen. Die 15-Jährige verbrachte die Nacht zur Überwachung im Krankenhaus, „angeblich sogar auf der Intensivstation, habe ich gehört“, so Schütz. Kein Wunder: „Ich habe im Internet gelesen, dass manche Mischungen die vierfache Wirkung von Cannabis haben.“ Der 16-Jährigen ging es schneller wieder besser - aus einem Grund, der Schütz den Kopf schütteln lässt: „Die hat mir gesagt, beim ersten Mal ist es ihr genauso ergangen wie ihrer Freundin, die es offenbar zum ersten Mal probiert hat.“ In der Clique der 16-Jährigen sei der Konsum derartiger Drogenmischungen offenbar gang und gäbe. Doch Schütz hofft, dass das Mädchen kuriert ist: „Sie hat gesagt, das jetzt war ihr eine Lehre.“

Info: Wer „Kräutermischung“ im Internet eingibt, hat die freie Auswahl: Die sogenannten „Legal Highs“ werden meist aus dem Netz gekauft, die Hersteller kommen überwiegend aus asiatischen Ländern. Doch was verharmlosend als in Tütchen verpacktes Räucherwerk angepriesen wird, kann sehr gefährlich sein: Sie enthalten häufig Rauschmittel, Stimulanzien oder ähnliche chemische Wirkstoffe, die auf den Verpackungen bewusst nicht ausgewiesen werden. Bis die Behörden eine Mischung als gefährlich einstufen und verbieten können, kommt einfach die nächste auf den Markt. Mehrfach schon gab es in Deutschland dokumentierte Todesfälle, bei denen die dubiosen Kräuter eine Rolle gespielt haben, zum Beispiel erst im März ein 28-Jähriger in München. Auch in Neuötting starb vergangenen November ein 32-Jähriger an einer Kräutermischung, wie ein toxikologisches Gutachten ergeben hat. In Hof ist im November ebenfalls ein Schüler nach dem Genuss einer Kräutermischungs-Zigarette während der Pause zusammengebrochen und ins Krankenhaus eingeliefert worden.

bo

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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