Ein Bayer auf Reisen 

Mit dem Bulldog um Europa

Schongau - 169 Tage, 25 400 Kilometer. Hubert Berger hat mit seinem Eicher Tiger 2 von 1970 einmal Europa umrundet. Dabei hätte der 58-Jährige unterwegs fast aufgegeben.

Es hatte sich seit Längerem abgezeichnet und jetzt, in der Ukraine, kurz vor der russischen Grenze, entscheidet er, dass es so nicht weitergeht. Das Geld geht aus, er hat keine Wahl, er dreht um, zurück nach Hause. Ende der Weltumrundung.

Viele Tage später, er ist inzwischen in Polen, trifft er auf einem Campingplatz ein Schweizer Ehepaar. Die zwei sind begeistert von seiner Idee, laden ihn zum Essen ein. Wäre doch schade, nun aufzugeben, sagen sie. Zum Abschied schenken sie ihm zwei Tafeln Schweizer Schokolade, und er denkt, dass die beiden recht haben. Er fährt los. Beginn der Europaumrundung.

Hubert Berger, 58, Bulldog-Fahrer, Weltenbummler, beschreibt diese entscheidenden Tage zwischen Aufgabe und Neuanfang in einem Blog-Eintrag von Ende Juni. Seit Ende Oktober ist er wieder daheim in Unterdießen (Kreis Landsberg am Lech). Er hat zwar nicht die Welt, dafür aber Europa mit seinem Bulldog umrundet. 36 Länder, 169 Tage, genau 25 378,4 Kilometer. Damit hat Berger einen neuen Guinness-Rekord aufgestellt. Der alte lag bei knapp 22 000 Kilometern.

Am 8. Mai 2016 startete er von Landsberg aus mit seinem Eicher Tiger 2, Baujahr 1970, und einem kleinen Wohnwagen. Im Schnitt fuhr er 25 km/h schnell, was einige Vorteile hatte. Einmal für all die, die ihn auf seiner Fahrt fotografierten („geschätzt hunderttausend Mal“) und für ihn, weil er alles in Ruhe auf sich wirken lassen konnte. Norwegen war landschaftlich einfach wunderbar. In Santiago de Compostella sah er in Wallfahrergesichter. In der Ukraine waren die Straßen schlecht. In Schottland fühlte er sich wie eine Maus im Labyrinth, überall Steinmauern und hohe Hecken. An der Grenze zur Türkei wurde ihm die Einreise verweigert.

Dann, in Pescara/Italien, überschritt er schließlich die Weltrekordmarke.

„Die Welt ist schnell und rasant geworden“, sagt Berger. Seine Reise war so etwas wie das Gegenprogramm. Die Einsamkeit ließ ihn manchmal laut reden, so hielt er seinen Geist wach. „Der Traktor und ich“, sagt er, „wir sind zusammengewachsen.“

Streckenweise machte ihm das Wetter zu schaffen. Temperaturen über 40 Grad, Eiseskälte, Mückenplagen. Die körperlichen Strapazen ließen ihn zwischendurch ans Aufgeben denken. Und dann war da noch dieses undefinierbare Geräusch am Traktor. Was genau das war – er weiß es nicht. Am Bodensee brach schließlich die Zugdeichsel vom Wohnwagen in zwei Teile und im ohnehin längst abgefahrenen Vorderreifen steckte eine Schraube. Zum Glück lag sein Ersatzteile-Sponsor gleich in der Nähe. In dessen Landmaschinenwerkstatt konnte Berger, selbst gelernter Mechaniker, seinen Wohnwagen wieder reisetauglich machen.

An einem kühlen Tag Ende Oktober kommt er zurück, nach einem halben Jahr auf seinem Bulldog. Daheim in Unterdießen bereiten ihm Freunde, Bekannte, Nachbarn einen herrlichen Empfang: Bulldogs stehen Spalier, Alphörner erklingen, über der Straße hängt ein Banner, auf dem „Ziel“ und „Guinness-Weltrekord“ steht. „Ich bin narrisch gerührt, dass so viele gekommen sind“, sagt Berger, als er in seiner orangefarbenen Jacke vom Bulldog steigt. „Der Traktor und ich sind Freunde geworden.“

Jetzt fehlt nur noch die Bestätigung des Rekords. Kürzlich hat Berger all seine Nachweise nach London geschickt, wo Guinness World Records sitzt. Dann sind er und sein Eicher auch offiziell Weltrekord-Halter.

von Gisela Klöck

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