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Eier verschiedener Größen mit Bleistiftzeichnungen kunstvoll gestaltet. Dies ist eine malerische Spezialität von Manuela Dreher, die in der alten Schlosserei ihres Großvaters ihre Werke gestaltet. Aber erst in den Nachtstunden, wenn Töchterchen Agnes zu Bett gelegt wurde.

An Ostern

Manuela Dreher macht Kunstwerke von zerbrechlicher Schönheit

Schongau - Ein Osterfest ohne Ostereier – eigentlich undenkbar. Bunt bemalt und mit Mustern verziert oder einfach nur in Pastelltönen gefärbt verschönern sie jedes Osternest. So war es schon bei unseren Großeltern, unsere Eltern haben den Brauch an uns weitergegeben. Ganz besondere Eier zum Osterfest zaubert Manuela Dreher. Es sind kleine Kunstwerke von zerbrechlicher Schönheit.

Das Osterfest ist ganz klar datiert. Genau 46 Tage nach Aschermittwoch wird am nächtlichen Osterfeuer die Osterkerze entzündet. Danach gilt bei vielen der alte Brauch, sich gefärbte oder kunstvoll verzierte Eier zu schenken. Zurückführend auf die „gute alte Zeit“.

Damals häuften sich in der Fastenzeit die Eier an. Strenge Fastenregeln hatten es in sich. Diese verboten nicht nur den Genuss von Fleisch, auch Milch und Eier standen auf der schwarzen Liste. Die Eier beflügelten ja nach altem Gedankengut auch die Fleischeslust. Dem wollte man einen Riegel vorschieben. Bei Hahn und Henne war das anders. Den Hennen konnte man ja das Eierlegen nicht verbieten, also war an Ostern ein Eierüberschuss angesagt. Ein wahrer Eiertanz.

Welches Kind erinnert sich nicht an den Moment, als es sein erstes Hühnerei ausblasen durfte. An der Unterseite pickte man mit einer Nadel ein kleines Loch hinein, an der Oberseite ein noch kleineres. Dann die Backen aufgeblasen, Druck erzeugen und kräftig hineinblasen. Der Vorgang endete nicht selten in einem Tränenbad, wenn man die zerbrochenen Schalen in den Händen hielt. Warum klappte es bei der Großmutter immer so ausgezeichnet? Großmütter müssen zum Eierausblasen ein ganz besonderes Talent haben. Und die unverwechselbare Ruhe. Anders ist das nicht zu erklären, warum nie ein Ei zu Bruch ging.

Diese Ruhe und Ausgeglichenheit hat auch Manuela Dreher. Auf alle Fälle, wenn sie Eier bemalt. Dann schafft sie kleine, zerbrechliche Kunstwerke – jedes ein Unikat. Da ist kein Ei wie das andere, jedes mit einem besonderem Motiv verziert. Produktion wie am Fließband hasst Manuela, sie liebt das Besondere. Und ihre bemalten Eier sind wirklich etwas Besonderes. Manuela bemalt Eier mit dem Bleistift. Dazu nimmt sie Stifte verschiedener Härtegrade, mit der Hand perfekt angespitzt. Nichts überlässt sie dem Zufall. Genauigkeit ist Trumpf.

Das muss sie von ihrem Opa Johann geerbt haben. Dessen Werkstoff war zwar wesentlich härter, aber ohne Genauigkeit ging bei ihm gar nichts. Johann Vogl hatte in der Bauerngasse eine Schlosserei, die er von seinem Vater Hans übernommen hatte. Jedem Werkstück, das Schlossermeister Johann Vogl hergestellt hat, lag eine genaue Zeichnung zugrunde. Zeichnen konnte er, schmieden und Schlösser herstellen aber auch. Alte Handarbeit in Vollendung. Dieses Talent hat Manuela übernommen. Und auch die Schlosserei. So ist der Name für ihre Wirkungsstätte entstanden: Kunst in der alten Schlosserei. Das Talent zum Zeichnen hat sich schon in frühen Jahren zu Wort gemeldet. Mit elf Jahren gewann sie einen Malwettbewerb. Damals hat sie ein Hühnerei mit Bleistift bemalt. Motiv: Ein Hase. Es wurde ein Geschenk für ihre Mutter zu Ostern.

Daraufhin meldete sich Opa Johann zu Wort. Quasi als Auftragsarbeit wünschte er sich einen Boxerhund auf Ei gemalt. Kein Problem für die Enkelin, der Hund wurde auf Kalkschale verewigt. Jedes Jahr zum Osterfest zierten neu bemalte Eier den Osterstrauß. Immer in anderen Techniken bemalt. Am Ende entschied sich Manuela für die Bleistiftmalerei. Ein Leserbrief von Manuela an eine Zeitschrift mit beigefügtem Foto von einem bemalten Ei brachte das Ei ins Rollen. Pardon, den Stein. Veranstalter von Ostermärkten rückten ihr plötzlich mit Anfragen zu Leibe, alle wollten die bemalten Eier haben. Manuela vergößerte ihr Angebot.

Was mit Hühnereiern geht, muss doch auch eine Nummer größer funktionieren, oder? Die Frage beantwortete sie sich selbst. Sie nahm Enten-, Gänse-, Nandu- und auch Straußeneier in ihr Repertoire auf. Mit großem Erfolg. Denn viele ihrer Kunden, vor allem Italiener, hängen die Eier nicht auf den Osterstrauß, sie sehen sie als Sammelobjekte, haben dafür Glasvitrinen. „An so einem Straußenei kann man sich richtig austoben“, erklärt sie. Damit meint sie die Fläche, die sie bemalen kann. Die Beschaffenheit der Oberflächen ist jedoch unterschiedlich. Während ein Gänseei grobporig ist, hat das Entenei eine sehr feinporige Oberfläche. Das überträgt sich auch auf das Motiv. „Es ist schon eine besondere Herausforderung, wenn ich ein Gesicht auf das Ei male“, sagt sie und zeigt eines ihrer Meisterstücke. Ein Nanduei mit dem Portrait von Audrey Hepburn.

Das Besondere: Die Kette, welche die Schauspielerin um den Hals trägt, hat Manuela in kleinen Strasssteinen aufgeklebt. Zeitaufwändig, aber perfekt gelungen. Appropos Zeitaufwand. Gute vier bis fünf Stunden sitzt sie an einem Hühnerei, bei Nandu- oder Straußeneiern gehen 16 bis 20 Stunden drauf. Alles nachts, wenn Töchterchen Agnes schläft. Dann hat sie die Ruhe, die sie für die Bleistiftmalerei braucht. Dort, wo früher Ambossschläge den Ton angaben, begleitet nun Musik die Malerin. Bei der „Kunst in der alten Schlosserei“. Zu erreichen ist sie in der alten Schlosserei, Bauerngasse 11, oder über www.manueladreher.de.

Hans-Helmut Herold 

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