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Thomas Eberherr und Heinz Stellwag von der Regierung von Oberbayern stellten das Vorhaben von Natura 2000 vor. 

Lech-Projekt Natura 2000

Gut für die Natur, schlecht für die Landwirte?

Schongau - Die wertvolle Kulturlandschaft am Lech zu erhalten, ist Ziel des europäischen Biotop-Verbundes Natura 2000. Das Gebiet „Mittlerer Lech“ zwischen Hirschau und Landsberg soll 2016 kartiert und in Folge ein Management-Plan aufgestellt werden.

Da Grundstücks- und Waldeigentümer in der Regel nicht von der Vorstellung begeistert sind, mit neuen Naturschutz-Auflagen konfrontiert zu werden, hatte die Regierung von Oberbayern zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde zur Auftaktveranstaltung für die Natura 2000-Maßnahmen Eigentümer, Vereine, Verbände, Firmen und Landwirte eingeladen, um im Vorfeld zu informieren.

Grundlage für den Aufbau des europäischen Biotopverbundnetzes Natura 2000 sind die Vogelschutz-(VS) und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL). Zusammen mit den Eigentümern und Bewirtschaftern der in Natura 2000 erfassten Wald- und Auengebiete am Lech, soll der gute Zustand der wertvollen Kulturlandschaft Oberbayerns erhalten werden, wie Moderator Thomas Eberherr (Regierung von Oberbayern) betonte. Heinz Stellwag (Regierung von Oberbayern) und Elmar Pfau (Regionales Kartierteam Mittelfranken) informierten über die besonderen Lebensraumtypen und Arten in Wald und Offenland, die entlang des Lechs zu finden sind.

Seltene Fische, Vögel und Pflanzen

So sind im Wasser seltene Fischarten wie Groppe, Huchen und Frauennerfling zu finden. In den Auen blüht die Sumpfgladiole und wird vom dunklen Wiesenkopf-Ameisenbläuling umschwärmt. In den Wäldern am Rande des Lechs findet man große Buchenwaldbestände, Schlucht und Hangmischwälder sowie Auenwälder mit Erle und Esche. Hier sind noch rar gewordene Orchideenarten, wie der Frauenschuh zu finden und auch Gelbbauchunke und Kammmolch fühlen sich hier wohl.

Bei den Wasservogelarten wurden durch den Verbau des Lechs in den vergangenen Jahrzehnten bereits Verluste festgestellt. Allerdings entstanden durch die Staustufen auch Verlandungszonen, die im Winter durch Zuwanderung eine neue Vielfalt aufweisen. Hier sind unter anderem Singschwan, Schnatterente, Schellenete, Tafelente oder Zwergtaucher zu beobachten. Zudem Kiesbrüter, Flußuferläufer oder Flussregenpfeifer. In den Auwäldern streift der Uhu ebenso durch die Lüfte, wie der Schwarzspecht, der Behausungen für diverse Tierarten schafft. Außerdem Rotmilan, Schwarzmilan, Hohltaube, Grauspecht oder Eisvogel.

Lebensräume werden im Laufe des Jahres genau untersucht

Wie die Lebensräume sowie deren Besiedelung durch die verschiedenen Arten genau aussehen, wird Elmar Pfau mit seinem Kartierteam im Laufe dieses Jahres erkunden und festhalten. Aus den gewonnenen Erkenntnissen soll dann ein Maßnahmenpaket für die Bewirtschaftung geschnürt werden, um den Artenbestand zu erhalten. Für Grundstückseigentümer und Nutzer aber hat dieses Vorhaben lediglich Hinweischarakter – ist nicht rechtsverbindlich. Die Flächen können also wie bisher weiter bewirtschaftet werden, sofern sich dadurch der Ist-Zustand nicht verschlechtern.

Eberherr betonte in diesem Zusammenhang, das gemeinsames Handeln am ehesten zum Erfolg führen wird. Deshalb sollen auch Anregungen und Wünsche diskutiert und gegebenenfalls in den Managementplan aufgenommen werden.

Landwirte befürchten Einschränkung

Einwände gegen die Naturschutz-Reglementierungen hatten die anwesenden Landwirte trotzdem. Markus Wühr befürchtete, durch eventuelle Maßnahmen als Landwirt in seiner Bewirtschaftung eingeschränkt zu werden. Wühr führte einige Beispiele aus der Praxis an, in der behördliche Auflagen nicht unbedingt Verbesserung bewirkten. Heinz Stellwag dazu: „Die Kartierung ist eine Chance auch für die Landwirte, Informationen zu bekommen. Es wird nichts unter den Tisch gekehrt, Einschränkungen sind nicht zu erwarten.“

Ebenso führte Wühr die ab 2028 auslaufenden Konzessionen an den Staustufen an. „Was ist, wenn die Konzessionen an den bis dahin vielleicht maroden Staustufen auslaufen?“, fragte Wühr und vermutete, dass die Stromkonzerne, die dort Gewinn machen, bei den Naturschutz-Maßnahmen außen vor gehalten würden. Auch Kreisrat Hans Schütz forderte Verbesserungen in Sachen Schwellbetrieb. Und: Mit der weiteren Vergabe der Konzessionen sollten auch Auflagen für Naturschutz-Verbesserungen verbunden werden.

uf

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